Azubi Timo Rademacher und Tierpflegerin Andrea Günnemann bei Luchsin Lea im Gehege. Die lässt sich ihr Essen in aller Ruhe schmecken. - © Anne Wunsch
Azubi Timo Rademacher und Tierpflegerin Andrea Günnemann bei Luchsin Lea im Gehege. Die lässt sich ihr Essen in aller Ruhe schmecken. | © Anne Wunsch

NW Startklar Viel mehr als kuscheln: Eine Tierpflegerin berichtet von ihrer Ausbildung

Trotz der körperlichen Anstrengung ist es für viele ein Traumberuf / Ausbildungsplätze sind oft rar

Anne Wunsch
Startklar-Bielefeld-Gütersloh-Nord-April 2016

Morgens geht es für Andrea Günnemann erst einmal in die Küche. Obst und Gemüse stehen auf dem Speiseplan, genauso wie Fleisch und Fisch. Zimperlich darf man hier in der Futterküche im Tierpark Olderdissen nicht sein. Das Futter für die Luchse Lea und Hannes heute: tote Küken. Das gehört zum Alltag eines Tierpflegers.

Andrea Günnemann hätte das niemals von ihrem Traumberuf abhalten können. „Ich bin schon als Kind durch jede Kuhweise gestapft und wollte nie etwas anderes", sagt die Tierpflegerin, die seit rund sieben Jahren im Tierpark Olderdissen arbeitet. Für sie der ganz große Pluspunkt: die Abwechslung. „Ich bin gerne draußen und kein Tag ist wie der andere, denn die Tiere sind immer anders." Doch Illusionen macht die 36-Jährige keinem. Ihr Traumberuf bedeutet auch: harte körperliche Arbeit. Ställe misten, Gehege putzen, Strohballen schleppen, den gesamten Tierpark zu jeder Jahreszeit in Schuss halten. Es ist wohl das, was man als Knochenjob bezeichnen würde. Andrea Günnemann sieht es positiv: „Sport brauche ich privat nicht zu machen."

Jedes Tier hat unterschiedliche Bedürfnisse

Information

Ausbildungsinfos

  • Bei der Ausbildung zum Tierpfleger gibt es drei Fachrichtungen: Forschung und Klinik, Tierheim und Tierpension sowie Zoo.

  • Die duale Ausbildung dauert in der Regel 3 Jahre.

  • Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

  • Auszubildende in Bielefeld besuchen die Berufsschule in Münster.

  • Das Ausbildungsgehalt liegt im ersten Jahr bei 853,26 Euro, im dritten Lehrjahr bei 949,02 Euro.

Zusammen mit neun anderen Tierpflegern und zwei Auszubildenden kümmert sich Andrea Günnemann um fünf Reviere mit mehr als 550 Tieren. Und die Tiere haben immer Hunger, auch am Wochenende. Wochenenddienste gehören also dazu. „Das Schönste ist das Vertrauen der Tiere, dafür mistet man gerne Ställe aus", sagt die Mutter von zwei Kindern. Da stimmt ihr Timo Rademacher voll und ganz zu. Der 19-Jährige ist gerade in seinem zweiten Lehrjahr im Tierpark Olderdissen. Sein Ausbildungsplatz war heiß begehrt, wie in fast allen Zoos und Tierparks in Deutschland. In seiner Ausbildung wird Timo Rademacher darauf vorbereitet, viel Verantwortung zu übernehmen – für Tier und Mensch. Eine Kuschelkurs ist das natürlich nicht. Im Tierpark Olderdissen lernt er die verschiedenen Reviere nach und nach kennen: „Das Wichtige ist das gute Verhältnis zu den Tieren, dann macht eigentlich jede Arbeit Spaß.". Ein Mal in der Woche und dazu noch an Blockterminen geht es in die Berufsschule nach Münster. Fächer wie „Halten, Pflegen,Versorgen", „Zucht und Erziehung" sowie „Deutsch" und „Politik" stehen auf dem Lehrplan.

Tierpfleger müssen wissen, wie die verschiedenen Tierarten gehalten werden, ihre Bedürfnisse kennen und Krankheiten erkennen. Genauso gehört Pflanzenkunde dazu und, und, und. Für die Azubis in Olderdissen geht es auch noch für ein paar Wochen in einen Zoo – um die Pflege von Tieren wie zum Beispiel Elefanten kennen zu lernen. Trotz der vielen Arbeit gibt es immer wieder besondere Momente im Tierpark. „Wenn man jetzt im Frühjahr zum Beispiel eine Geburt mitbekommt", sagt Timo Rademacher. Besonders fasziniert ist er von den Greifvögeln, mit denen würde er später gerne mehr arbeiten. Ansonsten sei es schwer, so ein richtiges Lieblingstier zu benennen. „Man guckt nach allen Tieren und alle brauchen Zuwendung", erklärt auch Andrea Günnemann. Und ganz leise fügt sie hinzu: „Aber auf Luchsin Lea lasse ich nichts kommen, sie ist lieb, ruhig und trottet hinter mir her. Das macht Spaß." Auch Menschen gehören zum Beruf: „Der Kontakt zu den Besuchern ist wichtig", sagt die Tierpflegerin. Und er werde immer mehr: „Der Stellenwert von Tieren ist größer geworden. Wenn ich mit Meerschweinchen und Küken zur Fütterung komme, sprechen Besucher mich oft an." Dann ist Aufklärung angesagt. Denn es gibt nun mal nicht nur Tiere, die Gemüse fressen. Wie Luchsin Lea.

Die kommt sofort zum Zaun gelaufen, als ihre Pflegerin auf das Gehege zuläuft. Ruhig spricht Andrea Günnemann mit dem Tier und beobachtet es beim Fressen genau. Gegenseitiges Vertrauen ist das A und O – und trotzdem haben alle Tiere ihren eigenen Charakter: „Das mache ich mir jeden Tag aufs Neue bewusst."

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