Bielefeld Weltrekordversuch: 452 Kilometer in zwölf Stunden

Radsport: Bastian Schünke nimmt auf der Radrennbahn den Weltrekord aus dem Jahr 2002 ins Visier

Johnny Dähne

Bielefeld. Weil Bastian Schünke Unkraut jäten nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählt, gibt es am 26. Juni einen Weltrekord-Versuch auf der Bielefelder Radrennbahn: Der Bielefelder möchte innerhalb von zwölf Stunden so viele Kilometer fahren wie kein Mensch vor ihm - nämlich exakt 452. "Bis dahin muss ich natürlich noch ein bisschen trainieren - auf dem Ergometer, auf dem Mountainbike und natürlich auf der Bahn", sagt Bastian Schünke mit einem Augenzwinkern. Dass er langstreckengestählter Radsportler ist, bewies er zuletzt im vergangenen Sommer: Das Race across Germany - ein Rennen in Zweierteams zwischen Flensburg und Garmisch über 1.100 Kilometer - gewann er mit seinem Partner Christian Locker in 38:29 Stunden. Dieses Mal sollen es im Sommer also garantierte zwölf Stunden sein, wobei es keinen Partner oder Gegner auf der Bahn geben wird. Doch was veranlasst ihn zu dieser Tortur? "Ich bin Ende des vergangenen Jahres auf die Idee gekommen, weil Bekannte mich motivieren wollten, mit ihnen Unkraut auf der Radrennbahn zu beseitigen. Darauf hatte ich aber keinen Bock und habe mir überlegt, was ich stattdessen für die Bahn tun könnte", erläutert Schünke. Bei Recherchen im Internet stieß er dann auf den 12-Stunden-Weltrekord auf der Bahn, aufgestellt vom Slowenen Marko Baloh im Jahr 2002. Nach einem Gespräch mit dem Förderverein der Bielefelder Radrennbahn gab es das Okay für den Versuch, der Aufmerksamkeit und Sponsorengelder zur Renovierung des maroden Ovals generieren soll. "Nebenbei ist es natürlich auch eine große sportliche Herausforderung für mich. Die Planungen stehen nun - jetzt gilt es das Ganze mit Leben zu füllen", erklärt der 34-Jährige. In einem Korridor von gut einem halben Meter wird Bastian Schünke am unteren Rand der Bahn, auf der er bisher noch nie trainierte, um drei Uhr morgens auf seiner Zeitfahrmaschine starten. Das Rad sowie die Ausrüstung - inklusive aerodynamischer Kleidung und Zeitfahrhelm - bekommt er von Sponsoren gestellt, wobei noch nicht sicher ist, ob der mögliche Weltrekord letztendlich Eingang ins Guinnessbuch erhält. "Um es hochoffiziell zu machen, müsste man eine vier- bis fünfstellige Summe investieren. Dafür wären Sponsoren natürlich auch willkommen. Angemeldet ist der Versuch jedenfalls", sagt der zweifache Familienvater. Dass er in der Nacht startet, hat neben dem Zuschauerfreundlichen Ende an einem Sonntagnachmittag um 15 Uhr auch eine praktische Seite: Die erhoffte Windstille um diese Zeit möchte er dazu nutzen, um bis zum Sonnenaufgang einen guten Start hinzulegen. Insgesamt benötigt Bastian Schünke 1.433 Runden auf der im untersten Segment 316 Meter langen Bahn, um den Rekord von 452 Kilometern zu brechen. Neben einer konstanten Fahrleistung mit mindestens 38,5 km/h braucht der Blondschopf Glück mit dem Wetter: Es darf nicht regnen, denn auf einer nassen Bahn wäre der Rekord keinesfalls zu schaffen. "Ich hoffe auf eine große Party an diesem Tag rund um die Radrennbahn und natürlich darauf, dass ich es am Ende auch schaffe. Es wäre toll, wenn durch diese Aktion ein paar Euro für die Rennbahn 'rumkommen", sagt Schünke. Nicht nur die Erbauer des 1953 fertiggestellten und in die Jahre gekommenen Velodroms dürften es ihm danken.

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