Übermüdet, aber überglücklich: Mieke Kröger präsentiert das Regenbogen-Trikot, das jeder Weltmeister erhält. - © FOTO: KLÖPPING
Übermüdet, aber überglücklich: Mieke Kröger präsentiert das Regenbogen-Trikot, das jeder Weltmeister erhält. | © FOTO: KLÖPPING

"Ich kann es immer noch nicht glauben"

INTERVIEW: Mieke Kröger, Weltmeisterin in der Einerverfolgung auf der Bahn

Bielefeld. Nach einem wahren Marathon von mehr als 27 Stunden inklusive Weltmeisterschaftsfinale, Siegerehrung, kleiner Privat-Feier und verspäteten Flug von Moskau nach Düsseldorf traf Mieke Kröger am Montag um 19.15 Uhr in Bielefeld ein. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Marcel Klöpping schilderte die frischgebackene Weltmeisterin in der Einerverfolgung ihre Eindrücke von den Titelkämpfen.

Sie sind mit ihren erst 18 Jahren die erste Weltmeisterin im Bahnradsport aus Bielefeld. Sie haben erst vor dreieinhalb Jahren mit dem Radsport begonnen. Im vergangenen Jahr wurden Sie Deutsche Meisterin im Zeitfahren auf der Straße und nun sind Sie bereits Weltmeisterin in der Einzelverfolgung auf der Bahn. Können Sie diese Entwicklung schon begreifen?
MIEKE KRÖGER: Nein, ich kann es immer noch nicht glauben und hätte ich nicht dieses Trikot die ganze Zeit an, könnte ich es wahrscheinlich überhaupt nicht fassen. Alle haben sich so für mich gefreut. Es kamen so viele SMS und Gratulationen bei Facebook. Jetzt hatte ich schon rund 27 Stunden Zeit, um drüber nachzudenken, kann es aber noch nicht realisieren. Ich bin einfach nur total fertig, ich werde aber, glaube ich, auch nicht wirklich schlafen können.

Wie ist denn der Sonntag gelaufen? Nachdem in der Mannschaftsverfolgung zwei Tage zuvor nicht die erhoffte Medaille rausgesprungen war, wie haben Sie sich auf den Einzelwettkampf vorbereitet?
KRÖGER: In der Mannschaftsverfolgung hat im Wettkampf nichts von dem gepasst - zum Beispiel die Ablösungen - was im Training und unmittelbar vor dem Wettkampf noch optimal funktioniert hat. Das war eine große Enttäuschung. Aber es gab für mich keinen Anlass, an meiner individuellen Vorbereitung und meinem gewohnten Ablauf etwas zu ändern: vor dem Frühstück Kreislauf hochbringen, Frühstück, zur Bahn, vorbereiten, 60 Minuten warmfahren und dann der Wettkampf.

Nicht zuletzt durch ihre Goldmedaille rangiert der Bund Deutscher Radfahrer im Medaillenspiegel auf dem dritten Rang. Wie ordnen Sie das ein?
KRÖGER: Der dritte Platz ist Wahnsinn. Dabei hätten wir noch weiter vorne liegen können, denn unser Sprinter, Max Niederlag vom Team Erdgas2012, hatte gleich zwei Chancen auf Gold und wurde im Keirin- und im Sprintfinale von der Jury distanziert. Das war natürlich bitter.

Wie war der Empfang am Düsseldorfer Flughafen?
KRÖGER: Ich muss in Moskau bei unserer Abreise anfangen. Zunächst haben wir abends im Kreis der Mannschaft noch etwas gefeiert und sind gegen Mitternacht zum Flughafen gefahren. Wir sollten ja schon um 7.30 Uhr deutscher Zeit in Düsseldorf landen. Darum ist mein Empfangskomitee auch schon um 4 Uhr morgens in Bielefeld aufgebrochen. Nach unserem Check-in hat sich der Abflug allerdings unglaublich lange verzögert. Darum will ich mich bei allen sehr bedanken, die diese Tortur auf sich genommen haben. Als ich die ganzen Leute gesehen habe, war das total schön. Jetzt bin ich mal gespannt, was mich noch alles so erwartet, aber viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Am Wochenende steht ja schon die Deutsche Meisterschaft im Einzelzeitfahren auf der Straße an. Schließlich geht es da nochmals um die Startplätze für die Straßen-WM in Kopenhagen.

Sie sprechen gerade die kurzfristige Zukunft mit der DM und der WM an. Wie sieht denn eigentlich die Perspektive über das Jahr 2011 hinaus aus? Da stehen schließlich im nächsten Sommer Olympische Spiele in London an.
KRÖGER: Da habe ich meine eigene Theorie. Natürlich wird offiziell darüber noch nicht gesprochen. Die Junioren-WM findet nächstes Jahr in Neuseeland statt. Da wäre ich natürlich gerne hingefahren, bin aber dann zu alt. Somit wäre ein Start in London nur gerecht. (lacht)

Jetzt gilt es erst einmal, den tollen Moment und den Titel zu verarbeiten. Können Sie das trotz der Konzentration auf den kommenden Sonntag überhaupt genießen? Oder droht die Vorbereitung auf die DM bei all den Feierlichkeiten zu kurz zu kommen?
KRÖGER: Auf keinen Fall. Das wird beides klappen. Vorgestern habe ich versucht, erst einmal auszuschlafen. Gestern habe ich noch auf das Training verzichtet. Ab heute konzentriere ich mich voll auf die DM.

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