Im Gespräch: Trainer Jürgen Kramny mit Julian Börner (l.) und Fabian Klos am Montag nach dem 0:1 beim Club. - © Christian Weische
Im Gespräch: Trainer Jürgen Kramny mit Julian Börner (l.) und Fabian Klos am Montag nach dem 0:1 beim Club. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Bleibt Arminias Trainer Jürgen Kramny?

Die DSC-Gremien verkünden am Dienstag ihre Entscheidung, welche Impulse im Abstiegskampf gesetzt werden sollen

Peter Burkamp

Bielefeld. Die Klub- und Kontrollgremien tagten bis in den späten Montagabend. Es war eine turnusmäßige Sitzung, die durch die aktuelle Entwicklung an Brisanz gewann. Mit dabei die beiden Geschäftsführer, der Vorstand und der Aufsichtsrat Arminia Bielefelds. Beim DSC gibt es nicht den einen starken Mann, der seine Meinung durchsetzt, da wird Wert auf tragfähige Mehrheiten gesetzt. Ein Ergebnis der Besprechung soll am Dienstag verkündet werden. Die Tendenz ging im Laufe des Montags nach dem blamablen 0:1 in Nürnberg dahin, sich von Trainer Jürgen Kramny zu trennen. Ein erneuter Trainerwechsel als letzter Strohhalm. Das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz und die desillusionierenden Vorstellungen gegen Aue und den Club („das war einer Mannschaft nicht würdig", Samir Arabi) zwingen Arminias Verantwortliche, noch einmal eine neue Richtung einzuschlagen, um den immer realistischer werdenden Abstieg doch noch zu verhindern. Sei es durch einen neuen Trainer, sei es durch Einflussnahme auf einzelne Spieler und die Mannschaft. Samir Arabi, der von vielen Fans heftig kritisiert wird, stellte seine eigene Person in dieser Situation zurück. „Es geht doch hier um den Klub, darum, dass wir alle im Sinne Arminias die beste Entscheidung treffen." Dass diese – wie auch immer geartet – keine Garantie für den Klassenerhalt ist, weiß Arabi auch. Ziel ist es, durch eine Veränderung die Wahrscheinlichkeit auf den Verbleib in der 2. Liga zu erhöhen. "Arabi hat sehr, sehr viel geleistet" Präsident Hans-Jürgen Laufer stellte sich vor der Sitzung hinter den Sport-Geschäftsführer. „Samir Arabi hat sehr, sehr viel geleistet für den Verein. Das vergessen viele." Grundsätzlich werde man „nicht einen einzigen an den Pranger stellen". Auch nicht den Trainer. Selbst wenn dessen Arbeit und dessen Möglichkeiten, künftig noch produktiv Einfluss auf die Mannschaft zu nehmen, im Mittelpunkt des Gesprächs stehen würden, wie Laufer erklärte. „Bei uns passiert heute alles im Kollektiv, während wir uns früher in den Gremien zerfleischt haben", sagte er. Die Diskussionen seien durchaus kontrovers, „unterm Strich steht aber eine Lösung, mit der alle leben können". In Bezug auf die aktuelle Misere müsse sich auch der Aufsichtsrat hinterfragen, betonte der DSC-Präsident, der schon per Mail zum Rücktritt aufgefordert worden sei: „Das werde ich aber nicht tun. Das wäre feige." Suche nach einem Trainer ist schwerer geworden An den Kosten dürfe eine weitere Trainerentlassung nicht scheitern, meinte Laufer: „Wir werden uns dafür aber anstrengen müssen." Er ließ durchblicken, dass die Suche nach einem Trainer grundsätzlich schwerer geworden sei: „Obwohl so viel Positives rund um den Verein passiert ist, ist die Braut nicht gut genug." Viele potenzielle Kandidaten hätten sich in der Vergangenheit von den beschränkten finanziellen Möglichkeiten des DSC abschrecken lassen. Trotzdem deutete am Montag vieles daraufhin, dass die Klubführung erneut für einen Trainerwechsel votiert. Analyse: Nur an drei Faktoren kann noch gearbeitet werden „Wir müssen etwas verändern, um die Wahrscheinlichkeit auf den Klassenerhalt zu erhöhen." Das stellte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi am Montagmorgen nach der blamablen Leistung in Nürnberg noch einmal klar. Optionen gibt es einige. Der Trainer, das Trainerteam: Auch wenn Jürgen Kramny einen besseren Punkteschnitt als sein Vorgänger (1,0 gegenüber 0,5 von Rüdiger Rehm) hat, wäre ein erneuter Wechsel auf dieser Position denkbar. Trotz Trainingsarbeit und vieler Gespräche hat die Mannschaft zuletzt zweimal in Folge eine kämpferisch und spielerisch desolate Vorstellung geboten. Es stellt sich die Frage, wie groß Kramnys Einflussmöglichkeiten noch sind. In der Klubführung gibt es Stimmen, die für eine Entlassung Kramnys sind. Doch wer kommt dann? Eine Variante mit Carsten Rump und einem offiziellen Lizenzgeber (Arminias A-Jugendtrainer Uwe Grauer zum Beispiel) ist denkbar. Ein unbelasteter Mann von außerhalb wäre eine zweite Variante. Wie der DSC nach dem Rehm-Rauswurf schon erlebt hat, reißen sich die Trainer nicht um den Job auf der Alm. Außerdem hat sich die Lage des DSC eher verschlechtert. Viele der auf dem Markt befindlichen Kandidaten sind zu teuer und warten auf attraktivere Angebote. Andere haben kein Interesse, aktuell bei Arminia einzusteigen (Kosta Runjaic und Stefan Ruthenbeck). Die Mannschaft, die Spieler: Der DSC wird es sich nicht leisten können, auf Kosten der sportlichen Substanz viele Spieler auf die Tribüne zu setzen. Neuzugänge gibt es nicht. Allenfalls Rückkehrer wie die angeschlagenen Sören Brandy, Manuel Hornig, Steffen Lang oder der ausgemusterte Florian Dick. Hat die sportliche Leitung jedoch den Eindruck, der eine oder andere Profi kann mit der aktuellen Situation nicht umgehen – Arabi benutzte die Formulierung „nicht stressresistent" – wäre es fahrlässig, ihn weiter aufzustellen. Ein neues Spielsystem: Hilft eine andere taktische Ausrichtung? Dieser Ansatz ist eher theoretischer Natur. Die eine oder andere Umstellung könnte Erfolg versprechen. Grundsätzlich mangelte es zuletzt aber am Einsatz.

realisiert durch evolver group