Tipps von der Nummer eins: Samuel Ljuri (l.) hört genau zu, was Frantisek Placek zu sagen hat. - © Andreas Zobe
Tipps von der Nummer eins: Samuel Ljuri (l.) hört genau zu, was Frantisek Placek zu sagen hat. | © Andreas Zobe

Bielefeld Talent Ljuri geht behutsam seinen Weg

Tischtennis: Der 17-Jährige kann viel von seinen erfahrenen Teamkollegen im Drittligateam der SV Brackwede lernen. Der "alte Chinese" Yang Lei stapelt für die DM tief

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Das Lob kam aus berufenem Mund. "Samuel hat schon ein richtig gutes Händchen. Und er wird immer besser", meinte Frantisek Placek, die tschechische Nummer eins des Tischtennis-Drittligisten SV Brackwede, über seinen jungen Doppelpartner Samuel Ljuri. Der 17-Jährige, dessen knallharte Vorhandschüsse auf der Tribüne begeistert bejubelt wurden, zeigte an der Seite seines erfahrenen Partners im Eingangsdoppel gegen Seligenstadt eine couragierte Vorstellung. Dass die Partie am Ende knapp mit 2:3 an die Gäste ging, war nicht unbedingt seine Schuld. "Die gelegentlichen Einsätze in der 3. Liga machen wirklich einen Riesenspaß", erklärte Ljuri, "für mich ist es aber erstmal wichtiger, in der NRW-Liga meinen Mann zu stehen." Noch am Abend vor seinem Auftritt hatte der Oberschüler - Ljuri besucht in Minden die elfte Klasse des Ratsgymnasiums - drei Matches für die zweite Mannschaft der SV Brackwede bestritten und war bei drei Einsätzen (ein Doppel, zwei Einzel) zweimal als Sieger von der Platte gegangen. Angst, dass sein Teamkollege am Sonntag schlapp machen könnte, hatte Philipp Kortekamp schon am Samstagabend nicht: "Der ist jung und kann das ab", hatte die Nummer eins der zweiten Mannschaft prophezeit. An seiner Fitness muss Ljuri, Sohn eines albanischen Vaters und einer deutschen Mutter, also nicht mehr allzu viel arbeiten. Allerdings will er durch einen größeren Trainingsaufwand technisch und taktisch zulegen. "Ich versuche gerade, einmal mehr pro Woche zu trainieren", sagt der Youngster, der bei sich noch Schwächen auf der Rückhand und bei der Beinarbeit sieht. "Wenn Samuel so weiter macht, ist er bald ein Thema für unsere Erste", findet Abteilungsleiter Thorsten List, der zumindest noch ein Jahr auf das Talent zurückgreifen kann: So kurz vor dem Abitur verbietet sich natürlich ein Vereinswechsel. Auch Frantisek Placek ist noch für eine weitere Saison an die SV Brackwede gebunden, leitete am Sonntag aber schon mal Nachverhandlungen ein. "Immer diese weiten Fahrten, ich bin das ein bisschen leid", sagte der Tscheche - eine Äußerung, die seinem Chef List nur ein müdes Lächeln entlockte. Ganz andere Probleme hat derweil Yang Lei, der frisch gebackene westdeutsche Meister, der für die SV Brackwede bei den Deutschen Meisterschaften in der Seidensticker Halle aufschlagen wird. "Großen Bock habe ich nicht. Was soll ein alter Chinese schon bei der DM?", fragte der 38-Jährige, der aber Thorsten List natürlich den Gefallen tun wird, das Zugpferd zu spielen. Vielleicht gelingt es Lei ja noch, der kraftraubenden Gruppenphase zu entgehen - dafür müsste er zum Zeitpunkt der Auslosung die deutsche Nummer 16 sein. "Im Moment stehe ich an Position 22. Wenn ich mich noch ein wenig verbessere und dann noch ein paar Leute absagen, kann das klappen", rechnet sich Lei seinen DM-Auftritt schon mal schön. Dann also auf ein entspanntes DM-Wochenende vom 18. bis 20. März für Brackwedes Nummer zwei!

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