Spanien statt London

RADSPORT: Kröger mit Nationalteam auf Abi-Reise

Mieke Kröger scheiterte in den Qualifikationsläufen.
Mieke Kröger scheiterte in den Qualifikationsläufen.

Bielefeld (mak). Unmittelbar nach der gut bestandenen mündlichen Abiturprüfung freut sich Bielefelds Radsportlerin Nummer 1, Mieke Kröger, auf die wohlverdiente Abi-Reise. Doch die Brackwederin geht am Montag nicht mit einem großen Reiseveranstalter oder einer Gruppe von Abiturienten auf Tour, sondern mit der Nationalmannschaft. Dort wird sie auch versuchen, ihre verpasste Olympia-Teilnahme zu verarbeiten.

BDR-Sportdirektor Patrick Moster hatte zur großen Enttäuschung die Bielefelderin nicht für den Olympiakader berücksichtigt. Nach einem Trainingslager im Harz ging es für Kröger gleich zum entscheidenden BDR-Qualifikations-Lehrgang nach Frankfurt/Oder. Hier wurden nur eine Woche vor der offiziellen Kader-Benennung durch den Deutschen Olympischen Sportbund die finalen Qualifikationsläufe absolviert. Für die 18-Jährige endeten diese enttäuschend.

Mit Madelaine Sandig, Lisa Brennauer, Charlotte Becker und Stephanie Pohl waren gleich vier Fahrerinnen einen Tick schneller. Alle vier Nationalfahrerinnen besitzen bereits langjährige internationale Erfahrung und errangen in den vergangenen Jahren mehrere internationale Titel. Der BDR steht beim Kampf um das Olympische Edelmetall gleich doppelt unter Druck: das Flaggschiff des Deutschen Bahnsports - der Vierer der Herren - ist bereits zum zweiten Mal nicht für Olympia qualifiziert, und auch im Damen-Omnium, dem Mehrkampf auf der Bahn, hat der BDR keinen Startplatz für London erhalten. Damit konnte es sich der Verband nicht leisten, Mieke Kröger als Perspektiv-Sportlerin zu nominieren. Schließlich richten sich nach dem Olympischen Medaillenspiegel die Förderungen, die ein Verband für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt bekommt. So gilt es jetzt, für Mieke Kröger, den Blick nach vorn zu richten.

Dass sie genau dies bestens beherrscht, wusste Markus Spiekermann vom RV Teutoburg bereits auf Krögers WM-Empfang im Sommer 2011 zu berichten. Demnach ging es zu Beginn ihrer Laufbahn eher um Stürze und nicht beendete Rennen, die sie mit Bravour abgehakt hat. Diesmal ist es die verpasste Olympia-Teilnahme. Mieke Kröger hat auch diesmal ihr Lachen bereits zurückgefunden: "Ich kann ja schließlich noch drei Olympische Spiele erleben, bis ich 30 Jahre alt bin."

Bundestrainer Sven Meyer hat die junge Bielefelderin schon wieder für die nächste Aufgabe nominiert - jetzt geht es in die Sonne Spaniens. "Leider wird das kein Badeurlaub", spielt Kröger auf die "Abi-Reise der besonderen Art" an. Zunächst geht es über zwei Etappen durch die nordspanische Provinz Vizcaya beim Rennen in Durango, bevor es vier Etappen der Bira-Rundfahrt zu bewältigen gilt. Statt ihrer Abitur-Schulkameraden geht die Brackwederin mit den Nationalmannschaftskolleginnen auf Reise. Für Kröger ist dies ein klares Zeichen, dass der BDR in Zukunft mit ihr plant. Alle Sportlerinnen, die mit nach Spanien fahren, gehören entweder auf der Straße oder auf der Bahn zum engsten BDR-Kader.

DOSB-Präsident Thomas Bach und der Chef de Mission, Michael Vesper, geben die Nominierten für das Olympische Straßenrennen am 4. Juli bekannt. Ob sich hieraus für Kröger noch Chancen ergeben, London über diesen Weg zu erreichen, ist allerdings fraglich. Dennoch hat sie mit dem Bronzemedaillen-Gewinn der letztjährigen Junioren-WM im Einzelzeitfahren auf der Straße ihre Stärke eindrucksvoll demonstriert und auch im WM-Straßenrennen hatte die Bielefelderin bis kurz vor dem Ziel große Chancen auf Gold.

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