Kerzengerade im Sattel

REITEN: Hilarius Simons wird heute 85 Jahre alt

Hilarius Simons. - © FOTO: RUDOLF
Hilarius Simons. | © FOTO: RUDOLF

Bielefeld (nobs). Wer im Sternzeichen des Skorpions geboren ist, dessen Blick - so heißt es - ist stets in die Zukunft gerichtet. So einer will Neues schaffen, er verfügt über einen starken Willen und ist energiegeladen. Attribute, die auf Hilarius Simons, den langjährigen Vorsitzenden (1969 bis 1985) der deutschen Vielseitigkeitsreiter, wie zugeschnitten passen. Simons feiert heute im Kreise seiner Familie und Freunden seinen 85. Geburtstag.

Der Jubilar ist rank und schlank wie eh und je geblieben und sitzt nach wie vor kerzengerade dreimal in der Woche im Sattel. Der Sport hat ihn jung gehalten, in Sachen Reiterei ist er gleichwohl ein Altgedienter. Dreimal war Simons als Equipechef bei Olympischen Spielen mit von der Partie, bei insgesamt vier Olympiaden prägte er die Vielseitigkeitsreiterei nach dem Kriege zudem wie kaum ein anderer.

Geländepferdeprüfungen - heute aus der Szene nicht mehr wegzudenken - sind seine Erfindung. "Die haben Ernst-August Delius und ich 1983 eingeführt, und darauf bin ich ein wenig stolz", sagt er, wohlwissend, dass seinerzeit in der Warendorfer Reiterzentrale nicht nur Hurra-Apostel saßen und diese Prüfungen für Nachwuchspferde bejubelten.

Der Grandseigneur der Reiterei war und ist ein Mann der Praxis. Einer, der stets mit Klugheit und Weitsicht handelte und es auch heute noch versteht, als charmanter Plauderer seine Meinung rhetorisch geschickt verpackt über die Rampe zu bringen. 15 lange Jahre arbeitete der selbständige Kaufmann ehrenamtlich als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Reiter- und Fahrerverbandes.

Der Träger des Goldenen Reiterabzeichens - auch darauf ist er stolz, weil damit M-Siege und S-Platzierungen in Dressur, Springen und auf der Querbeetstrecke verbunden sind - bedauert es zutiefst, dass heute rund um den Holzhof beim Bielefelder Reit- und Fahrclub keine Vielseitigkeitsprüfungen mehr stattfinden. "Damit ist das naturnahe Reiten wieder ein Stück verdrängt worden", sagt er.

Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften sammelten Deutschlands vielseitige Vorzeigereiter unter Simons’ Führung zuhauf. "Eine schöne, aber auch aufregende Zeit", erinnert er sich gerne daran, als er als Vorsitzender der Buschreiter im Warendorfer Olympiade-Komitee die Geschicke in der Militaryszene lenkte. "Damals war es zwar noch leichter zu führen, da das Geld noch nicht so sehr mitbestimmte, doch es gab auch Momente, in denen es schwerfiel, Sportlern vor wichtigen Championaten sagen zu müssen, dass sie nicht dabei seien." So erging es 1976 Deutschlands bestem Buschreiter Horst Karsten, der alle Qualifikationen im Vorfeld der Spiele in Montreal gewonnen hatte, aber nicht nominiert wurde, weil sein Pferd krankheitsanfällig war. "Wir wollten die Mannschaftsmedaille nicht gefährden", erinnert sich Simons. Der Zweck heiligte die Mittel. Deutschland gewann Silber.

Neben Gattin Irmela werden dem gebürtigen Münsteraner heute 5 Kinder und 17 Enkel zu seinem Ehrentag gratulieren. Für sich selbst wünscht sich der Mittachtziger vor allem Gesundheit und der Reiterei, dass sie an ihren klassischen Ausbildungsprinzipien festhält und die "Spezialisierungen nicht die Oberhand gewinnen". Die Vokabel "Rollkur" vermeidet er dabei bewusst. Sie ist ihm zuwider.

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