Volle Pulle: Arminia Bielefelds Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer (l.) und Manuel Prietl im Laufduell mit dem Düsseldorfer Florian Neuhaus. - © Christian Weische
Volle Pulle: Arminia Bielefelds Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer (l.) und Manuel Prietl im Laufduell mit dem Düsseldorfer Florian Neuhaus. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Wie Arminias Profis ihre Gegner in Grund und Boden rennen

Die Strategie von Trainer Saibene zahlt sich aus. Prietl legt die meisten Kilometer aller Zweitligaprofis zurück

Jörg Fritz

Bielefeld. Der Konkurrenz in der 2. Fußball-Bundesliga kann Arminia Bielefelds Trainer Jeff Saibene nach neun Spieltagen nur zustimmen. „Gegen uns zu spielen ist eklig", sagt der Luxemburger und verweist auf die 17 Punkte, die Platz vier in der Tabelle bedeuten. Saibenes Philosophie basiert auf einer hohen Laufbereitschaft seiner Spieler. „Laufen ist unser Plan. Damit haben wir Erfolg", beschreibt der 49-Jährige die Vorgehensweise auf dem Platz. Arminias Spieler rennen ihre Gegner in Grund und Boden und gelten als laufstärkste Mannschaft in der 2. Bundesliga. In den bisher ausgetragenen neun Meisterschaftsspielen haben die Arminia-Profis 1.088,41 Kilometer zurückgelegt und nehmen in dieser Rangliste den ersten Platz vor dem FC Ingolstadt (1.055,52) und dem VfL Bochum (1.055,40) ein. Mit Manuel Prietl (110,42 Kilometer) stellen die Ostwestfalen zudem den laufstärksten Spieler der gesamten 2. Bundesliga. Rekordverdächtige Kilometerzahl gegen Dresden Absolut rekordverdächtig sind die zurückgelegten 130,22 Kilometer beim 2:0-Sieg in Dresden. „Das ist Wahnsinn. Von einer vergleichbaren Leistung habe ich bislang noch nicht gehört", sagt Saibene. Der Fußballlehrer legt für seinen Fußball großen Wert auf die die Defensive und die Organisation des Spiels. „Jeder einzelne Spieler soll an allen Situationen beteiligt sein", lautet der Anspruch. „Daher muss viel gelaufen werden", sagt der Luxemburger, „vor allem von den Mittelfeldspielern, da sie vorne und hinten ihren Job verrichten müssen." Voraussetzung für dieses laufintensive Spiel ist eine perfekte Trainingssteuerung, die bei den Arminen in den Händen von Athletik-Coach Reinhard Schnittker liegt. Saibene: „Ich trainiere weniger, aber dafür intensiver. Und immer mit dem Ball. Im Rahmen der Vorbereitung haben wir nicht einen einzigen Lauf ohne Ball bestritten. Der Ball ist das wichtigste Instrument im Fußball. Und damit arbeiten wir." Mit dieser Ideologie ist Saibene in der Vergangenheit bereits gut gefahren. „Meine Teams in St. Gallen und Thun waren die fittesten in der Schweizer Liga." Düsseldorf auf Platz 11 Da die Arminen wie alle anderen Zweitligisten auch sportliche Erfolge aufgrund der fehlenden individuellen Klasse nicht ausschließlich auf spielerischem Weg bewerkstelligen können, sind Fähigkeiten wie Fitness und gute Organisation gefragter denn je. Diese These wird gestützt durch Laufwerte der Spitzenteams in der 1. und 2. Bundesliga. Die Spieler des Zweitliga-Tabellenführers Fortuna Düsseldorf werden in diesem Ranking mit 1.032,04 Kilometern nur auf dem elften Platz geführt. In der ersten Bundesliga spulten die Profis des Tabellenführers Borussia Dortmund in sieben Meisterschaftsspielen 803,70 Kilometer herunter, was nur Rang zwölf bedeutet. Die lauffreudigsten Teams kommen aus Hoffenheim (829,13), Mönchengladbach (818,18) und Frankfurt (817,88). Bayern München nimmt den 17. Platz (790,32) ein. Das heißt, dass Klubs mit einer großen Zahl an individuell starken Spielern bei der Umsetzung ihrer Ziele andere Prioritäten setzen. Deren Laufwege sind daher kürzer. "Erfolge sind kein Zufall" „Die Effizienz ist ein weiterer wichtiger Punkt, um erfolgreich Fußball spielen zu können", erklärt Saibene. „Die statistische Aussage von 16 Torschüssen auf das gegnerische Tor bringt mir gar nichts, wenn wir dabei nur ein Tor erzielt haben. Mir sind zwei Treffer bei acht Versuchen natürlich lieber", sagt der Coach. Wichtigste Erkenntnis für Saibene nach dem ersten Saisonviertel ist der Tatbestand, „dass die Erfolge kein Zufall sind. Wir haben die guten Leistungen aus der Endphase der Vorsaison bestätigt und Kontinuität bewiesen." Deshalb ist ihm auch nicht bange vor der Zukunft. „Jeder weiß, dass wir immer an unser Limit gehen müssen, um Erfolg zu haben." Deshalb sei das 0:4 gegen Duisburg eine heilsame Lehre gewesen, meint Saibene. Die Mannschaft hatte einen kollektiven Blackout und erzielte mit 112,74 Kilometern einen lausigen Laufwert.

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