Bronze fehlt noch in der Sammlung

RADSPORT: Andre Dippel wird mit dem Schweizer Giuseppe Atzeni Dritter der Steher-EM

VON HANS-JOACHIM KASPERS
28.08.2013 | Stand 26.08.2013, 21:40 Uhr
Andre Dippel (r.) und Giuseppe Atzeni bei der Siegerehrung.
Andre Dippel (r.) und Giuseppe Atzeni bei der Siegerehrung.

Bielefeld. Nach einem denkwürdigen Rennen hat der Bielefelder Schrittmacher Andre Dippel mit dem Schweizer Giuseppe Atzeni an der Rolle bei der Steher-Europameisterschaft in Nürnberg die Bronzemedaille gewonnen. "Das war wirklich ein Hauen und Stechen", kommentierte Dippel das aufregende Geschehen am Reichelsdorfer Keller.

Dippel/Atzeni waren als Europameister von 2009 und 2010 sowie als Silbermedaillengewinner von 2011 - 2012 fiel die EM aus - von der deutschen Mannschaftsführung, die erstmals seit fünf Jahren wieder die EM-Krone nach Deutschland holen wollte, offenbar als Hauptkonkurrenten ausgemacht worden. Und bekamen sofort einen lästigen Störenfried "an die Backen" gehängt, der einen kontinuierlichen Rennaufbau unmöglich machte.

"Marcel Barth ließ seinen Schrittmacher Carsten Podlesch schon nach drei Runden den ersten Angriff fahren - das ist völlig unüblich", erzählte Dippel. Anstatt sich - auf Platz zwei liegend - in Ruhe aufbauen zu können, waren Atzeni/Dippel ständig damit beschäftigt, sich ihre Verfolger vom Leib zu halten. An einen Angriff auf das an Position eins ins Rennen gegangene deutsche Spitzengespann Fernow/Bäuerlein war unter diesen Umständen nicht zu denken - die deutsche Taktik schien aufzugehen.

So weit, so gut: Alles blieb zunächst im Rahmen des Erlaubten. Unfair wurde es erst, als Atzeni/Dippel sich von ihrem lästigen Anhängsel befreit hatten und in der Verfolgung des Spitzenreiters die ersten Überrundungen anstanden. "Als wir an Barth vorbei wollten, hat Podlesch seine Maschine hochgezogen, so dass wir mehrere Anläufe für die Überrundung brauchten - das ist vom Reglement her ganz klar verboten", ereiferte sich Andre Dippel, der die nach drei Verwarnungen ausgesprochene 15-Tages-Sperre nebst 750 Franken Geldstrafe für Podlesch als "lächerlich" einstufte.

"Giuseppe hat bei diesen Manövern viel Kraft gelassen, und Fernow konnte vorne gemütlich weiter seine Runden drehen - insofern waren Podleschs Bremsversuche für uns renn-entscheidend", sagte der Schrittmacher. Dippel hätte es für angemessen gehalten, die Unfairness des deutschen Gespanns mit dem Zeigen der Roten Fahne, also mit einer sofortigen Disqualifikation, zu bestrafen. "Die waren nur darauf angesetzt, uns mit allen, auch mit unfairen Mitteln kaputt zu machen", fand er.

So schien der Weg zum Titel für den Berliner Florian Fernow frei zu sein. Doch die Deutschen hatten ihre Rechnung ohne den zweiten starken Schweizer Markus Birrer gemacht. Der hatte sich den Kleinkrieg von hinten angesehen und sich - klug geführt von Schrittmacher-Routinier Helmut Baur - aus allem herausgehalten. Und zog dann Mitte des Rennens unwiderstehlich an allen vor ihm liegenden Gespannen vorbei. "Gegen diesen Antritt war kein Kraut gewachsen", meinte Andre Dippel, dem anschließend nur noch blieb, "seinen" Schweizer sicher hinter Birrer und Fernow auf Rang drei zu bugsieren.

"Die Begleitumstände waren zwar nicht so schön, mit Bronze haben wir aber ein versöhnliches Ergebnis erreicht", sagte Dippel - zumal ihm diese Medaillenfarbe in seiner Sammlung noch fehlte.

Die beiden anderen bei der EM aktiven Bielefelder Schittmacher verpassten das Finale. So wurde Christian Dippel mit dem Tschechen Ondrej Vobora am Ende Dreizehnter, während Gerd Geßler mit demEngländer Matt Gittings Platz 15 belegte.

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