ARCHIV - Der Zeltplatz des Familienparkes in Großkoschen am Ufer des Senftenberger Sees, aufgenommen am 18.08.2009. - © dpa
ARCHIV - Der Zeltplatz des Familienparkes in Großkoschen am Ufer des Senftenberger Sees, aufgenommen am 18.08.2009. | © dpa

OWL Wiederentdeckt: Zelten für echte Zupacker

Hotel war gestern, Camping ist Trend. Doch egal ob Vorzelt oder Solozelt, schon der Aufbau kann zur Geduldsprobe werden. Und das ist gut so. Improvisieren Sie mal wieder!

Christine Panhorst
Tina Gallach

Was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Eine gähnend leere, langweilige Wüste der Bequemlichkeit. Auch wenn Baumarkt-Werbeslogans es einen anders glauben machen wollen, die Wahrheit ist: Es gibt nie mehr was zu tun! Richtiges Anpacken, das ist im Alltag nicht mehr gefragt. Höchstens, wenn mal ein Umzug ansteht. Ansonsten ersetzt der Knopfdruck inzwischen den Handgriff.

Der Thermomix kocht unser Mittagessen, der Roboter saugt und mäht den Rasen und im Job hocken wir geduckt mit klappernden Bandscheiben vorm Schreibtisch und tippen. Herausforderungen, die gibt es nur noch im Kopf oder bei Extremsportarten – oder eben beim Camping. Das Campen erlebt derzeit einen Boom. Grund genug, dem Phänomen des neuen alten Draußenurlaubs eine Sonderausgabe zu widmen. Und sich zu fragen: woher kommt die neue Lust am Camping?

Selber machen

Dinge wieder selbst zu tun, ist in. Do-it-your-self-Bücher und Videoanleitungen zum Selbst-Möbel-Bauen und Selbst-Norweger-Pulli-Stricken belegen das ebenso, wie Freunde, die einem stolz selbstgekochte Chutneys überreichen oder ihre selbst-zusammengeschraubten Fahrräder präsentieren. Der Campingurlaub passt da perfekt ins Bild. Weil er uns fordert. Das geht los – und endet für manche dort gefrustet vielleicht auch schon – beim Zeltaufbau.

Hoch die Stangen

Jeder erinnert sich an sein erstes Mal. An Stangensalat, fehlende Heringe, verhedderte Schnüre und Planen, die sich widerspenstig im Wind bauschen. Zum Beispiel damals beim kostensparenden Campingurlaub mit den Eltern oder auf Klassenfahrt mit Viererzelten und Stockbrot überm Lagerfeuer. Vorher musste Holz gesammelt werden, das Feuer in Gang gebracht werden. Campinggeschirr wurde über den Platz geschleppt. Selbst jeder Gang zu den Waschräumen und auch das Kochen, das gehört beim Camping dazu, ist mit einem gewissen Planungsaufwand verbunden.

Diese Form des Urlaubs ist unbequem. Und das sollte sie – Wurfzelten und dem Luxustrend Glamping (Glamour plus Camping) zum Trotz – auch möglichst lange bleiben. Die Herausforderung ein überdimensioniertes Wohnmobil zu rangieren, kann man sich getrost für unbeweglichere Zeiten aufheben, in denen die Bandscheiben nicht mehr nur leise klappern, sondern längst permanent dicht gemacht haben. Auch Wurfzelte sind für Campingausflüge im Rentenalter ideale Begleiter und eine tolle Erfindung. Aber sie sollten nicht vorzeitig zur Gewohnheit werden.

Improvisation mit Hering

Wer körperlich fit ist, sollte sich nicht um die Lust und ja auch den Frust des Selbermachens bringen. Den Charme des Campings macht schließlich auch aus, dass das eigene Improvisationstalent mal wieder gefragt ist. Gerade, aber nicht nur beim Zeltaufbau. Eine Stange ist gebrochen, macht nichts, wo ist das Klebeband? Zur Not muss ein Ast zur Verstärkung herhalten. Ein Hering fehlt? Ein Messer oder ein in den Boden gerammter Stiletto-Schuh tut’s auch. Nichts trainiert dabei so unnachgiebig die eigene Beweglichkeit wie ein Campingurlaub: im Kopf, aber auch körperlich.

Weil schon das Aufstehen nicht als solches bezeichnet werden kann. Viel mehr krabbelt, robbt, kniebeugt man sich vom Erdboden in die stehende Position. Zumindest vorübergehend. Dazu braucht fast jeder Vorgang einen Extraportion Kraft oder Nachdenken, zum Beispiel weil der Dosenöffner vergessen wurde. Im Campingurlaub ist alles eben ein bisschen anders, ein bisschen unbequemer, eine Herausforderung. Und das fühlt sich anstelle eines Lebens auf Knopfdruck einfach mal richtig gut an.

Camping auf Ostwestfälisch

Um den ersten Anstoß zu geben, haben wir sechs der schönsten Campingmöglichkeiten in der Region herausgesucht und stellen sie in dieser Karte kurz vor:

Information

Improvisation: Drei Tricks

  • Aus einer Stirnlampe und einem leeren, durchsichtigen Wasserkanister aus Hartplastik lässt sich eine größere Zeltbeleuchtung improvisieren: Einfach die Stirnlampe um den Kanister schnallen, so dass die Lampe nach innen zeigt und ihn zum Leuchten bringt.
  • Leere Tic-Tac-Schachteln eigenen sich super, um Gewürze platzsparend zu transportieren.
  • Tacochips können zur Not als Grillanzünder herhalten. (wr)

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