Klare Ansage: Arminia Bielefelds Trainer Jeff Saibene (2. v. l.) zeigt Christoph Hemlein die Marschrichtung. Im Hintergrund schauen Sport-Geschäftsführer Samir Arabi (l.) und Torwarttrainer Marco Kostmann (r.) zu. - © Christian Weische
Klare Ansage: Arminia Bielefelds Trainer Jeff Saibene (2. v. l.) zeigt Christoph Hemlein die Marschrichtung. Im Hintergrund schauen Sport-Geschäftsführer Samir Arabi (l.) und Torwarttrainer Marco Kostmann (r.) zu. | © Christian Weische

Arminia Arabis Glücksgriff Saibene: Ein Typ wie Krämer, nur ruhiger

Der Luxemburger weckt Hoffnungen auf noch schönere Fußballzeiten. Bilanz mit 20 Punkten und nur einer Niederlage aus elf Spielen ist beeindruckend

Jörg Fritz

Bielefeld. Dieses Zahlenwerk ist schlicht und ergreifend beeindruckend. Seit Jeff Saibene am 19. März 2017 den Trainerposten beim DSC Arminia Bielefeld übernommen hat, bestritt der Zweitligist elf Plichtspiele saisonübergreifend. Unter der Regie des Luxemburgers sprangen fünf Siege, fünf Unentschieden und nur eine Niederlage heraus - das 2:3 in der Schüco-Arena gegen den späteren Aufsteiger VfB Stuttgart. 20 Punkte bei einer Tordifferenz von 23:13 sind Werte, die vor einigen Wochen noch als utopisch angesehen wurden. Es ist die Person Saibene, die mit ihrer ruhigen Art und klugen Entscheidungen überzeugt und die Mannschaft vor dem Abstieg gerettet und in der neuen Spielzeit das Ziel ausgegeben hat, möglichst frühzeitig mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Mit dem gelungenen Start von sechs Punkten aus zwei Spielen sind die Arminen auf dem besten Weg, des Trainers Vorstellungen in die Tat umzusetzen. "Er ist ein Typ wie Stefan Krämer, nur ein wenig ruhiger." Diese Beschreibung Jeff Saibenes, vorgenommen von Abwehrspieler Stephan Salger, könnte treffender kaum ausfallen. Wie Krämer sucht auch Saibene das intensive Gespräch mit den Spielern. Nur in Sachen Temperament unterscheidet sich der Luxemburger vom Rheinländer Krämer. In seiner gesamten Darstellung wirkt Saibene authentisch und vor allem zielorientiert. Als einziger Trainer in der jüngeren DSC-Vergangenheit ging er das Wagnis ein, den bis dahin als unangreifbar geltenden Fabian Klos nach dem 1:1 in Würzburg für das folgende Spiel gegen Düsseldorf aus der Startelf zu nehmen. Stefan Krämer, Norbert Meier und Rüdiger Rehm hatten dieses Risiko stets gescheut. Saibenes Entscheidung zahlte sich aus und wirkte zudem befreiend für sämtliche Akteure des DSC-Kaders. "Alle Profis wollen spielen" lautet das Credo Saibenes. Er vermittelt seinen Spielern somit das Gefühl, dass alle unter gleichen Voraussetzungen im Training bewertet werden. Stefan Krämer setzte vorwiegend auf seine Aufstiegshelden von 2013. Norbert Meier vertraute ebenfalls einem Spielergerüst um Leitwolf Fabian Klos. Saibenes Fußballverständnis mit zwei Stürmern und einem frühzeitigen Pressing ist nahezu identisch mit den Vorstellungen von Rüdiger Rehm, der mit diesem Fußball jedoch in Bielefeld baden ging und nach nur fünf Punkten aus zehn Spielen am 22. Oktober 2016 entlassen wurde. Rehms Scheitern hatte zwei Ursachen. Zu blauäugig wollte er interne Teamstrukturen verändern. Die Ausbootung des beliebten Florian Dick erwies sich als großer Fehler. Hinzu kam Pech. In den ersten beiden Spielen gegen Karlsruhe (0:0) und 1860 München (0:1) wurden klarste Torchancen (Klos, Holota) vergeben. Bei etwas mehr Fortune hätte Arminia durchaus mit sechs Punkten in die Saison 2016/17 starten können. Respekt verdiente sich Saibene am Sonntag, als er nach dem Fürther Anschlusstreffer zum 1:2 drei Offensivspieler durch drei Offensivspieler ersetzte, was Norbert Meier sicherlich hätte erschaudern lassen. Auch diese mutige Maßnahme Saibenes passte. Mit ihm ist Arminia auf einem interessanten Weg.

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