Auf dem Sprung in die Bundesliga

HANDBALL-UMSCHAU Talent Nele Franz wird mit der Blomberger B-Jugend Deutscher Vizemeister

Nele Franz wurde mit der HSG Blomberg-Lippe deutsche Vizemeisterin in der weiblichen B-Jugend. Die Grundlage dafür wurde auch im eigenen Garten gelegt. - © Foto: Schütforth
Nele Franz wurde mit der HSG Blomberg-Lippe deutsche Vizemeisterin in der weiblichen B-Jugend. Die Grundlage dafür wurde auch im eigenen Garten gelegt. | © Foto: Schütforth

Bielefeld. An der Römerstraße im Bielefelder Ortsteil Altenhagen liegt versteckt zwischen vier Häusern ein kleiner, privater Handballplatz. Wenn die Anrainerfamilien Franz und Kipp alle handballspielenden Familienmitglieder zusammentrommeln, kann da schnell mal sieben gegen sieben gespielt werden. Beste Trainingsbedingungen also für Nele Franz: Die 14-jährige Bielefelderin wurde jüngst mit der HSG Blomberg-Lippe deutsche Vizemeisterin in der weiblichen B-Jugend.

Der Wunsch bestand schon lange, zur vergangenen Saison wurde er endlich Realität: Nele Franz wechselte von ihrem Heimatverein TSG Altenhagen-Heepen in die B-Jugend der HSG Blomberg-Lippe, obwohl sie auch noch ein Jahr für die C-Jugend spielberechtigt gewesen wäre. Der Abschied aus Heepen sei ihr damals überhaupt nicht schwer gefallen. "In Blomberg passt einfach alles", freut sich Nele Franz, die sich in ihrer ersten Saison für die Lipper direkt einen lange gehegte Traum erfüllen konnte: Nach der Oberliga-Meisterschaft erreichte sie mit ihrer Mannschaft das Final Four um die deutsche Meisterschaft in Birkenau. Im Halbfinale gegen den SV 64 Zweibrücken, das die HSG Blomberg/Lippe deutlich mit 33:22 gewann, wurde die Mittelfrau mit acht erzielten Toren gar als beste Spielerin ausgezeichnet.

Die Karriere von Nele Franz (l.) begann 2005 beim Mini-Handball.
Die Karriere von Nele Franz (l.) begann 2005 beim Mini-Handball.

Dass es im Finale gegen den Favoriten Buxtehude – die HSG verlor mit 18:32 – nicht zum großen Wurf gereicht hat, wurmt Nele mittlerweile nicht mehr sonderlich: "Die Niederlage hat sich nicht so hoch angefühlt. Zur Halbzeit lagen wir auch nur mit vier Toren hinten. Buxtehude war schon klar besser", weiß die Schülerin. Fast hätte eine Verletzung am Sprunggelenk und Syndesmoseband, die sie sich am 1. April im Training zuzog, ihre Teilnahme verhindert, doch Franz biss ab dem Achtelfinale auf die Zähne. "Es hat sich ein bisschen Wasser gesammelt. Jetzt geht es schon wieder besser. Ohnehin hat mich die Verletzung kaum beeinflusst", berichtet sie.

Bei all dem sportlichen Engagement rund um den Handballsport bleibt ihr nur wenig Zeit für andere Dinge: "Freizeit brauche ich eigentlich nicht viel", berichtet Nele über sich. Freundschaften werden innerhalb der Mannschaft oder in Auswahlteams geschlossen. Sportlicher Neid ist unter den Mädels kein Thema: "Wir gönnen jeder Mitspielerin ihren Erfolg und ihre Spielanteile", berichtet sie. Gerne würde die Bielefelderin daher schon jetzt ihren kompletten Lebensmittelpunkt nach Blomberg verlegen. In den Ferien oder an Tagen in der Saisonvorbereitung, an denen zwei mal trainiert wird, schnupperte sie schon in den Alltag des dortigen Handballinternats hinein. Im Internat wohnen talentierte Spielerinnen aus der ganzen Bundesrepublik, die auf eine Bundesliga- oder Nationalmannschaftskarriere hoffen, in Wohngemeinschaften zusammen. Es besteht Anschluss an eine Realschule und ein Gymnasium, eine Sozialarbeiterin betreut die Mädchen auch außerhalb der Schule. Sonst müssen die Talente aber selbst für sich sorgen.

Vater Ingo und Mutter Daniela unterstützen Nele wo es geht, bei den Umzugsplänen ihrer Tochter spielen sie allerdings (noch) nicht mit, obwohl der Trainingsaufwand auch für sie nicht leicht zu organisieren ist. Da trifft es sich gut, dass ihr Trainer, der in Bielefeld noch bestens bekannte Björn Piontek (ehemals HT SF Senne), Nele bis zu vier mal die Woche nach der Arbeit mit nach Blomberg nehmen kann. Auch auf dem Rückweg fährt er sie ein gutes Stück. "Da müssen wir Nele nur vier mal die Woche abends aus Lemgo abholen. Ansonsten wäre es fahrtechnisch kaum möglich. Ein Weg nach Blomberg sind immerhin 45 Kilometer", berichtet Daniela Franz.

Sportlich hat ihre Tochter weiter große Ziele: "Nur vier Spielerinnen gehen in die A-Jugend, der ganz Rückraum bleibt zusammen. Dazu kommen vier, fünf neue Spielerinnen", erläutert sie die weiterhin guten Rahmenbedingungen. Fast schon selbstverständlich, dass auch in der kommenden Saison das Final Four um die deutsche Meisterschaft angepeilt werden soll. Irgendwann soll es dann auch die Frauen-Bundesliga sein. Ihr Talent scheint sich rumgesprochen zu haben. Jüngst erhielt sie einige Einladungen für DHB-Sichtungen, die sie aber auf Grund ihrer Verletzung absagen musste. "Vielleicht fragen sie ja noch mal, dann fahre ich bestimmt hin", sagt Nele.

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