Waagerecht in der Luft: Horst Gamon zeigt sein Lieblingsfoto, das ihn als Spieler von Arminia Bielefeld bei einem Flugkopfball zeigt. - © Thorsten Mailänder
Waagerecht in der Luft: Horst Gamon zeigt sein Lieblingsfoto, das ihn als Spieler von Arminia Bielefeld bei einem Flugkopfball zeigt. | © Thorsten Mailänder

Bielefeld Ein Fußballer mit Herz hebt ab

FUSSBALL: Der Ex-Armine Horst Gamon hat eine besondere Verbindung zu Brasilien

Thorsten Mailänder

Bielefeld. Dass Horst Gamon im nächsten Jahr 80 Jahre wird, ist ihm weder anzumerken noch anzusehen. Braun gebrannt und drahtig, wirkt der ehemalige Profifußballer viel jünger. Im Keller seiner Wohnung in Herford an der Bismarck-Straße hat Gamon ein kleines Fußball-Museum eingerichtet. In unzähligen Ordnern sind Tausende Bilder und Zeitungsberichte untergebracht. Zu jedem Foto oder jedem Zeitungsartikel kann er eine Geschichte erzählen. "Es ist unglaublich", wiederholt Horst Gamon sicherlich ein Dutzend Mal. Hinzu kommen viele Wimpel, Pokale, Medaillen, Bälle, Schals oder kuriose Gegenstände, die alle eine Besonderheit darstellen. Legendär ist ein Foto, das ihn fast waagerecht in der Luft liegend bei einem Flugkopfball im Trikot von Arminia Bielefeld gegen den VfL Osnabrück zeigt. Gamon wurde am 12. November 1936 in Groß-Strehlitz in Oberschlesien geboren. Nach dem Krieg lebte er zunächst mit seiner Familie in Rochlitz/Sachsen. In einer "dramatischen Fluchtaktion", so Horst Gamon aus der DDR kam er 1951 über Stukenbrock nach Herford. Noch im gleichen Jahr schloss sich Gamon dem VfB Herford, einem der Vorgängervereine des SC Herford, an. "Nach einem Spiel in der zweiten Jugend, kam ich mit 15 Jahren sofort in die erste Jugend", erinnert er sich. Es folgte 1955 ein Gastspiel beim FC St. Pauli. Nach einem Jahr kehrte er nach Herford zum damaligen Ortsrivalen Union 08, ebenfalls einem SCH-Vorgängerverein, zurück. Der DSC Arminia Bielefeld holte 1960 den kopfballstarken Mann auf die Alm, und Horst Gamon schaffte endgültig den Durchbruch. Sieben Jahre kickte er für Arminia Bielefeld. Eine Zeit, die ihn nachhaltig bis heute geprägt hat. In höchsten Tönen lobt er seinen damaligen Trainer bei den Arminen, Helmut Meidt: "Er war mein väterlicher Freund und mein großer Förderer. Helmut Meidt galt als ein gewiefter Taktiker." In der Spielzeit 1962/63 übernahm Meidt die Mannschaft des DSC Arminia Bielefeld im März 1963 und führte sie vom vorletzten Rang auf den siebten Platz, der zur Qualifikation zur Regionalliga reichte. "Unter seiner Führung gewann Bielefeld acht der nächsten neun Partien. Ich spielte plötzlich mit in der Spitze und konnte Platz für Gerd Roggensack schaffen", erzählt Gamon. In einer mehr als 50 Jahre alten Drops-Dose hat er die Magnetfiguren aufbewahrt, mit denen Meidt die Taktik des "WM-Systems" erklärt hatte. Noch heute ist Gamon Mitglied im "Freundeskreis der älteren Arminen", der sich regelmäßig im Jahr trifft - "es ist unglaublich." Natürlich blieb Horst Gamon in den vielen Jahren nicht von Verletzungen verschont. Wochenlang spielte er unter starken Schmerzen, ehe der damals bekannte Orthopäde Dr. Werner aus Herford eine Knochenabsplitterung am Fuß feststellte. Der Fachmann entfernte ein Stück Knochen - dieser kleine Knochen ist ebenfalls in Gamons Keller zu bewundern. Nach Ende seiner aktiven Karriere arbeitete Gamon viele Jahre als Trainer. Der SC Herford, BV Bad Oeynhausen, ein Vorläuferverein des FC Bad Oeynhausen, FC Gohfeld oder die TSG Harsewinkel waren nur einige Stationen. Gamon ist Mitglied im Bund Deutscher Fußballlehrer (BDFL). Als Funktionär wäre er fast einmal zum 1. Vorsitzender des SC Herford gewählt geworden. "Kurz vor der Wahl zog ich meine Kandidatur zurück, da im Vorfeld nicht mit offenen Karten gespielt wurde, was die finanzielle Lage des Vereins betraf", sagt Gamon, der zuvor kommissarischer Vorsitzender war. Neben dem Fußball ist Gamon Ausdauersportler. Er ist 25 Mal beim Hermannslauf dabei gewesen. Der Herforder lief 13 Marathons und ist Triathlet. Das Sportabzeichen in Gold wiederholte er 30 Mal - "es ist unglaublich." Horst Gamon hat eine besondere Verbindung nach Brasilien. Die Stadt Natal liegt an der Nordostspitze des Südamerikanischen Landes. Hier kümmert sich Gamon um die Menschen in den total verarmten Vierteln. Vor jedem Flug nach Brasilien sammelt er in seiner Heimat Dinge, die dort dringend benötigt werden. "Fan-Artikel von deutschen Vereinen sind hier immer begehrt. Der DSC Arminia Bielefeld ist in Natal deshalb sehr bekannt", fügt Horst Gamon hinzu. Er hat insgesamt 37 Länder bereist. Wer den ehemaligen Fußballer live erleben möchte, kann ihn beim Shanty-Chor Herford hören. Gamon ist ein großer Freund der Musik. "Früher war mehr Herz und weniger Geld", sagt Horst Gamon. Es ist das Fazit eines Mannes, der seit fast 65 Jahren in Sachen Sport unterwegs ist und viel erlebt hat. Gamon wird auch in Zukunft seine Meinung kundtun: "Ich bin vierfacher Opa. Meine Enkel sollen nicht zu kurz kommen" - "es ist unglaublich."

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