Hat Grund zur Freude: Norbert Meier hat mit Arminia den Ligaerhalt geschafft. - © Christian Weische
Hat Grund zur Freude: Norbert Meier hat mit Arminia den Ligaerhalt geschafft. | © Christian Weische

Arminia Interview mit DSC-Trainer Norbert Meier: "Es steckt noch viel Potenzial im Team"

Der DSC-Trainer möchte die eigenen Spieler weiterentwickeln und setzt auf qualitativ gute Ergänzungen

Peter Burkamp

Herr Meier, der Klassenerhalt war früher als viele erwartet hatten erreicht. Arminia landete als Aufsteiger auf dem zwölften Platz. Sind Sie restlos zufrieden? Norbert Meier: Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir so früh durch sind, hätten wir das unterschrieben. Wir sind nie in akute Gefahr geraten. Unser oberstes Ziel war der Klassenerhalt. Insgesamt können wir sehr zufrieden sein mit dem Jahr und auch mit der relativen Stabilität der Mannschaft. Nur wenige Mannschaften in der Liga haben seltener verloren. Die vielen Unentschieden haben auch geholfen, die gute Punktzahl von 42 zu erreichen. Was gibt es aus Ihrer Sicht zu kritisieren - möglicherweise, dass der DSC Arminia drei Mal einen 0:2-Vorsprung noch verspielt hat? Meier: Das waren sehr unterschiedliche Spiele. In Freiburg haben wir aus zwei Chancen zwei Tore erzielt, und Freiburg hat danach viel Druck gemacht. In Nürnberg mussten wir dem Sieg hinterhertrauern. In der Rückrunde haben wir eine Phase gehabt, wo die Zahl der individuellen Fehler zu hoch war und wir Spiele verloren haben. So wie gegen Freiburg oder in Heidenheim. Andererseits haben wir auch mal Spiele gewonnen, wo wir nicht so gut waren wie in der Hinrunde gegen den KSC. Es gleicht sich vieles aus. Was würden Sie positiv hervorheben? Meier: Die Mannschaft war sehr stabil, und das, obwohl die Liga Neuland war und viele Spieler dabei waren, die die unglückliche Relegation gegen Darmstadt erlebt hatten. Positiv hat sich Julian Börner entwickelt, der fast durchgespielt hat und ohne Platzverweis ausgekommen ist. Es gibt einige Spieler, bei denen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Insgesamt hat sich die Mannschaft weder über- noch unterschätzt. Sie ist organisiert geblieben. Das sind Dinge, die wir für unser Spiel brauchen. Haben Sie mal für sich ausgerechnet, wo Arminia gelandet wäre, wenn nur die Hälfte der 18 Unentschieden Siege gewesen wären? Meier: Nein. Wichtig ist, was wir in der Hand haben. Vor zwei Jahren sind wir unter dramatischen Umständen abgestiegen. Auch andere Spieler in unserem Kader kamen von Absteigern. Da kann es schon mal sein, dass du in kritische Situationen kommst, doch das war bei uns nicht der Fall. Es war wichtig, gemeinsam das Darmstadt-Szenario zu den Akten zu legen. Wir sind nicht nur gleich wieder aufgestiegen, sondern haben auch im ersten Jahr relativ souverän die Klasse gehalten. Welche Rolle hat die mentale Stabilität gespielt? Meier: Wir haben uns von gewissen Dingen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Mannschaft ist immer stabil geblieben. Aber wir wollen uns weiter verbessern. Ich sehe bei vielen Spielern absolut noch Entwicklungspotenzial, beispielsweise bei Brian Behrendt und bei Chris Nöthe im physischen Bereich. Michael Görlitz hat sich als Alternative auf der Rechtsverteidigerposition ins Gespräch gebracht. In der nächsten Saison werden auch noch weitere Spieler in den Entwicklungsprozess eingreifen, da bin ich sicher. Ein Plus der Mannschaft scheint der Teamgeist zu sein. Meier: Die Spieler verstehen sich gut und unternehmen auch mal was zusammen. Natürlich sind die Profis, die wenig spielen, nicht zufrieden. Es wäre aber auch untypisch, wenn es anders wäre. Grundsätzlich hat sich keiner als Stinkstiefel erwiesen. Wie weit war Arminia in dieser Saison von den Plätzen drei bis fünf entfernt? Meier: Nürnberg, St. Pauli und Bochum sind Mannschaften, die schon lange Jahre 2. Liga spielen, die ein gewisses Fundament haben. Wir müssen in eine Lage kommen, dass wir nicht immer unsere gesamte Kraft opfern müssen, um gegen den Abstieg oder um den Aufstieg zu kämpfen. Wir müssen uns etablieren, weiter konsolidieren und uns sukzessive weiterentwickeln. Dazu müssen wir - so denn machbar - Spieler dazuholen, die uns weiterhelfen. Waren Sie im Nachhinein froh, dass der