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Burkhard und Roland Feige von TuRa 06 sind seit Jahren ein verlässliches Schiedsrichtergespann. Von ihnen gibt es leider viel zu wenige. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Burkhard und Roland Feige von TuRa 06 sind seit Jahren ein verlässliches Schiedsrichtergespann. Von ihnen gibt es leider viel zu wenige. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Alarmstufe dunkelrot

HANDBALL: Dramatischer Schiedsrichtermangel

28.08.2012 | Stand 27.08.2012, 18:29 Uhr

Bielefeld (Maat). In elf Tagen beginnt die Handball-Saison in den Amateurklassen. Die Sporthallen sind nach den Ferien wieder geöffnet, und der Trainingsbetrieb ist in vollem Gange - der Anpfiff zur Serie 2012/13 kann also erfolgen. Denkste. Von einem geregelten Spielbetrieb sind die Staffelleiter im Bezirk Nord und auch im Kreis Bielefeld-Herford meilenweit entfernt. Es fehlen reichlich Schiedsrichter.

Während die Funktionäre den Mangel in den zurückliegenden Jahren stets immer irgendwie verwaltet und organisiert bekamen, scheinen nun die Löcher zu groß. "Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zwei Minuten nach zwölf", sagt Friedhelm Krietemeyer und spricht von "Alarmstufe dunkelrot". Der Staffelleiter der Bezirks- und Landesligen musste jetzt, knapp zwei Wochen vor dem Ligenbetrieb, zu drastischen Mitteln greifen. Krietemeyer drängt auf eine Sondersitzung aller Kreisvorsitzenden in den kommenden Tagen, um dem Problem zu begegnen. Im Raum steht sogar die komplette Absetzung des ersten Spieltages am 8./9. September.

Gleich 22 von 35 Partien an dem genannten Wochenende konnten bis jetzt nicht mit Unparteiischen besetzt werden. Davon betroffen sind fast alle Bielefelder Bezirks- und Landesligisten - also: HT SF Senne, TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck II und III, EGB I und II sowie TSG Altenhagen-Heepen II. Lediglich der TuS Brake könnte seine Partie gegen den TuS Spenge II austragen. Im September und Oktober stehen insgesamt 66 Meisterschaftsspiele auf der Kippe.

"Ich kann mir keine Schiedsrichter malen. Es sind definitiv zu wenig da", sagt Gregor Finkemeier. Dem Bezirksschiedsrichterwart fehlen rund 30 Gespanne. Selbst wenn alle seine 99 Unparteiischen an einem Wochenende pfeifen könnten, würde Finkemeier die 92 anstehenden Spiele gerade so über die Bühne bekommen. Da es aber stets Fehlzeiten gibt und sich viele Spiele überschneiden, sei ein geregelter Betrieb kaum mehr möglich. Auf Kreisebene sieht es genauso verheerend aus. "Das wird dieses Mal kriminell. So eng war es noch nie", bestätigt Kreisschiedsrichterwart Jürgen Wendland. In der Männer-Kreisklasse wird es weiterhin keine neutralen Schiedsrichter geben. Zudem gibt es in der Kreisliga C sowie bei der männlichen D- und C-Jugend nur noch sporadische Ansetzungen. "Es geht einfach nicht mehr", sagt Wendland: "Weil uns der Nachwuchs fehlt." Schlappe 15 Teilnehmer zählte Lehrwart Sven Windmann beim Neuanwärter-Lehrgang im Frühsommer, klägliche drei

Interessenten verirrten sich zum Wiedereinsteiger-Abend vor einigen Wochen. "Wenn du die Leute dann fragst, warum sie Schiedsrichter werden wollen, erhältst du viel zu oft die Antwort: ,Weil der Verein sein Soll erfüllen muss’", erzählt Wendland.

Zum fehlenden Nachwuchs kommt ein besorgniserregender Schiedsrichterschwund. Die Zahl der Unparteiischen im Kreis sank innerhalb eines Jahres von 234 auf 191. Stark rückläufig ist die Quote der so genannten Spielerschiedsrichter von 61 auf 43. Angesichts solch’ alarmierender Zahlen verkam die Spielwartesitzung gestern Abend im Milser Krug zu einer höchst kniffeligen Angelegenheit. "Das Schlimme ist, dass du überhaupt keine Hoffnung verbreiten kannst", stöhnt Wendland.

Wie geht es nun weiter? "Der Kreis ist die Basis. Er muss die Schiedsrichter rekrutieren", betont Wendland. Dabei muss er schmunzeln, weil "ich diesen Satz jedes Jahr aufs Neue sage, solange ich Funktionär bin. Geändert hat sich leider wenig. Im Gegenteil: Es ist eigentlich alles nur schwieriger geworden". Wie bekommt der Bezirk die drohende Spieltagsabsetzung vom Eis? Dazu sagt Finkemeier: "Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Es würde helfen, wenn sich die Vereine andere Anwurfzeiten oder andere Spieltage überlegten - zum Beispiel unter der Woche." Doch zwischen Montag und Freitag verfügen die Klubs nicht immer über Hallenzeiten oder müssen sich die Einheiten mit anderen Vereinen und Mannschaften teilen. Außerdem löst es nicht das Kernproblem: Es fehlen einfach Schiedsrichter.

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