Der Saisonstart kann kommen: Jeff Saibene ist froh, die Wunschneuzugänge bekommen zu haben. - © Christian Weische
Der Saisonstart kann kommen: Jeff Saibene ist froh, die Wunschneuzugänge bekommen zu haben. | © Christian Weische

Arminia Arminia-Coach Saibene: „So habe ich Klos noch nie gesehen“

Arminias Trainer Saibene ist zufrieden mit dem Stand der Vorbereitung, lobt seinen Stürmer und spricht von interessanten Neuzugängen. Spieler zu entwickeln und zu verkaufen ist eins seiner Ziele

Peter Burkamp

Herr Saibene, es ist etwa Halbzeit in der Vorbereitung, was klappt schon ganz gut? Jeff Saibene: Wenn man bedenkt, dass wir erst zweieinhalb Wochen dabei sind, finde ich, dass wir sehr, sehr weit sind. Wir haben in den Spielen gesehen, dass wir vieles schon sehr gut umsetzen, was wir im Training einstudiert haben. Die Spiele waren aufschlussreich, auch um zu sehen, wo wir stehen gegen sehr gute Gegner wie Kasan und Ufa. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wie läuft die Integration der Neuen? Saibene: Bei manchen habe ich das Gefühl, dass sie schon seit Monaten da sind. Sie haben verschiedene Angriffsvariationen getestet. Haben Sie schon einen Favoriten? Saibene: Wir versuchen, dass jeder mal mit jedem spielt, um dann ein Fazit zu ziehen. Am Ende werden wir die Elf aufstellen, die für den Moment am besten zusammenpasst. Wir haben 17, 18 sehr ausgeglichene Spieler, so dass wir sehr gut wechseln können. Spielt gegen Norwich schon die erste Elf für den Ligastart? Saibene: Meistens ist es so, dass im letzten Test die erste Elf spielt. Es könnte sein, aber auch dann bleibt immer noch eine Woche Zeit, vor allem wenn es eng ist, was die Konkurrenz angeht. Alle sind fit, alles sind sehr motiviert. Von der ersten Elf bin ich im Moment noch weit entfernt. Es gibt Trainer, die hätten am Vormittag vor den Spielen harte Übungseinheiten durchgezogen. Sie haben das nicht gemacht. Wie sieht Ihre Trainingssteuerung aus? Saibene: Ich mache das anders und habe damit sehr gute Erfahrungen bei meinen früheren Klubs gemacht. In den letzten Jahren habe ich verschiedene Trainer kennengelernt, auch Leute, die im physischen Bereich arbeiten. Dabei habe ich einiges vom Niederländer Raymond Verheijen übernommen. Bei vielen unserer Einheiten ist die Intensität sehr hoch. Wir machen fast alles mit dem Ball. Beispielsweise spielen wir 7 gegen 7, da kommt immer wieder ein Ball rein, und es gibt kaum Pausen. Da heißt es Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus und die Intensität ist sehr hoch. Welche Rolle spielt dabei Ihr Athletiktrainer Reinhard Schnittker? Saibene: Wir sprechen alles als Team durch. Es gibt dann einen Mix aus meinen und seinen Sachen. Da lasse ich ihm auch Freiheiten. Es ist mir wichtig, dass meine Trainer Freiheiten haben. Wie geht es weiter, wenn Sie heute nach Hause kommen? Saibene: Dann gibt es Samstag und Sonntag frei. Das sind dann die ersten freien Tage in drei Wochen. Welche Position würden Sie gern noch besetzen? Saibene: Das wäre ein Backup auf der Linksverteidigerposition. Für Mert Cingöz ist es eine wichtige Erfahrung, dabei zu sein. Er macht seine Sache gut, aber man merkt: Wenn er 2. Liga spielen müsste, braucht er noch ein bisschen. Ich zerbreche mir deswegen aber nicht den Kopf. Teixeira und Salger können diese Position auch spielen. Wie sind Sie mit dem Kader zufrieden? Saibene: 19 Feldspieler ist eigentlich wenig, aber ich finde es super so. Fällt einer aus, bleiben 18 Profis. Dann nehmen wir zwei, drei Nachwuchsspieler zum Training dazu. Dann ist die Verbindung da, und die Jungen können Erfahrungen sammeln. Samir Arabi hat einen super Job gemacht. Bei Beginn war der Kader komplett. Wir haben zusammengesessen mit den Scouts und Trainern und haben gemeinsam eine Prioritätenliste gemacht. Am Schluss sind alle Spieler gekommen, die wir haben wollten. Das ist selten, das finde ich absolut top. Ein kleiner Kader ist Ihnen also lieber? Saibene: Ja, wenn die Qualität da ist. Zuletzt hatte ich 23, 24 Feldspieler – das ist nicht meine Philosophie. Ich musste Spieler wie Schuppan oder Junglas auf die Tribüne schicken. Das hat mich sehr viel Energie gekostet, darüber muss ich mir jetzt keine Gedanken machen. Und es passt zu