Motorradfahren war seine Leidenschaft: Moritz Günther blickt vor einem seiner Rennen in die Kamera. - © Sascha Bartel
Motorradfahren war seine Leidenschaft: Moritz Günther blickt vor einem seiner Rennen in die Kamera. | © Sascha Bartel

Bielefeld Freunde organisieren Hilfe für verunglückten Rennfahrer

Motorsport: Der Motorrad-Rennfahrer Moritz Günther ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt

Johnny Dähne

Bielefeld. Sie sitzen zusammen am Wohnzimmertisch, lachen, diskutieren, sprechen über Hochzeitsvorbereitungen, während Hund Toni durch die Wohnung flitzt: Der erste Eindruck vermittelt junge Erwachsene, die einen entspannten Abend in der Vorweihnachtszeit verbringen - doch einer, der sonst immer dabei war, fehlt: Moritz Günther. Der Bielefelder Superbike-Motorradfahrer, seit seinem Unfall am 27. September querschnittsgelähmt, ist jedoch in den Gedanken seiner Freunde immer präsent. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir so einen super Zusammenhalt haben. Moritz weiß das auch und es hilft ihm ungemein", sagt Felix Günther. Die Brüder stehen täglich in Kontakt und hoffen, dass Moritz so bald wie möglich aus der Spezialklinik Bergmannsheil in Bochum nach Hause kommen kann. Das wird voraussichtlich noch einige Monate dauern, denn der Unfall im Rahmen der International Road Race Championchips in Frohburg war schwerwiegend: Während des Rennens am 27. September verlor Moritz in einer Kurve die Kontrolle über sein Motorrad und flog über den Lenker. Unglücklicherweise flog seine Maschine genau in dieselbe Richtung und erwischte ihn. "Ich bekam auf einmal rote Flaggen gezeigt und habe ihn nicht mehr gesehen - da wusste ich gleich, dass etwas passiert war", erklärte der dritte im Brüder-Trio, Thilo Günther, damals wenige Tage nach dem Unfall. Er fuhr vor dem Crash unmittelbar vor Moritz und engagiert sich ebenfalls sehr stark für den Verunglückten - wie seine Freunde eben auch. Unter dem Motto "The next race we start together", das auf Moritz zukünftiges Leben als Querschnittsgelähmter anspielt, hat sich die Gruppe bereits wenige Stunden nach dem tragischen Unfall zum Ziel gesetzt, ihren Moritz moralisch und finanziell zu unterstützen. "Wir haben direkt ein Gruppenfoto gemacht, denn er sollte das Bild von uns als erstes sehen, sobald er die Augen wieder aufmacht", erläutert Franziska Grund die erste Maßnahme für Moritz Günther, der nach drei Tagen aus dem künstlichen Koma erwachte. Aktuell gehe es Moritz den Umständen entsprechend gut, erklärt Jenny Richert, die Freundin von Bruder Felix: "Er bekommt viel Physiotherapie. Sein Kreislauf soll in Gang gebracht werden, zudem macht er Krafttraining, um fit für den Rollstuhl zu werden." Um ein weiteres Fortbewegungsmittel neben dem Rollstuhl wollen sich die Freunde mit Hilfe der Spenden bemühen - einen Segway für Rollstuhlfahrer. "Das ist das erste, was wir ihm kaufen wollen. Wenn er will, kann er damit auch zur Sparrenburg hochfahren", sagt Marlene von Tiesenhausen, die am heutigen Freitag ihren Freund Eugen Penner heiratet. Auf dessen Gelände - Penner ist Geschäftsführer einer Zimmerei - soll am 6. Dezember die nächste Wohltätigkeitsveranstaltung für Moritz Günther stattfinden. "Am Nikolaustag gibt es bei uns ab 13 Uhr Glühwein, Waffeln, einen Losverkauf - und eine Hüpfburg für Kinder", erklärt Eugen Penner die spontane Aktion für den Freundes- und Bekanntenkreis. Auch dort werden die Armbänder und Aufkleber verteilt werden, die an das Schicksal von Moritz erinnern und aufmerksam machen sollen. "Wir machen das alles sehr, sehr gerne für ihn, weil er einfach ein Gutmensch ist. Er ist sehr humorvoll, ein echter Klassenclown, der immer gute Laune versprüht", sagen sie am Wohnzimmertisch. Dass ihr Freund die Weihnachtstage höchstwahrscheinlich nicht bei ihnen in Bielefeld verbringen wird, stimmt sie nur kurz nachdenklich. "Dann fahren wir Weihnachten eben in die Klinik", sagt Felix Günther - und alle stimmen zu.

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