Optimistisch: DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke sieht die Mannschaft gestärkt aus dem Braunschweig-Spiel hervorgehen. - © Christian Weische
Optimistisch: DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke sieht die Mannschaft gestärkt aus dem Braunschweig-Spiel hervorgehen. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminias Geschäftsführer Gerrit Meinke sieht den DSC vor dem Derby auf gutem Weg

Das Interview / Der DSC beantragt Lizenzen für die 1. bis 3. Liga

Peter Burkamp

Bielefeld. Am Sonntag (13.30 Uhr) treffen Arminia Bielefeld und der SC Paderborn aufeinander. Arminias Geschäftsführer Gerrit Meinke zeigt sich im Interview mit Peter Burkamp erwartungsfroh. Und erklärt, warum der DSC die Lizenzen für drei Ligen beantragt. Herr Meinke, das Arminen-Umfeld blickt dem Derby mit großer Spannung entgegen. Sind Sie auch ein wenig aufgeregt? Gerrit Meinke: Aufgeregt ist das falsche Wort. Ich bin vor dem Nachbarschaftsduell eher erwartungsfroh. Sie sprechen von Nachbarschaftsduell. Ist das Spiel aus Ihrer Sicht kein Derby? Meinke: Ich glaube, ein Großteil unserer Fans versteht das Spiel weniger als Derby als die Partien gegen Münster. Die räumliche Nähe und die Tradition machen Derbys aus. Und die Vergleiche mit Paderborn haben nicht so viel Tradition. Ganz einfach, weil wir in den vergangenen 10, 20 Jahren meistens in unterschiedlichen Ligen gespielt haben. Haben Sie als früherer Geschäftsführer der Stadiongesellschaft des SC Paderborn Mitgefühl oder Mitleid mit der aktuellen Situation Ihres ehemaligen Arbeitgebers? Meinke: Mitgefühl wäre zu viel gesagt. Grundsätzlich ist jeder immer selbst seines Glückes Schmied und in gewisser Weise sich selbst der Nächste. Deshalb bin ich in erster Linie froh, dass wir 27 und nicht 17 Punkte haben. Grundsätzlich würde ich mich freuen, wenn wir nächstes Jahr wieder zwei Nachbarschaftsduelle hätten. Wir haben jetzt schon 23.000 Karten verkauft und es werden sicherlich noch ein paar mehr. Solche Spiele tun beiden Seiten gut. Sie haben es eben angesprochen. Am 21. Spieltag liegt Arminia Bielefeld zehn Punkte vor dem OWL-Rivalen SC Paderborn. War dieser Vorsprung so zu erwarten? Meinke: Die Konstellation habe ich so sicher nicht erwartet. Uns sehe ich absolut im Soll. Gerade auch im Vergleich mit dem anderen Aufsteiger Duisburg, der 15 Punkte weniger auf dem Konto hat als wir. So, wie wir augenblicklich spielen, und auch was die Punkteausbeute anbelangt, sind wir auf dem richtigen Weg. Das hat das Spiel in Braunschweig gezeigt, auch wenn das Ergebnis nicht gestimmt hat. Wir müssen natürlich weiter dran bleiben. Ein Sieg gegen Paderborn würde erheblich weiterhelfen. Ist es ein Vorteil, dass im Vorfeld der SCP und die Zukunft von Trainer Stefan Effenberg so stark im Fokus stehen? Meinke: Ich sehe es weder als Vor- noch als Nachteil für uns. Entscheidend wird die Tagesform sein. Wie Fabian Klos es gesagt hat: Wir können nach dem Braunschweig-Spiel mit breiter Brust auflaufen. Wenn wir eine Top-Leistung abrufen, werden wir ein entsprechend gutes Ergebnis erzielen. Welche Rolle spielt beim bisherigen Abschneiden, dass im Gegensatz zu früheren Zeiten Ruhe im und um den Verein herrscht? Meinke: Das spielt sicherlich eine