Kader so groß war? Meier: In den wichtigen Spielen haben zuletzt relativ viele gespielt, die beim Aufstieg dabei waren. Diese Mannschaft ist vom Konstrukt her relativ eingespielt. Andere haben auf sich aufmerksam gemacht, aber es ist ein Prozess, bis die Neuen das verinnerlichen, was wir von ihnen erwarten. Nehmen wir Francisco Rodriguez - der hat gut angefangen, hat aber auch noch viel Luft nach oben. Er ist nur ein Beispiel. Sie versuchen, aus allen Spielern noch Leistung heraus zu kitzeln? Meier: Brian Behrendt sieht sich eher als Innenverteidiger. Ich sehe ihn mehr auf der Sechs. Auf dieser Position ist allerdings eine ganz andere Laufleistung gefordert. Da kann er von der Physis her noch zulegen. Die Spieler weiter zu bringen, muss grundsätzlich unser Ziel sein. Nicht bei jedem Transfer werden wir sagen können, das hat sich so und so für uns ausgewirkt. Für manche Spieler ist es auch besser, wenn man sich trennt. Wie gehen Sie damit um? Meier: Das ist für mich kein Problem. Spieler wie Trainer haben Verträge, die zu respektieren sind. Einige Spieler haben sehr wenig gespielt. Da glaube ich, dass es für ihre Entwicklung besser ist, wenn sie woanders Praxis bekommen. Das haben wir einzelnen auch gesagt. Ich bin persönlich so eingestellt, dass ich lieber ans Spielen kommen will, als einen Vertrag auszusitzen. Aber das ist natürlich auch immer eine Frage der Angebote, die jemand hat. Wenn Sie sagen, dass die Neuen Qualität mitbringen müssen. Darf Arminia dann nicht mehr in der 3. Liga suchen? Meier: Ein Justin Eilers geht von Dresden zu Werder Bremen. Daran sehen wir doch, dass nicht mal alle Spieler aus der 3. Liga zu bekommen sind. Da sind auch Spieler, die Angebote aus der 1. Liga haben. Es gibt auch in der 3. Liga Spieler, in denen wir Entwicklungspotenzial sehen. Welche Rolle spielt Fabian Klos? Meier: Er ist Kapitän und sicherlich sehr wichtig für das Team, aber ich brauche ihn in einer Top-Verfassung. Er muss noch stabiler werden, gerade in Phasen, wo er mal nicht trifft. Klos muss vorangehen, so wie zuletzt gegen Fürth, Union oder in Leipzig. Darum geht es mir. Der Lange ist nicht auf den Mund gefallen, trotzdem, neigt er zu einer gewissen Sensibilität. Und sensible Menschen empfinden Dinge viel intensiver, im Guten wie im Schlechten. Da muss man eine gute Mischung finden. Warum hat sich der DSC auswärts leichter getan? Meier: Im vergangenen Jahr haben wir im eigenen Stadion im Pokal für Furore gesorgt und auch Spitzenspiele in der Liga gehabt, bei denen einige Tore gefallen sind. Andere Klubs haben gesehen, wie unser Spiel geartet ist und sich darauf eingestellt. Die spielen in Bielefeld nicht mit Hurra nach vorn. Man muss da reinwachsen, mit mehr Selbstvertrauen spielen. Auswärts hat das Umschaltspiel häufiger sehr gut funktioniert und wir haben stabil gestanden. Was können die Fans von der neuen Saison erwarten? Meier: Ich möchte jetzt keine Prognosen abgeben. Erst muss die Mannschaft stehen, dann müssen wir die Vorbereitung absolvieren. Ein ganz wichtiger Faktor ist, dass wir von größeren Verletzungen verschont bleiben. Jetzt müssen wir uns stabilisieren und vom Image der Fahrstuhlmannschaft wegkommen. Sie wirken ruhiger als zu Ihrem Arbeitsantritt bei Arminia. Meier: Das ist sicherlich ein gewisser Kennenlernfaktor und Eingewöhnungsprozess. Das war auch in Düsseldorf nicht anders. Als ich hier anfing, musste ich gleich anpacken und frontal drauflos. Ich komme manchmal ein bisschen knatterig rüber, wie man so schön sagt, aber mit mir kann man auch viel Spaß haben. Und sollte ich mal irgendeinen Mist erzählen, bin ich auch bereit, mich nachher dafür zu entschuldigen. Wenn Ihnen jemand drei weitere Jahre mit Arminia in der 2. Liga anbietet oder ein Jahr 1. Liga mit wem auch immer. Was nehmen Sie? Meier: Da unterschreibe ich Ersteres. Ich bin immer glücklich mit dem, was ich mache. Ich entscheide ja aus freien Stücken, dass ich hier bei Arminia bleibe. Mir bringt die Arbeit hier Spaß, und wir arbeiten ja auch unter Erstligabedingungen. So lange es mir gut geht, so lange ich heiß genug bin und mich auf die Jungs einstellen kann, solange ist das auch der schönste Job der Welt, trotz des Auf und Ab.

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