Marco Mellmann hängt sich in die Ringe, während an der Stange der Handball-Torwart der TG Schildesche, Robin Stoltze, eine anstrengende Halteübung zeigt. - © FOTO: NW
Marco Mellmann hängt sich in die Ringe, während an der Stange der Handball-Torwart der TG Schildesche, Robin Stoltze, eine anstrengende Halteübung zeigt. | © FOTO: NW

Krafttraining mal ganz anders

Apesthenics, ein neuer Verein in Bielefeld, lässt sich von Akrobaten inspirieren

VON IVO KRAFT

Bielefeld. Wer in den vergangenen Monaten mittwochs die Sporthalle Gadderbaum betrat, mag sich gewundert haben. Dass Handballer auf Stabilisationsübungen und Krafttraining bauen, ist mittlerweile bekannt. Doch die Gruppe, die vor der ersten Mannschaft von EGB trainierte, stählte überraschend intensiv die Muskeln, ließ dafür den Ball aber völlig außen vor.

Bei den mitunter über 40 Trainierenden handelte es sich um Mitglieder des ersten Calisthenics Vereins in Nordrhein-Westfalen. "Eigentlich widerspricht es unserem gesamten Sportgedanken, in einer Halle Sport zu machen", erklärt Marco Mellmann. Weil er aber nicht nur Vorsitzender der – Achtung Zungenbrecher – Apesthenics Bielefeld, dem ersten Calisthenics-Verein in NRW ist, sondern auch Handballer, konnte er sich vorübergehend mit Training unter einem Dach anfreunden. Schließlich hatten die Vereinsgründer Mellmann und Robin Stoltze (Torwart bei TG Schildesche und gemeinsam mit Mellmann Trainer des B-Jugend-Landesligisten Bielefeld-Süd) auch mal in einem normalen Fitnessstudio zu trainieren begonnen.

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Interessierte können sich über den neuen Bielefelder Verein im Internet unter www.apesthenics.de informieren.

Inspiriert von amerikanischen Körperakrobaten, die nur mit dem eigenen Gewicht und nur draußen trainierten, verließen die beiden Pioniere ihre "Muckibude" und landeten auf einem Spielplatz in Vilsendorf. Klimmzüge an Turnstangen, Handstand im Sand. "Unsere ersten Übungen waren eher ulkig als zielführend", berichtet Mellmann.

Die beiden wurden angesprochen. "Nicht nur von Leuten in unserem Alter, sondern auch von Eltern, die mit ihren Kindern auf den Spielplatz gingen. Manche machten sogar mit", so Mellmann. Die Schar der Spielplatz-Sportler wuchs und nach einer Anfrage beim Sportamt schaute sich die Stadt die neue Sportart vor Ort an. Mellmann: "Wir mussten uns überlegen, wie wir weitermachen wollen. Wir hatten zu wenig Platz und wussten nicht, ob und wer uns fördern könnte." Also gründeten er und Stoltze einen gemeinnützigen Verein – mit allen Rechten und Pflichten und inzwischen 48 Mitgliedern.

"Wir haben bis zu 60 Leute bei den Trainingseinheiten", so Mellmann, der deshalb erst einmal froh war, dass er über die JSG Bielefeld-Süd eine Trainingszeit organisieren konnte.

Die braucht jetzt aber die JSG wieder. Ab Ostern stehen die Apesthenics vor der Tür – was ja ohnehin der Vereinsideologie entspricht. "Uns stehen jetzt Hallenzeiten zu. Aber die wollen wir ja gar nicht. Wir wollen raus", formuliert Mellmann, was im Sommer zu Problemen führen kann. Man stelle sich das Gesicht von Dreijährigen im Sandkasten vor, wenn 50 Kraftsportler ihnen zwar nicht das Schäufelchen, aber immerhin die Reckstange klauen.

Im Moment trainieren die "Apesthenics" montags ab 20.30 Uhr und freitags ab 19.30 Uhr in der Turnhalle der Hans-Christian-Andersen-Schule in Sennestadt.

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