Aytürk Gecim spielte eine überragende Saison für die Bundesliga-A-Jugend des VfL Theesen. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Aytürk Gecim spielte eine überragende Saison für die Bundesliga-A-Jugend des VfL Theesen. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Das Abitur geht vor

FUSSBALL: Theesener Aytürk Gecim strebt nach der Schule eine Profikarriere an

VON JOHNNY DÄHNE

Bielefeld. Hartmut Kania, Helmut Bußmeyer, Jan Fiete Buschmann – Werther ist hinlänglich bekannt für seine Handballer, die es bis in die Bundesliga oder sogar in die Nationalmannschaft schafften und auch in Bielefeld einen guten Namen haben. Mit Aytürk Gecim will jetzt ein junger Mann, der für den VfL Theesen spielt, aber ebenfalls aus der Nachbarstadt kommt, Ähnliches im Fußball erreichen.

„Das ist interessant, aber von diesen Namen habe ich bisher noch nicht gehört“, sagt Aytürk Gecim fast ein wenig entschuldigend, nachdem er sich zum Gespräch in einer Eisdiele einen Erdbeer-Becher bestellt hat. Leid tun muss ihm das nicht, denn erstens sind zwei der drei genannten Herren nicht mehr aktiv, zudem sorgten sie vor allem außerhalb von Werther für Furore.

Weit über die Stadtgrenzen ist mittlerweile auch der 18-jährige Stürmer des VfL Theesen bekannt. Gecim ist nach seinen Stationen BV Werther, TuS Langenheide, VfB Fichte, Theesen und VfL Osnabrück erneut beim Bielefelder Jugend-Ausbildungsklub gelandet, mit dem er in dieser Saison in der A-Junioren-Bundesliga gespielt hat. „Leider steigen wir wieder ab, doch wir haben gezeigt, dass wir in dieser Liga mithalten können“, sagt Gecim, der mit acht Toren in 25 Spielen der treffsicherste VfL-Akteur ist.

Seine dynamische, kaltschnäuzige Art Fußball zu spielen, blieb im Verein nicht unentdeckt, und so durfte er nach der Winterpause bei den Senioren mitmischen. Seine beeindruckende Bilanz beim derzeitigen Rangfünften der Westfalenliga: elf Spiele, acht Tore. Auch Landesligist Spvg. Steinhagen machte beim 0:7 im Kreispokalfinale gegen Theesen Bekanntschaft mit dem Sturmtank, der von der Spvg.-Abwehr nie in den Griff zu bekommen war und drei Tore erzielte.

„Aytürk ist ehrgeizig und ein akribischer Arbeiter. Mit seiner tollen Einstellung hat er sich gerade im vergangenen halben Jahr toll entwickelt. Er erkennt sehr gut die Schnittstellen einer Abwehr und stößt in diese sehr gut hinein. Zudem hat er einen starken rechten Fuß“, singt sein A-Junioren-Trainer Daniel Keller Lobeshymnen auf seine Nummer neun, die er in den vergangenen zwei Jahren der Zusammenarbeit in Theesen immer von Beginn an spielen ließ. Der so hoch Gelobte hört diese Sätze zwar gerne, doch sind sie eher Ansporn denn ein Grund zur Zufriedenheit. „Viele Freunde meiner Eltern sagen auch oft, dass ich richtig gut sei und stolz auf mich sein könne. Aber ich habe noch gar nichts erreicht“, sagt Aytürk Gecim, der im kommenden Jahr mit seinen Leistungskursen Deutsch und Philosophie sein Abitur an der Gesamtschule in Borgholzhausen bauen möchte.

Damit bei ihm kein Stillstand eintritt, hat er sich die ganz Großen der Branche zum Vorbild genommen: Zlatan Ibrahimovic und Robert Lewandowski. „Bei Ibrahimovic sprechen seine fantastischen Tore für sich. Die Zusammenschnitte bei YouTube sind der Wahnsinn. Bei Lewandowski gefällt mir, dass man ihm im Strafraum mit voller Wucht anschießen kann, er den Ball trotzdem perfekt verarbeitet.“

Im Fokus des Interesses steht Gecim mittlerweile bei vielen Vereinen. So ließ ihn der Hamburger SV mehrfach beobachten, zudem haben Vertreter von Dritt- und Regionalligisten seine Handynummer in ihrem Verzeichnis. Auch in der Türkei, dem Heimatland seiner Eltern, wird sein Name gehandelt. Sein Abschied vom VfL Theesen ist bereits beschlossen, wo er künftig spielt, ist aber noch offen. „Es muss alles zusammenpassen, wobei ich die Schule unbedingt mit dem Abitur abschließen möchte“, sagt Aytürk Gecim, der deshalb wohl zumindest für ein Jahr noch in der Nähe seines Heimatortes spielen wird.

Aktuell scheint Regionalliga-Aufsteiger SV Rödinghausen die besten Karten beim Pokern um das Nachwuchstalent zu haben – das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Klar ist hingegen eines: Sollte die Entwicklung des Stürmers so weitergehen wie bisher, wird er es schon bald mit dem Bekanntheitsgrad der Wertheraner Handballgrößen aufnehmen können. Mindestens.

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