Arminias finanzieller Situation. Im Vorfeld vieler Verpflichtungen hieß es immer, die neuen Spieler sollen den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen. Inwieweit ist das eine Herausforderung für Sie? Saibene: Das ist meine Aufgabe und mein Ziel. In Thun ist mir das auch oft gelungen. Der Verein hat in den vergangen zwei Jahren zwei Spieler für je 1,2 Millionen Euro abgegeben. In St. Gallen haben wir mal den Torschützenkönig für drei Millionen Euro in die Türkei verkauft. Es ist mein Ziel, eine gute Mannschaft zu haben und auch Spieler zu verkaufen. Wenn wir in den nächsten Jahren keine Spieler verkaufen würden, dann wäre ich absolut nicht zufrieden. Ich finde, das zeichnet auch einen Trainer aus. Ist es eine Art Vertrauensvorschuss, wenn Sie den Neuen den nächsten Entwicklungsschritt beim DSC zutrauen? Saibene: Auf gewisse Weise schon. Letztlich muss der Spieler seine Qualität bestätigen und seine Leistung immer wieder abrufen und sich beweisen. Ich kann ihn nur begleiten, ihm Tipps geben und versuchen, ein gutes Umfeld zu schaffen. Auch mit konsequenten Entscheidungen, die schon mal weh tun können. Gibt es unter den Neuzugängen jemanden, bei dem Sie besonders gespannt sind, wie er sich in der 2.Liga schlagen wird? Saibene: Eigentlich bin ich auf alle gespannt. Andraz Sporar kenne ich aus Basel. Die haben dort immer nur mit einer Spitze gespielt. Und er kam weniger zum Einsatz, weil er starke Leute vor sich hatte. Ich bin jedoch von seiner Qualität überzeugt, auch wenn er nicht so viele Tore geschossen hat. Alle, die da sind, haben etwas Spezielles. Wir haben sehr interessante Spieler geholt. Fabian Klos wirkt, als hätte er sich viel vorgenommen. Wie beurteilen Sie seine Situation? Saibene: Man müsste blind sein, wenn man Fabi sieht und nicht bestätigt, dass er sich etwas vorgenommen hat. Es ist sein ganzes Verhalten im Team und in der Defensive. So habe ich ihn noch nie gesehen. Er schaut nur auf sich. Im Gespräch sagte er mir: Trainer, ich will mich verbessern, ich muss meine Ernährung umstellen, ich muss umsetzen, was von mir verlangt wird. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich kann ihn gar nicht genug loben. Wichtig ist, dass er sein Ziel weiter verfolgt. Das verlange ich von ihm. Das wäre für alle ein riesen Erfolg. Fabi ist ein Thema, er ist Kult, er ist beliebt – es kann ja nicht mein Ziel sein, dass er nicht mehr spielt. Letzte Saison hat es Gründe gegeben, warum er nicht gespielt hat. Damit hat er sich befasst und sich gefragt: Was muss ich machen, damit ich wieder spiele. Wenn er seine Leistung bringt, ist er eine Waffe für uns. In den letzten Saisonspielen hat Arminia 1,5 Punkte im Schnitt geholt. Was ist nächste Saison möglich? Saibene: Nimmt man die letzten zehn Spiele, waren wir Tabellenfünfter. Das ist beeindruckend und kein Zufall. Wir haben bewiesen, zu was wir fähig sind. Wir haben gute Spieler dazu bekommen und müssen die Kräfte bündeln und taktisch gut arbeiten. Ich denke, wir haben eine gute Basis, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Aber wir fangen bei Null an, alles muss passen. Wenn jetzt noch mal ein Verein käme und bietet Millionen für Julian Börner. Würden sie ihn ziehen lassen? Saibene: Nein, das ist nicht unser Ziel. Wir würden gern mit diesem Kader weitermachen. Aber stellen sie sich vor, da schießt einer im Testspiel drei Tore und es kommt ein russischer Verein und bietet sechs Millionen Euro? Trauen Sie Henri Weigelt die 2. Liga schon zu? Saibene: Absolut. Mit Börner, Behrendt und Salger hat er zwar drei vorn dran, die sehr gut und erfahren sind. Wenn aber einer verletzt oder gesperrt wäre, würde ich ihn ohne mit der Wimper zu zucken, spielen lassen. Zuletzt hatten Sie Besuch aus der Schweiz. Ihre Freunde reden sehr positiv über Sie. Wie wichtig ist Ihnen Ihr Ruf? Saibene: Ich lege nicht besonderen Wert darauf, dass das so rüberkommen muss. Aber es tut natürlich gut. Ich möchte erfolgreich sein, doch einen guten Umgang zu haben, finde ich wichtig. Ich glaube, dass es wichtig ist, ein Umfeld zu schaffen, wo sich jeder wohlfühlt. Das ist entscheidend, um gute Leistungen zu bringen. Der Trainingslager-Ticker zum Nachlesen:

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