Der erste Nadelstich: Brian Behrendt, Florian Dick und Stefan Ortega (v. l.) sind nach dem Tor zum 0:1 frustriert. - © Christian Weische
Der erste Nadelstich: Brian Behrendt, Florian Dick und Stefan Ortega (v. l.) sind nach dem Tor zum 0:1 frustriert. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminias Überheblichkeit wird von Duisburg bestraft

Trainer Saibene spricht nach der 0:4-Niederlage gegen den MSV Duisburg von einer fehlenden Einstellung. „Bis auf Ortega hätte ich alle auswechseln können“

Jörg Fritz

Bielefeld. Die Worte, die Arminia Bielefelds Trainer Jeff Saibene nach der 0:4 (0:1)-Niederlage gegen den Zweitligaaufsteiger MSV Duisburg wählte, waren an Schärfe nicht mehr zu übertreffen. Der Trainer aus Luxemburg war nach diesem sportlichen Desaster geschockt und zutiefst enttäuscht. Im 14. Meisterschaftsspiel unter seiner Regie zeigten die Arminen ihre bislang schlechteste Leistung und ließen Erinnerungen an eigentlich vergessen geglaubte Zeiten aufkommen. „Bis auf Torwart Stefan Ortega hätte ich alle Spieler auswechseln können", lautete ein Fazit des Trainers, der nach außen hin ruhig wirkte, es innerlich aber in ihm brodelte. Arminias höchste Heimniederlage seit dem 26. Spieltag der Saison 2015/16 (0:4 unter Norbert Meier gegen den 1. FC Nürnberg) war das Ergebnis von Pomadigkeit. Saibene bemängelte eine fehlende Einstellung fast aller. Im Gefühl von zuvor zehn erarbeiteten Punkten aus vier Meisterschaftsspielen schlich sich in den Köpfen der Spieler überhebliches Gedankengut ein. „Viele hatten die Einstellung, dass gegen Duisburg schon 80 Prozent Einsatz reichen würde", kritisierte Saibene. „Wir müssen aber in jedem Spiel an unser Limit gehen, wenn wir erfolgreich sein wollen", nannte er die Formel, die bislang gut funktioniert hatte. "Körpersprache hat nicht gepasst" Die kritisierten DSC-Profis wollten ihren lausigen Auftritt nicht beschönigen und übten harte Selbstkritik. „Von Anfang an hat unsere Körpersprache nicht gepasst", sagte Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer. Kapitän Julian Börner sprach vom kollektiven Versagen der gesamten Mannschaft. „Es war ein Dämpfer zur rechten Zeit." Besorgniserregend neben der fehlenden Einstellung erwies sich die hohe Fehlerquote der Arminen. Die Duisburger Führung durch Moritz Stoppelkamp (19.) leitete Florian Dick durch eine verunglückte Rückgabe auf Torhüter Ortega ein. Beim 0:2 durch Oliveira Souza (56.) verlor Julian Börner das Laufduell gegen den Brasilianer. Souza, der ablösefrei vom Drittligisten Fortuna Köln zu den Zebras im Sommer gewechselt war, spielte beim 0:3 (59.) erneut seine Schnelligkeit aus. Für den Schlussstrich von 0:4 aus Bielefelder Sicht sorgte der eingewechselte Kingsley Onuegbu in der 90. Minute. Duisburg mit Bielefelder Tugenden Nachdenklich stimmte, dass selbst die Führungsspieler zu keinem Zeitpunkt des Spiels in der Lage waren, die Zügel in die Hand zu nehmen. Julian Börner befand sich nach seiner Verletzung noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und wies vor allem läuferisch Defizite auf. Fabian Klos agierte glücklos und musste wegen einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden. Punktgenau erwies sich die Analyse von Duisburgs Trainer Ilia Gruev: „Wir haben in der Schüco-Arena so wie Arminia Bielefeld in den letzten Wochen gespielt." Leidenschaft, Biss, Laufbereitschaft, Spielwitz, aggressives Tackling – all diese Tugenden, die die Ostwestfalen in den vergangenen Wochen zeigten, waren gegen Duisburg nicht erkennbar. „Wenn wir nicht umgehend zu diesen Werten zurückfinden, werden wir ganz schnell unten in der Tabelle landen", lauteten Saibenes mahnende Worte. Arminia Bielefeld muss in der englischen Woche zweimal auswärts antreten. Am Sonntag führt die Reise zum Bundesligaabsteiger Darmstadt 98. Am Mittwoch, 20. September, gastiert Arminia in Dresden. Einen wichtigen Rat gab Saibene Spielern und Fans mit auf die Heimfahrt. „Bescheidenheit wird uns gut tun."

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