große Rolle. Diese Ruhe leben alle Verantwortlichen, und das spiegelt sich auch in der aktuellen Außendarstellung wider. Und offensichtlich wirkt es sich auch auf die Mannschaft aus, die in Ruhe arbeiten kann. Wir wollen das auch so beibehalten, um damit die Rahmenbedingungen für gute Leistungen auf dem Platz zu schaffen. Wie beurteilen Sie die drei Winterneuzugänge? Meinke: Ich glaube, dass wir durch alle drei mehr Schnelligkeit auf den Platz bekommen haben. Alle sind auch in der Lage 1:1-Situationen zu lösen und es sind Spieler, die wir, in ihrer Art und Weise zu spielen, noch nicht im Kader hatten. Wir haben durch sie Qualität dazu gewonnen. Bei Rodriguez merkt man, dass uns solch ein Spieler gefehlt hat. Hinzu kommt, und das ist für mich auch ein wichtiger Faktor, der neue Rasen. Wir bekommen mehr Genauigkeit und Geschwindigkeit in unsere Aktionen. Rodriguez hat bis 2017 unterschreiben. Bestehen Chancen, auch Ryu weiter zu verpflichten? Meinke: Stand heute ist er am 1. Juli wieder in Leverkusen. Er wird sicherlich bei uns die Einsatzzeiten bekommen, und wir haben einen Qualitätsgewinn. Ob eine Verlängerung möglich und realisierbar ist, müssten wir dann Ende der Saison gemeinsam mit Leverkusen besprechen. An der Tabellenspitze scheint sich Leipzig abzusetzen, unten steht es um Duisburg und 1860 schlecht. Wie beurteilen sie die Situation in der 2. Liga? Meinke: Leipzig, und obwohl sie jetzt zwei Mal verloren haben auch den SC Freiburg, sehe ich ein Stückweit vor allen. Bei den anderen 15, 16 Klubs sind die Unterschiede nicht sehr groß. Es kommt darauf an, was unser Cheftrainer auch immer wieder betont: Man muss in der Defensive gut stehen. Am Beispiel Paderborn sieht man, dass es schwer ist, sich wieder an dieses Spiel zu gewöhnen. In der 1. Liga wird anders gespielt. Da gibt es erheblich Unterschiede. Vielleicht haben wir auch etwas mehr Erfahrung mit dem Auf- und Absteigen. Jetzt haben wir das Glück gehabt, aufzusteigen. Da hat man sowieso eine andere Ausgangsposition. Da versucht man zunächst, drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Wenn man von oben runterkommt, ist man der Verein, der letztes Jahr noch erste Liga gespielt hat und die Erwartungshaltung ist eine ganz andere. In der 2. Liga gibt es ganz oft 50:50-Spiele, in denen Kleinigkeiten wie eine Standardsituation Spiele entscheiden können. Deshalb muss man auch hellwach sein, denn zehn Punkte Vorsprung können auch ganz schnell weg sein. Mitte März müssen die Unterlagen für die Lizenzverfahren eingereicht werden. Wie weit sind Sie? Meinke: Wir befinden uns mittendrin. Letzte Woche haben wir uns mit dem Wirtschaftsprüfer zusammengesetzt. Wir werden eine Zulassung für die 3.Liga sowie eine Lizenz für die 2. und auch für die 1. Bundesliga beantragen. Ich will hier keine Wolkenkuckucksheime bauen, aber wenn wir tatsächlich in einen Lauf kommen und noch den Relegationsplatz erreichen, aber dann keine Lizenz beantragt hätten, wäre das von mir als Geschäftsführer fatal und fahrlässig. Fest steht: Wir haben als Ziel ausgegeben, dass wir uns in der 2. Liga stabilisieren wollen. Um alle Eventualitäten abzudecken, planen wir aber in der Tat dreigleisig, was die Lizenzierung angeht.

realisiert durch evolver group