Bielefeld Ein perfektes Rennen

LEICHTATHLETIK: Petros stürmt über 5.000 Meter zu DM-Bronze und landet einen historischen Erfolg

Claus-Werner Kreft

Bielefeld. Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr stand fest, dass sich Amanal Petros (TSVE 1890) bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg einen sportlichen Traum erfüllt hatte - den von einer Medaille auf höchster nationaler Ebene. 49 Jahre nach dem Titelgewinn des Hindernisläufers Hans-Werner Wogatzky (PSV) holte Petros Bronze über 5.000 Meter und damit erstmals wieder DM-Edelmetall für die Bielefelder Leichtathletik. Eingangs der Zielgeraden sah es sogar danach aus, als würde der Jüngste im Feld einem nie erwarteten Vizetitel hinter dem Top-Favoriten Richard Ringer entgegenlaufen. Doch dann rückte Hallen-EM-Starter Clemens Bleistein aus München, der mit 13:45,34 Minuten die zweitschnellste Bestzeit aller 22 angetretenen Läufer mitgebracht hatte, immer näher zu ihm auf, überlief ihn und verdrängte ihn vom Silber-Rang: Bleistein 14:06,48, Petros 14:06,88 Minuten - drei Schritte fehlten dem Bielefelder zu einer noch größeren Überraschung. Amanal Petros war gegenüber seinem missglückten Lauf bei der DM 2014 in Ulm nicht wiederzuerkennen. Er zeigte sich taktisch voll auf der Höhe und beobachtete, in einer fünf- bis sechsköpfigen Spitzengruppe stets innen laufend, die Konkurrenz aufmerksam. "Die Vorbereitung auf alle möglichen Taktik-Varianten hat im Training der letzten Wochen eine große Rolle gespielt. Bewusst haben wir auch unrhythmische Tempoläufe eingestreut", verriet Trainer Thomas Heidbreder. Und das, was man dann vor dem DM-Rennen besprochen hatte, setzte Petros vorbildlich um. Zum richtigen Zeitpunkt, in der vorletzten von zwölfeinhalb Stadionrunden, wechselte er nach außen und übernahm mit schnellem Antritt vorübergehend die Führung vor dem EM-Vierten von Zürich, Richard Ringer. Damit forderte er einen Läufer heraus, der sich eine Woche zuvor in Belgien mit grandiosen 13:10,94 Min. an die vierte Stelle der "ewigen" gesamtdeutschen Bestenliste gesetzt hatte - vor Legenden wie Werner Schildhauer, Thomas Wessinghage oder Harald Norpoth. Natürlich konterte Ringer und lief dieses typische Meisterschaftsrennen, in dem Zeiten keine Rolle spielten, mit 14:04,05 Min. sicher nach Hause. Als Dritter aber hat Amanal Petros den Sprung mitten in die DLV-Spitze geschafft, auch wenn Arne Gabius und andere in Nürnberg gefehlt haben. Keine Frage: Dieser Erfolg war der bislang wichtigste in der Laufbahn des 20-Jährigen, der schon fünf deutsche Jugend- und Juniorentitel gesammelt hat. Konkurrenten wie Jannik Arbogast (Karlsruhe) und Mitku Seboka (Fürth), die im Mai bei der 10.000-m-DM noch vor ihm gelegen hatten, konnte Petros jetzt deutlich hinter sich lassen. "Dass er als Läufer gereift ist und selbstbewusster in ein wichtiges Rennen geht, hat er heute eindrucksvoll bewiesen", lobte Coach Heidbreder und sprach von "einem perfekten Rennen". "Ich bin auf keinen Fall zufrieden", kommentierte Mateusz Przybylko (23) tags zuvor seinen Hochsprung-Bronzerang, "2,19 Meter sind für mich ja eigentlich eine Lachnummer." Der Wahl-Leverkusener, dessen Karriere in der LG Bielefeld begann, klagte über den böigen Wind und seine fehlende Spritzigkeit an diesem Tag. Er unterlag dem jungen Überraschungsmeister David Nopper und dem DLV-Saisonbesten mit 2,32 m, Eike Onnen - beide übersprangen 2,25 m. Przybylko zeigt sich dennoch voll motiviert für das Traditionsmeeting in Eberstadt und die WM in Peking.

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