Wasserratten gesucht

Das Projekt "Bielefeld lernt Schwimmen" hat in zehn Jahren 5.000 Kinder ausgebildet

Petra Brinkmann, Volker Lohmeyer (SV Brackwede), Nadine Stoltz (1. BSV), Meinhard Schinner (TSVE und Heepen), Karin Bültermann (Wasserfreunde) und Axel Fischer (BTG).
Petra Brinkmann, Volker Lohmeyer (SV Brackwede), Nadine Stoltz (1. BSV), Meinhard Schinner (TSVE und Heepen), Karin Bültermann (Wasserfreunde) und Axel Fischer (BTG).

Bielefeld. Der erste Schritt ist immer der schwerste. Steigen Kinder, die noch nicht schwimmen können, ins Wasser, spielen oft Angst, Unsicherheit und die Überwindung des inneren Schweinehunds eine große Rolle. "Ich hatte letztens einen Jungen, der hat nur seinen großen Zeh ins Wasser gehalten und gesagt: ,Mama, da gehe ich definitiv nicht rein’", erzählt Karin Bültermann von den Wasserfreunden Bielefeld.

Solche Hürden müssen Bültermann sowie viele andere ehrenamtliche Helfer aus sechs Bielefelder Vereinen regelmäßig abbauen. Die Übungsleiter der Wasserfreunde, des 1. BSV, des TSVE, der SV Brackwede, der SpVg. Heepen sowie der Bielefelder TG kümmern sich in den Ferien intensiv darum, Kindern ab fünf Jahren das Schwimmen beizubringen. In diesem Jahr feiern die Vereine gemeinsam mit Petra Brinkmann, Vorsitzende der Waspo, der Wassersport treibenden Klubs, ein kleines Jubiläum.

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Seit zehn Jahren haben Petra Brinkmann und ihr Team das Projekt "Bielefeld lernt Schwimmen" aus der Taufe gehoben. Seit zehn Jahren haben sie ihr Konzept systematisch weiter entwickelt, starke Partner wie die Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH (BBF) oder den Stadtsportbund (SSB) gefunden, engagierte Schwimmabteilungen eingebunden sowie Kontrakte mit mit Schulen geschlossen. "Wir haben eine wunderbare Grundlage geschaffen. Unsere Zusammenarbeit ist kooperativ, vereinsübergreifend und einvernehmlich. Es herrscht eine super Atmosphäre. Wenn Kritik aufkommt, wird sie konstruktiv genutzt", bilanziert Petra Brinkmann und ist zurecht stolz auf das Erreichte. Die Statistik untermauert dies. Rund 5.000 Kinder haben seit 2001 die Kurse in den Oster-, Sommer- und Herbstferien absolviert. Rund 5.000 Kids bewegen sich seitdem sicherer im kühlen Nass. Es hätten sogar noch viel mehr sein können, wenn der generelle Mangel an Wasserzeiten und Übungsleitern die bestehenden Möglichkeiten nicht begrenzen würde.

Die Nachfrage ist riesengroß. Jeder Verein führt Wartelisten. Jeder Verein bietet aber auch eine umfassende Beratung zu den Angeboten. "Wir stecken die Kinder nicht willkürlich in die Kurse, es muss schon passen", sagt Brinkmann. Alter, Vorkenntnisse und die verfügbare Zeit der Kids sind wesentliche Auswahlkriterien. Im Becken kümmert sich dann ein Übungsleiter um vier bis sechs Schwimmanfänger. "Das ist ein Top-Verhältnis - so etwas gibt es in kaum einer anderen Sportart", betont Meinhard Schinner vom TSVE.

So ganz nebenbei leisten die Schwimmlernkurse einen erklecklichen Beitrag zur Integration, denn bei Kindern mit Migrationshintergrund sind die Defizite besonders groß. Schwimmen gehört dort oft nicht zu den Grundfertigkeiten. "Das ist unser Tagesgeschäft", bestätigt Volker Lohmeyer von der SV Brackwede. Er beziffert den Ausländeranteil auf 50 bis 60 Prozent. Aus diesem Grund bieten die Bielefelder Vereine mittlerweile Übungsleiter mit Migrationshintergrund und ausreichend Sprachkenntnissen auf.

Die Erfolge sind augenscheinlich. Ein hoher Prozentsatz schließt die Kurse mit der Plakette Wasserfloh (Nachweis der Wassergewöhnung) oder Wasserratte (Wasserbewältigung) ab. Einige schaffen nach den zehn Terminen in zwei Wochen sogar das Seepferdchen. Auch der Junge, der definitv nicht ins Wasser wollte, ging mit einem Abzeichen nach Hause - und leuchtenden Augen.

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