Perfekter Kopfball: Fabian Klos markiert den Treffer zum 5:0. Christopher Avevor schaut zu. - © Wolfgang Rudolf
Perfekter Kopfball: Fabian Klos markiert den Treffer zum 5:0. Christopher Avevor schaut zu. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Oh, du fröhliche! Tore schießende Arminia!

Arminia: Mit herzerfrischendem Offensivfußball und tollen Toren verzaubern die DSC-Kicker beim 5:0 gegen den FC St. Pauli in der zweiten Halbzeit das entzückte Publikum. Reihenweise Rekorde an einem denkwürdigen Abend

Jörg Fritz

Bielefeld. Der 16. Spieltag war aus der Sicht des DSC Arminia Bielefeld gleich aus mehreren Gründen rekordverdächtig. Zum letzten Heimspiel in diesem Jahr strömten 22.826 Zuschauer in die Schüco-Arena, was Saison-Bestbesuch bedeutete. Diese Fans waren Zeuge des höchsten Saisonsieges, der gegen eine Mannschaft aus St. Pauli herausgespielt wurde, die bei der 0:5-Niederlage gegen die in der zweiten Halbzeit entfesselt aufspielenden Gastgeber hilflos wirkte. "Wir haben völlig die Ordnung verloren", räumte Trainer Olaf Janßen ein. Neun Gegentore in zwei Spielen werfen Fragen nach seiner beruflichen Perspektive nach dem siebten sieglosen Spiel auf. Janßen setzt auf die harte Linie. Der freie Sonntag wurde gestrichen. Das Training am 1. Advent war um acht Uhr morgens angesetzt. Das Musikrepertoire der Südkurvenfans war von vorweihnachtlichen Einflüssen bestimmt. "Oh, du fröhliche" traf jedoch den Geschmack aller an diesem Abend auf der Alm. Strahlende Gesichter über die beste zweite Halbzeit in dieser Spielzeit gab es nicht nur bei den Zuschauern. Auch die Spieler freuten sich wie kleine Kinder über ihren Fußballzauber und das Ende des Heimkomplexes, nachdem in den fünf Heimspielen zuvor kein Sieg errungen worden war. 17 der insgesamt 27 erzielten Bielefelder Treffer fielen im zweiten Spielabschnitt, was als Anzeichen zu werten ist, dass Saibenes Pausengespräche von einem gewissen Esprit geprägt sein müssen. Leandro Putaro eröffnete den Torreigen in der ersten Hälfte, sehr zur Freude von Jeff Saibene. Arminias Trainer hatte wie schon vor dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig ein Vieraugengespräch mit dem 20-Jährigen geführt. Die persönliche Betreuung zahlte sich erneut aus. Gegen Braunschweig hatte Putaro sein erstes Pflichtspieltor in der 90. Minute zum 2:2 markiert. Jeff Saibene: "Leandro Putaro ist ein großes Talent. Er kann noch viel mehr. Ich bin daher streng zu ihm." "Mit 25 Punkten liegen wir voll im Soll" Florian Dick mit einem Dropkick aus 25 Metern, Florian Hartherz mit seinem ersten Meisterschaftstor für Arminia sowie der überragende Konstantin Kerschbaumer und Fabian Klos, der nach neun Spielen endlich eine Durststrecke beendete, hießen die weiteren Bielefelder Torschützen. Letztgenannter wurde dreieinhalb Stunden nach dem Abpfiff 30 Jahre alt. Sage und schreibe 13 Jahre jünger ist Roberto Massimo, dem Jeff Saibene in der 83. Minute zu seinem Zweitligadebüt verhalf. Der Youngster zeigte sich von der Atmosphäre stark beeindruckt und kam in der Statistik der Laufleistung auf einen Wert von 1,01 Kilometer. Dass am Ende eines bemerkenswerten Fußballabends die Zahl 25 im Mittelpunkt stand, die zumindest bis Montag Tabellenplatz fünf bedeutet, war laut Saibene "dem Tempo und der Qualität geschuldet, wie wir nach vorne gespielt haben." Der Trainer will aber noch mehr. "In den beiden restlichen Auswärtsspielen des Jahres in Sandhausen und Regensburg gibt es noch sechs Punkte zu verteilen", lautet die Botschaft an sein Spieler. Wie kaum ein anderer versteht Routinier Florian Dick die Worte seines Trainers. "Mit 25 Zählern liegen wir voll im Soll. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass die Punkte 30 bis 40 am schwersten zu holen sind."

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