Nervenstarkes Wunderkind düpiert die alten Hasen

DARTS: Der erst 16 Jahre alte Max Hopp gewinnt das WM-Qualifikationsturnier in Helpup

Max Hopp darf nach seinem Sieg bei der WM-Qualifikation ins Mekka der Dartspieler reisen. - © FOTO: KEMNA
Max Hopp darf nach seinem Sieg bei der WM-Qualifikation ins Mekka der Dartspieler reisen. | © FOTO: KEMNA

Leopoldshöhe/Bielefeld (kem). Darts ist ein leiser Sport. Rund 100 Zuschauern beobachteten am Samstag schweigend die 31 besten Pfeilwerfer Mitteleuropas beim Darts-WM-Qualifikationsturnier an der Bahnhofstraße in Helpup-Greste. Es siegte der Jüngste: Der erst 16-jährige Max Hopp aus Idstein (bei Frankfurt). Er gewann damit eine Wildcard für das von der Professional Darts Cooperation (PDC) ausgerichtete World Darts Championship im Alexandra Palace in London, dem Mekka für alle Dartspieler.

Vom 1. Darts Club Bielefeld, in dessen Vereinsräumen das Turnier stattfand, nahmen vier Mitglieder teil. Dabei lehrte Markandu Garunakumar die Top Ten der deutschen Dauerspieler das Fürchten und landete auf einem sehr guten fünften Platz. Die Klubkollegen Frank Schewe und Detlef Haut wurden Neunte, Nachwuchstalent André Krause (19 Jahre) beendete den Wettbewerb auf Platz 17.

Auf drei Turnieren wurden am vergangenen beziehungsweise werden am kommenden Wochenende von der PDC die letzten Plätze für die WM herausgespielt. Europa wurde in drei Zonen aufgeteilt, die Darter aus der Zone Süd trafen sich in Spanien, aus der Zone Ost in Slowenien und aus der Zone Central in Leopoldshöhe. Aus ganz Deutschland waren die besten Darter angereist, die internationale Beteiligung hielt sich mit zwei Tschechen und zwei Österreichern allerdings in Grenzen. Alle spendeten dem Vereinsheim des 1. DC Bielefeld großes Lob. Es sei einer der schönsten und größten Darträume Deutschlands.

Es geht locker und freundschaftlich zu bei den Dartern. Sie trinken und reden gerne. Aber im Turnierraum wird allerhöchstens geflüstert. Keiner will die Spieler bei ihrer Konzentration stören. Die werfen im Sekundentakt Pfeile auf die Scheibe. Oft treffen sie das Feld, das die höchste Punktzahl bringt, die Triple 20. Wer alle drei Pfeile dort unterbringt, hat 180 Punkte, die von den 501 Startpunkten abgezogen werden. Theoretisch kann so bereits nach drei mal drei Würfen das Spiel beendet sein.

Doch das Feld ist klein und Fehlwürfe, die knapp daneben gehen, bringen nur  fünf Zähler oder einen Punkt. Mancher zielt auch auf die Triple 19, die die besseren Nachbarfelder sieben und drei hat. Die Spieler wirken konzentriert, nur manchmal machen sie eine Geste, heben die Augenbrauen oder es entfährt ihnen ein zufriedenes "Ja!".

Die Augen der Zuschauer sind auf die Scheibe gerichtet. Sie verfolgen, wie die Aufschreiber die Ergebnisse der Würfe im Handumdrehen von der Punktzahl abziehen und mit Kreuzen auf dem abwaschbaren Brett markieren, wer das "Leg" (vergleichbar mit dem Satz beim Tennis) gewonnen, also als Erster die 501 Punkte abgearbeitet hat. Sechs Legs bedeuten den Sieg. Und den holte sich der jüngste Spieler, das neue deutsche Darts-Wunderkind Max Hopp. Nervenstark trat er gegen die alten Hasen an und warf ungerührt einen Pfeil nach dem anderen auf die besten Felder der Scheibe. "Ich bin mental sehr stark, hab die Ruhe weg", hatte er schon vor Beginn des Turniers erklärt. "Ich bin ein Kämpfertyp, ich gebe nie auf." Das musste auch Maik Langendorf aus Hameln erfahren, der im Finale gegen den Youngster unterlag. Auf dem dritten Platz kamen Mensur Suljovic (Wien) und Dragotin Horvat (Kassel).

Erst mit 16 Jahren kann man bei diesen Turnieren antreten - so feierte Hopp in diesem Jahr nicht nur seine Premiere, sondern auch einen kometenhaften Aufstieg in der Szene. Im Juli wurde er Jugendeuropameister, vor ein paar Wochen schlug er in Holland einen Top-Ten-Spieler. "Jetzt hier zu siegen und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist das Größte", sagte der junge Mann, der eine Profilaufbahn anstrebt, aber erst mal eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann macht. "Was wünscht man sich als 16-Jähriger mehr, als in der Heimat des Darts beim wichtigsten Turnier mitspielen zu können?"

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