Hamlet Babayan (13), Deutscher Meister im Bantamgewicht der Amateure, Dimitar Tilev (15), Dritter Deutscher Meister im Junioren-Halbschwergewicht und Jurij Belinger, (16/v. l.) Deutscher Vizemeister im Jugendleichtgewicht, testen einen der Sandsäcke in der Lutterhalle. - © FOTO: SARAH JONEK
Hamlet Babayan (13), Deutscher Meister im Bantamgewicht der Amateure, Dimitar Tilev (15), Dritter Deutscher Meister im Junioren-Halbschwergewicht und Jurij Belinger, (16/v. l.) Deutscher Vizemeister im Jugendleichtgewicht, testen einen der Sandsäcke in der Lutterhalle. | © FOTO: SARAH JONEK

Ein hochbegabtes Trio

AMATEURBOXEN: Nachwuchssportler des BC Vorwärts feiern landesweit Erfolge

VON JAN RÖßMANN

Bielefeld. Hans-Dieter Bunte mischt seit einem halben Jahrhundert im Boxsport mit. Doch ein Talent wie den 13-jährigen Hamlet Babayan hat der Geschäftsführer des BC Vorwärts seit 20 Jahren nicht mehr betreut. Damals gewann zuletzt einer seiner Schützlinge den deutschen Meistertitel in seiner Gewichtsklasse. Und Hamlet ist nicht das einzige boxerisch hochbegabte Mitglied des Bielefelder Vereins, das derzeit bei Kämpfen in ganz Deutschland siegt.

Hamlet und Jurij tänzeln über das Laminat. Íhre hochgeschnürten Boxschuhe quietschen. Es riecht nach Schweiß in der Halle der Lutterschule. Ein Haken links, ein Haken rechts - die Treffer sind völlig schmerzlos.

Die Jungen deuten ihre Schläge nur an. Hans-Dieter Bunte zeigt auf den kleineren der beiden Kämpfer. "Hamlet ist derzeit unser bestes Pferd im Stall." 16 seiner 17 Kämpfe in der vergangenen Saison hat der Junge gewonnen. Seine Krönung war im Juni der Titel des Deutschen Meisters in der Altersklasse bis 14 Jahre im Bantamgewicht (bis 52 Kilo).

Der Vorwärts-Funktionär freut sich über die vergangenen Saison seiner Jugendriege: Hamlets Vereinskollege Dimitar Tilev wurde im Mai Dritter im Junioren-Halbschwergewicht bei der Meisterschaft der Amateurboxer im thüringischen Bad Blankenburg, und Jurij Belinger ist amtierender Vizemeister im Jugendleichtgewicht.

Konzentriert beobachtet ein braungebrannter Mann mit Goldkettchen und Glatze die jungen Boxer. "Hamlet ist ehrgeizig, hört Anweisungen von Erfahrenen genau zu und setzt sie um", lobt Trainer Alexander Bich den Jungstar. Er hat noch viel vor mit den jungen Siegern. Schließlich half der 37-Jährige schon WBO-Weltmeister Marco Huck in die Handschuhe. Dessen Bruder hat bis vor Kurzem noch bei ihm trainiert, sagt Bich - bis die Familie nach Berlin zog.

Hamlet selbst ist kein Mann großer Worte. Ob seine Mitschüler Angst vor ihm als Boxmeister haben? "Ja", sagt der Junge in einer Trainingspause und blickt etwas verlegen auf seine großen dunklen Handschuhe. Ob er auf seine Ernährung achtet? "Ja." Nur bei einem Thema leuchten die Augen des Jungen: Sein Vorbild, der US-Amerikaner Roy Jones junior aus Florida, der im Ring lange als unbesiegbar galt. Hamlets größter Wunsch: Einmal in den USA zu kämpfen. Seine kurzfristigen Ziele liegen näher: Die einzige Niederlage der Saison stört ihn. Mit hartem Training will er nach den Sommerferien jeden einzelnen seiner Kämpfe gewinnen.

Am Hallenende schlagen 30 Amateurboxer auf Kommando gegen an den Wänden angelehnte Gummimatten. Ein nassgeschwitzter Mann im Muskelshirt verschnauft: "Der Grund, warum der Verein so erfolgreich ist, ist unser Trainer", sagt er, ohne ganz mit dem Tänzeln aufzuhören. "Manche Leute schicken dich nur in den Ring, weil du hart zuschlagen kannst. Er dagegen zeigt uns Taktiken."

Der Gelobte zeigt gerade dem jüngsten der 120 Vereinsmitglieder von Vorwärts - dem neunjährigen Erik - dass er die Faust gerade halten soll, wenn er gegen die Holzwand der Halle schlägt. Wird Hamlet Babayan einst so erfolgreich kämpfen wie Weltmeister Marco Huck? "Keine Frage", sagt Alexander Bich und lächelt: "Wenn die Jungs so weitertrainieren, wird man noch von ihnen hören."

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