Matthias Hellmig, Eugen Marbach, Ersin Timastepe, Tobias Kopp (Sportjugend Bielefeld), Rukan Polat, Bajram Gima, Emre Kadi und Nils Bensch (von links). - © FOTO: JOHNNY DÄHNE
Matthias Hellmig, Eugen Marbach, Ersin Timastepe, Tobias Kopp (Sportjugend Bielefeld), Rukan Polat, Bajram Gima, Emre Kadi und Nils Bensch (von links). | © FOTO: JOHNNY DÄHNE

Kicken bis zur Geisterstunde

Die Streetball-Soccer-Nights bieten Jugendlichen die Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre Fußball zu spielen

VON JOHNNY DÄHNE

Bielefeld. Täglich ab 22 Uhr ruht der Hallensport in Bielefeld, die Hausmeister knipsen dann das Licht aus und machen Feierabend. In ganz Bielefeld? Mitnichten, denn jeden Freitag zwischen den Herbst- und Osterferien gibt es in fünf Bielefelder Hallen zwischen 22 und 24 Uhr die Möglichkeit, sich bei den sogenannten "Streetball-Soccer-Nights" sportlich zu betätigen - so auch in Stieghorst.

"Das ist richtig geil, dass so etwas veranstaltet wird. Um diese Uhrzeit ist das schon was besonderes für uns", sagt Rukan Polat. Er und seine 17- bis 18-jährigen Freunde, die allesamt beim TuS Eintracht in der A-Jugend Fußball spielen, kommen regelmäßig in die Sporthalle am Wortkamp, um in lockerer Atmosphäre gegen den Ball zu treten. Insgesamt 30 Jugendliche und Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren sind zu dieser späten Stunde vor Ort. Während in den ersten beiden Dritteln der Halle Fußbälle jongliert, geköpft, auf dem Spann oder artistisch auf dem Rücken balanciert werden, ist im letzten Drittel das Zielspiel im Format Sechs-gegen-sechs angesagt. "Der Tunnel ist da wichtiger, als ein Tor zu schießen", sagt Tobias Kopp und schmunzelt.

Information

Nachtsport Bielefeld

Die Streetball-Soccer-Nights stehen in Stieghorst unter der Schirmherrschaft des Sozial- und Kriminalpräventiven Rates der Stadt Bielefeld. Sie werden in einer Bielefelder Veranstaltergemeinschaft organisiert und zum Teil von der Bezirksjugendpflege finanziert. Die hiesigen Veranstalter sind: Sportjugend Bielefeld/Moby Sports, Fachstelle für Suchtvorbeugung, Evangelische Jugend/Mobi Ost, Freizeitzentrum Stieghorst, Sozialdienst katholischer Frauen Sieker und Polizei Bielefeld.
Die Veranstaltung findet jeden Freitag zwischen 22 und 24 Uhr ebenfalls in Brackwede, Quelle, Senne und Sennestadt statt. Weitere Infos im Internet unter: www.nightsports-bielefeld.de.

Der Diplom-Pädagoge von der Sportjugend Bielefeld beobachtet das Treiben aufmerksam, muss gemeinsam mit seinen Kollegen Matthias Hellmig und Nils Bensch aber kaum eingreifen. "Seit 1998 bieten wir dieses Format nun an, das sind rund 350 Veranstaltungen bisher. Richtig stressige Situationen kann man dabei an einer Hand abzählen", erläutert Kopp. Vielmehr organisierten die Teilnehmer den Großteil des Abends selbst, bauen auf und ab, wählen Mannschaften und bräuchten keine Schiedsrichter. "Das klären die Jungs sehr gut unter sich", sagt Kopp stolz. Dass er "Jungs" sagt, zeigt, dass sich genau so selten Mädchen oder Frauen in die Sporthalle verlieren wie Personen ohne Migrationshintergrund. Warum das so ist, darüber kann Kopp auch nur rätseln: "Deutsche Jugendliche haben in der Tendenz einen höheren Organisationsgrad in Sportvereinen und generell mehr Freizeitmöglichkeiten. Warum so wenig Mädchen das Angebot wahrnehmen, kann ich mir nicht wirklich erklären, weil wir das Angebot bewusst offen für beide Geschlechter präsentieren."

Präsentiert wird an diesem Freitag definitiv sehenswerter Fußball - und das scheinen die Jungs auch zu wissen. "In der Winterpause bin ich ablösefrei. Zu Rödinghausen würde ich wohl wechseln", scherzt einer aus der Kicker-Traube. In der Gunst der Streetball-Soccer-Nights-Besucher hätte der finanzstarke Westfalenligist allerdings einen Nachteil: Um 22 Uhr wird in Rödinghausen sicherlich nicht das Flutlicht angeknipst.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group