Jeff Saibene beim Spiel des FC Thun gegen den FC St. Gallen - kurz danach bestätigte er seinen Wechsel zum DSC. - © dpa
Jeff Saibene beim Spiel des FC Thun gegen den FC St. Gallen - kurz danach bestätigte er seinen Wechsel zum DSC. | © dpa

Arminia Bielefeld Arminias neuer Trainer Saibene gibt sich kämpferisch

Der neue Coach will die Länderspielpause für sich und die Mannschaft nutzen

Jörg Fritz

Bielefeld. Was für eine Woche! Die Leidensfähigkeit der DSC-Fans war erneut extremen Belastungen mit Ausschlägen sowohl nach oben als auch unten ausgesetzt. Dem 0:1-Desaster in Nürnberg folgte nach zwei Tage die Freistellung von Trainer Jürgen Kramny. 24 Stunden später endlich zwei gute Nachrichten bei der Frustbekämpfung. Schüco bleibt bis 2018 Haupt- und Trikotsponsor. Gleichzeitig wurde das Namensrecht an der Schüco-Arena bis zum Jahre 2020 verlängert. Es folgte der Sieg über Kaiserslautern, ehe am Sonntag mit Jeff Saibene ein neuer Trainer verpflichtet war. Markus Lüthi, Präsident des Schweizer Erstligisten FC Thun, und der DSC meldeten nach dem 2:2 des FC Thun gegen den FC St. Gallen den Wechsel Saibenes perfekt. „Ich bin froh, dass es geklappt hat", sagte Saibene im Gespräch mit der NW. „Die letzten Tage waren extrem emotional. Unsere Partie gegen St. Gallen war mir sehr wichtig. Wir haben zwar nur 2:2 gespielt, doch es war ein super Spiel und ein schöner Abschied für mich." "Länderspielpause nutzen, um gut zu arbeiten" Am Montagmorgen wird der neue Coach offiziell von Arminia vorgestellt. Das Freitagspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hat Saibene natürlich verfolgt. „Die Mannschaft hat eine gute Einstellung gezeigt und war sehr solidarisch. Auch das Ergebnis stimmte, wir stehen wieder auf dem Relegationsplatz", sagte Saibene, der die Situation zwar „als schwierig" einordnete, aber mit viel Optimismus seine neue Aufgabe angehen will. „Die Art und Weise, wie die Mannschaft sich präsentiert hat, war sehr positiv. Jetzt wollen wir die Länderspielpause nutzen, um gut zu arbeiten", sagte Saibene. Am Freitagabend feierten Fans und Mannschaft Versöhnung. Die große Arminen-Familie verkörpert wieder eine Einheit und geht gestärkt in die verbleibenden neun Endspiele um den Klassenerhalt. Einen großen Anteil an dieser Trendwende hat Interimscoach Carsten Rump, der nach der Kramny-Entlassung die richtigen Worte und Entscheidungen fand. „Rumpi weiß, welche Knöpfe er drehen muss, damit wir funktionieren", sagte Sebastian Schuppan, der neben Christoph Hemlein gegen Lautern traf. Im Vorfeld der Begegnung hatte Rump zahlreiche Einzelgespräche geführt, „um die verunsicherten Spieler wieder aufzurichten", verriet er seine Vorgehensweise. Rumps gutes Händchen fürs Betriebsklima Mit Kapitän Fabian Klos und dem Spielerrat sprach der 35-Jährige über die mögliche Startelf-Formation und gab den stark in der Kritik stehenden Profis ein großes Gefühl der Verantwortung mit auf den Weg. Rump hat aber auch ein geschicktes Händchen für die Pflege des internen Betriebsklimas. Neuzugang Reinhold Yabo, der in Nürnberg sehr schwach spielte und nicht überzeugend trainiert haben soll, fand noch nicht einmal Platz im 18er-Aufgebot. Dafür saßen der talentierte U-19-Spieler Henri Weigelt und der ausgemusterte Rechtsverteidiger Florian Dick auf der Bank. Das Gesamtpaket der Entscheidungen von Rump bewirkte den „Jetzt-erst-recht-Gedanken", wie Abwehrspieler Stephan Salger beschrieb. So gab es 90 Minuten Rumpfußball statt Rumpelfußball, was die Beobachter allerdings auch befremdlich stimmte. Warum konnten die DSC-Profis diese Leistung bei den Trainern Rehm und Kramny fast nie abrufen? Spricht nur Rump die Sprache von Klos und Co? Nichtöffentliches Testspiel am Mittwoch gegen Wolfsburg Der erste Spiel-Einsatz für den neuen Trainer Jeff Saibene wird bereits am Mittwochnachmittag stattfinden. In einem kurzfristig angesetzten Testspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit tritt Arminia um 15.30 Uhr beim Bundesligisten VfL Wolfsburg an. Sicherlich eine gute Gelegenheit für den Luxemburger, die Spieler kennen zu lernen. Kommentar Ein Experiment Arminia Bielefeld hat einen neuen Trainer. Er ist Luxemburger und arbeitete bis Sonntag in der ersten Liga der Schweiz. Als sein Name am Donnerstag erstmalig mit dem Fußball-Zweitligisten in Verbindung gebracht wurde, war die Überraschung groß. Jeff wer? Er heißt Saibene und ist selbstverständlich herzlich willkommen bei seinem Versuch, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Personalie wirkt allerdings zu experimentell, als dass die DSC-Fans mehrheitlich vor lauter Freude bis unter die Decke hüpfen würden. Es bleiben nur noch neun Spiele Zeit, den Trend dieser Saison zu drehen. Bei allen Meriten, die er sich in Aarau, St. Gallen und Thun verdiente, betritt Saibene doch mit dem deutschen Zweitligafußball ein für ihn bislang entferntes Terrain. In dieser Hinsicht unverbraucht starten zu können, muss kein Nachteil sein. Die unterschiedlichen Anforderungen, die jede Liga der Welt bietet, wird sich Saibene aber aufwändiger erschließen als ein hierzulande erfahrener Trainer. Wenn ihm das nicht schnell genug gelingt, wird sich die Kritik für ein gescheitertes Experiment an den Entscheidungsträgern bei Arminia entzünden, insbesondere an Sportchef Samir Arabi. Der würde nach einem weiteren Irrtum zu Recht selbst mit Konsequenzen rechnen müssen. Kontakt zum Kommentator Torsten Ziegler

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