Mieke Kröger muss an der letzten Steigung aufs kleine Blatt wechseln und die letzten Kraftreserven mobilisieren. Doch sie schafft es über den Berg ohne total einzubrechen, ist im Ziel sogar lange die Führende. Erst am Ende purzelt sie vom Podium. - © Foto: Hennes Roth
Mieke Kröger muss an der letzten Steigung aufs kleine Blatt wechseln und die letzten Kraftreserven mobilisieren. Doch sie schafft es über den Berg ohne total einzubrechen, ist im Ziel sogar lange die Führende. Erst am Ende purzelt sie vom Podium. | © Foto: Hennes Roth

Die fantastische Vier

RADsport: Mieke Kröger fährt bei der WM knapp an einer Medaille vorbei

Bielefeld. Nach der Zieldurchfahrt ging nichts mehr: Mieke Kröger war auf den letzten Metern des WM-Zeitfahrens der Frauen-Elite im spanischen Ponferrada noch einmal aus dem Sattel gegangen, hatte mit weit aufgerissenem Mund die letzten Reserven mobilisiert, um dann mit schmerzverzerrtem Gesicht im Zielraum zu Boden zu sinken. Doch die Quälerei hatte sich gelohnt: Die 21 Jahre junge Bielefelderin forderte mit ihrer Bestzeit nach 28 Fahrerinnen die Weltspitze heraus und beendete das Rennen schließlich als Vierte.

"Ich bin überhaupt nicht enttäuscht, sondern total zufrieden", kommentierte Kröger ihren vierten Platz, mit dem sie an die Tür zur Weltspitze klopfte. "Ich bin einfach mein Rennen gefahren und hatte am Anfang auch richtig Spaß, bis es dann irgendwann nur noch weh tat", schilderte sie ihr Rennen, das einen dicken Knackpunkt aufwies: "An der letzten Steigung musste ich mir echt die Kante geben, die dann noch folgenden zwei Kilometer waren die Hölle." Doch auch die überstand die Bielefelderin mit geringem Zeitverlust – Platz vier war der verdiente Lohn.

Als Mieke Kröger vom Podium rollte – im Livestream übrigens als "sehr talentierte und interessante Fahrerin" angekündigt, die "möglicherweise am Anfang einer großen Karriere" stehe –, hatte eine große Sportlerin gerade eine neue Bestzeit aufgestellt: Martina Sablikova, die mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Eisschnelllaufen aus der tschechischen Republik, hatte es den Spezialistinnen gezeigt und lag mit einer Endzeit von 40:13,78 Minuten für die 29,5 Kilometer längere Zeit vorne.

Doch Kröger zeigte sofort, dass sie keine Angst vor großen Namen hatte. Mit glatten 15 Minuten stellte sie am ersten Messpunkt nach 12,2 Kilometern eine neue Zwischenbestzeit auf – deutlich schneller als die mittlerweile hier vor Sablikova liegenden Chantal Blaak (Niederlande) und Alison Powers (USA). "Hoffentlich geht sie nicht zu schnell an, der zweite Teil der Strecke ist bedeutend hügeliger und wird noch viel Kraft kosten", mahnten die das Rennen kommentierenden Experten am Mikrofon. Die U-23-Europameisterin ließ jedoch keine Schwäche erkennen und pulverisierte bei 21,2 Kilometern förmlich die bis dahin gültige Bestzeit von Powers: Mit 27:27 Minuten lag sie 39 Sekunden vor der Amerikanerin. Im Ziel standen schließlich 39:26,45 Minuten zu Buche, eine Zeit, an der sich noch manche Spitzenathletin die Zähne ausbiss.

Erschöpft, aber sichtlich glücklich nahm Mieke Kröger anschließend im "heißen Stuhl" Platz und beobachtete ihre noch kommenden Konkurrentinnen. Und das mit wachsendem Vergnügen, denn obwohl die Startnummern bald einstellig wurden, knackte erst die bärenstarke Ukrainerin Anna Solovey, die als Fünftletzte gestartet war, die 21-Kilometer-Durchgangszeit der Bielefelderin. Spätestens jetzt war klar, dass es für die Fahrerin vom RV Teutoburg Brackwede sogar um eine Medaille ging. Doch am Ende erwies sich, dass sich andere Fahrerinnen – allen voran Mitfavoritin Lisa Brennauer – das Rennen doch besser eingeteilt hatten. Platz vier hinter der neuen Weltmeisterin Brennauer (Allgäu), Anna Solovey und Emily Stevens (USA) war jedoch aller Ehren wert. Über übertraf natürlich die kühnsten Erwartungen der jungen Bielefelderin.

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