Paderborn Paderborns Basketballer verpassen die Überraschung

Grim wird zum tragischen Helden

Frank Beineke

Paderborn. Von den 1.210 Zuschauern im Sportzentrum Maspernplatz hielt es niemanden auf den Sitzen. 20 Sekunden vor Schluss hatten die Uni Baskets Paderborn im Heimspiel gegen die Crailsheim Merlins beim Stand von 81:83 die Chance auf den Sieg. Doch dann geriet ausgerechnet der bis dato bärenstarke Baskets-Kapitän Morgan Grim ins Straucheln. Merlins-Flügelspieler Kevin Tiggs schnappte sich den Ball und machte mit dem 85:81 den Deckel drauf. Am Ende unterlagen die Baskets mit 83:89. Doch sie hatten einmal mehr die Herzen der Fans gewonnen. "Ich muss der Mannschaft ein riesiges Kompliment machen, wie sie sich immer wieder herangekämpft hat", sagte Paderborns Coach Uli Naechster nach einer begeisternden Zweitliga-Partie, in der die Hausherren eine tolle Moral gezeigt hatten. Denn gegen stark aufspielende Gäste, die nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge sichtlich um Wiedergutmachung bemüht waren, holten die Uni Baskets so manchen Rückstand auf. So warteten die Merlins gleich drei Mal mit einem 10:0-Lauf auf. Nach 16 Minuten hatte sich der Erstliga-Absteiger aus dem Landkreis Schwäbisch Hall eine 46:31-Führung erspielt. Dies lag vor allem an einer herausragenden Dreierquote. Chase Griffin, Konrad Wysocki, Christopher Dunn und Craig Bradshaw netzten einen Distanzwurf nach dem anderen ein. Am Ende hatte Crailsheim 14 von 25 Dreierversuchen (56 Prozent) verwandelt. "Das war der Schlüssel zum Sieg", urteilte Merlins-Coach Tuomas Iisalo und erinnerte an die jüngsten beiden Pleiten gegen Hanau und den Mitteldeutschen BC. Da nämlich hatte sein Team nur 13 von 59 Distanzwürfen versenkt (22 Prozent). Doch die Uni Baskets steckten die zahlreichen Nackenschläge prima weg und nutzten vor allem ihre Vorteile unterm Brett. Insbesondere Morgan Grim lief zwischenzeitlich richtig heiß. So brachte der Kapitän seine Mannschaft nach dem besagten 31:46-Rückstand (16.) im Alleingang zurück ins Spiel. Grim vernatzte den deutschen Ex-Nationalspieler Konrad Wysocki ein ums andere Mal und erzielte in drei Minuten elf Punkte in Folge, so dass die Baskets bei einem 44:48-Pausenstand wieder in Schlagdistanz lagen. "Morgan ist ein Wettkampftyp und fühlte sich heute besonders herausgefordert", sagte Uli Naechster über seinen Center, der nach der Pause gar einen Dreier aus acht Metern zum 55:54 versenkte. Es folgte der dritte 10:0-Lauf der Gäste. Doch Morgan Grim, Chase Adams und Matt Vest sorgten dafür, dass auch die Paderborner Offensive weiter auf Hochtouren lief. So erzielte dieses US-Trio im dritten Viertel 21 der 22 Baskets-Punkte. Der Kampfgeist der Hausherren blieb auch im Schlussabschnitt ungebrochen. Selbst nach einem Dreier von Topscorer Chase Griffin (22 Punkte) zum 78:83 (38.) schafften die Uni Baskets noch einmal ein Comeback. Doch das Happy End blieb aus. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir so weiter machen, dann werden wir auch mal ein Spiel gegen einen Großen der Liga gewinnen", tröstete Uli Naechster seine tragischen Helden. Auch Baskets-Flügelspieler Matt Vest schöpfte aus der Glanzleistung gegen die Merlins Mut. "Ich habe keinen Zweifel, dass wir in dieser Saison in die Play-Offs kommen können", betonte der US-Amerikaner. Die 1.210 Zuschauer, die am Samstagabend ein denkwürdiges Basketball-Spiel gesehen hatte, dürften ihm zustimmen.

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