Locker im Hier und Jetzt: Ansgar Brinkmann, Berater von Lukas Podolski, Sichter von Fußballtalenten, gefragter Kommentator und mehrfacher Ablehner von Dschungelcampanfragen. - © Andreas Zobe
Locker im Hier und Jetzt: Ansgar Brinkmann, Berater von Lukas Podolski, Sichter von Fußballtalenten, gefragter Kommentator und mehrfacher Ablehner von Dschungelcampanfragen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Ansgar Brinkmann - Ein Phänomen aus Bielefeld

Der Wahlbielefelder erzählt überraschende Geschichten zu Lukas Podolski und Philipp Lahm

Ansgar Mönter

Bielefeld. Ansgar Brinkmann, genannt "Der weiße Brasilianer", war nie Nationalspieler, hat nie bei einem Topklub der Bundesliga gespielt; stattdessen hat er viel Zweite Liga gespielt und Abstiegskämpfe erlebt - dennoch ist er ein bundesweit bekanntes Phänomen. Darüber gibt es nun ein neues Buch. "Wenn ich Du wäre, wäre ich lieber ich" heißt es, geschrieben von Peter Schultz. Donnerstagabend wurde daraus vorgelesen und erzählt im "Sechzehner" auf der Alm. Schultz ist der Kopf hinter den Radiokolumnen "Der weiße Brasilianer" bei 1Live. Die kommen gut an. "Eigentlich sollten nur zwei Folgen produziert werden, jetzt machen wir es schon vier Jahre", sagt Brinkmann. Ihm gefällt's, er bekommt viel positive Rückmeldungen deswegen. "Dabei komme ich zu gut weg" Radiomacher Schultz hat die Kolumnen zu einem Buch zusammengefasst, dazu Wegbegleiter wie Lukas Podolski und Heribert Bruchhagen um Kommentare zu Brinkmann gebeten. "Dabei komme ich zu gut weg", sagt der Ex-Stürmer unter anderem von Dynamo Dresden, Eintracht Frankfurt, VfL Osnabrück, Mainz 05, dem Verein aus der Stadt westlich von Telgte und natürlich Arminia Bielefeld. Aber gut, der weiße Brasilianer ist eben ein Spezieller, eine Marke. Er wird nicht vergessen, wie unzählige andere ehemalige Fußballprofis. Dafür hat er selbst eine Erklärung: "Ich glaube, die Leute haben gemerkt, dass ich zwar manchmal schwierig war, aber immer ehrlich und authentisch. Und ich habe mich nie kaufen lassen." Das will er weiter so halten. Geld sei zwar okay, aber alles dafür machen - das war früher bei der Vereinswahl keine Option für ihn, das kommt auch heute nicht in Frage. "Dschungelcamp und Big Brother haben schon mehrfach angefragt, ob ich mitmache", erzählt er, "das mache ich aber nicht." Ohne TV-Trashformate Muss er auch nicht. Der 47-jährige Wahlbielefelder kommt auch ohne die gut dotierten Trashformate des Privatfernsehens über die Runden. Er lebt von seinem dichten Netz an Kontakten, das er in den Jahren als Fußballprofi bei zahlreichen Vereinen aufgebaut hat. Brinkmann berät Vereine und Spieler und fädelt auch manchmal große Transfers ein. Auf seinem Smartphone hat er Fotos aus dem Urlaubsort von Lukas Podolski gespeichert. Darauf sind neben dem Kult-Nationalspieler und Brinkmann selbst einige Japaner zu sehen. "Ich habe Lukas nach Japan vermittelt", sagt er. "Dort passt er sportlich und menschlich gut hin." Und ordentlich Geld verdient Podolski auch noch: 17 Millionen Euro. Netto. "Personalpolitik", sagt Brinkmann, "kann ich." Talente erkennen kann er ebenso. Eine Geschichte aus seiner Zeit bei Arminia Bielefeld beweist das. Vor etwa 15 Jahren spielten drei Fußballer beim Verein vor, einer davon war ziemlich klein und noch unbekannt. Er hieß Philipp Lahm. Eine Woche trainierte er mit Arminia, Ansgar Brinkmann empfahl Trainer und Manager damals: "Nehmt den, an dem bin ich die ganze Woche nicht vorbeigekommen", erzählt er. Doch Benno Möhlmann und Thomas von Heesen hörten nicht auf ihren Stürmer. Lahm wechselte schließlich zu Stuttgart und wurde später ein Superstar. Das ist es: Ansgar Brinkmann kann immer eine gute Geschichte erzählen. Und das tut er gerne. Bücher über ihn sind da nur die logische Konsequenz.

realisiert durch evolver group