HERFORD Staatsanwaltschaft ermittelt im Verband der Pferdezüchter

Herforder Präsident Meyer zu Hartum (70) in der Kritik

Staatsanwalt ermittelt im Verband der Pferdezüchter - © HERFORD
Staatsanwalt ermittelt im Verband der Pferdezüchter | © HERFORD

Herford. Beim Westfälischen Pferdestammbuch, dem Verband der Pferdezüchter, ist Feuer unterm Dach. Im Mittelpunkt der Kritik steht Gustav Meyer zu Hartum (70). Dem Herforder Landwirt wird vor allem von seinem ehemaligen 2. Vorsitzenden Volker Kückelhaus vorgeworfen, das Rechnungswesen nicht ausreichend überwacht zu haben.

Meyer zu Hartum und sein Präsidium trotzen den Rücktrittsforderungen ihrer Widersacher und wollen mindestens bis zur Jahresversammlung am 23. April im Amt bleiben. "Bis zu unserer Versammlung werden wir an einem geordneten personellen Neuanfang arbeiten, um dann zu einer Neu- oder Wiederwahl zu kommen", kündigte Meyer zu Hartum jetzt auf einer Versammlung der Kreisvertreter in Münster an.

Meyer zu Hartum, der den Verband Westfälischer Pferdezüchter seit 1997 als Präsident führt, wirft seinem ehemaligen Vize Kückelhaus seinerseits "Unfähigkeit" vor. "Da will sich einer auf Kosten anderer profilieren", sagte Meyer zu Hartum, der viele Jahre lang in Herford auch stellvertretender CDU-Bürgermeister war. Meyer zu Hartum kreidet Kückelhaus zudem an, die weit gediehene Fusion mit dem Rheinischen Pferdestammbuch durch seine Alleingänge ins Wanken gebracht zu haben. Kückelhaus wurde schon von den Delegierten abgestraft. Auf einer außerordentlichen Versammlung Ende Dezember wählten die Anwesenden den 2. Vorsitzenden ab. Danach eskalierte der Streit.

Geschäftsführer und Zuchtleiter im Visier

Nach einer anonymen Anzeige ermittelt inzwischen sogar die Münsteraner Staatsanwaltschaft. Das Verfahren richte sich gegen "mehrere Beschuldigte" des Pferdezüchterverbandes, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck der Neuen Westfälischen. Namen wollte er nicht nennen. Allerdings ist bereits durchgesickert, dass unter anderen der Geschäftsführer und Zuchtleiter Friedrich Marahrens konkret im Visier der Strafverfolger ist. Marahrens weist alle Vorwürfe zurück: "Ich kann dazu sagen, dass ich keine Steuern hinterzogen habe, noch dass ich untreu war."

Gustav Meyer zu Hartum (70) aus Herford ist der westfälischen Pferdezucht sehr verbunden. In seiner Rolle als Präsident des Westfälischen Pferdestammbuches wird der Senior nun aber mit sehr viel Ärger und sogar Rücktrittsforderungen konfrontiert. - © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Gustav Meyer zu Hartum (70) aus Herford ist der westfälischen Pferdezucht sehr verbunden. In seiner Rolle als Präsident des Westfälischen Pferdestammbuches wird der Senior nun aber mit sehr viel Ärger und sogar Rücktrittsforderungen konfrontiert. | © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Bei den Ermittlungen geht es m Wesentlichen darum, dass der Verband an den Verkaufsleiter und Auktionator Bernd Richter 2005 einen Vorschuss von 40.000 Euro ausgezahlt und 2008 ein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro gewährt hatte. Laut Gutachten der Münsteraner Wirtschaftsprüfungskanzlei Heinrichs & Rose wurden diese Zahlungen vom ehemaligen Verwaltungschef Ulrich Höppener ohne Wissen des Geschäftsführers und des Vorstands genehmigt. Höppener war dazu nicht befugt.

Dubios ist vor allem das Überlassen eines Mercedes-Pkw an den Verkaufsleiter. Der Wagen wurde im Dezember 2001 für 26.766 Euro angeschafft und im April 2002 dem Auktionator Richter zur Verfügung gestellt. Die ehemalige Verwaltungschefin Anja Strunz-Happe – sie verließ den Verband im Januar dieses Jahres – ordnete das gegenüber den Wirtschaftsprüfern als "Eigentumsübertragung ohne unmittelbare Gegenleistung" ein.

Auto als Pferd Dagobert

Buchhalterisch wurde das Fahrzeug auch nicht auf Vereinsebene erfasst. "Nach uns vorliegenden Auskünften und Unterlagen wurde die Zahlung aus der Anschaffung des Pkw in der Finanzbuchhaltung als Erwerb des Pferdes Dagobert behandelt, das heißt, es wurde anscheinend fiktiv ein Pferd zum Wert des Pkw erworben", heißt es im Gutachten der Wirtschaftsprüfer.

Für Kückelhaus und seinen Anwalt Burkhardt Oexmann sind das allesamt Gründe, um Meyer zu Hartum zum Rücktritt zu bewegen. Letzterer habe die "notwendige Sorgfalt bei der Überprüfung der Geschäftsvorgänge und der Kontrolle der Mitarbeiter in historischem Ausmaß vernachlässigt", sagt Oexmann, selber Pferdezüchter und Mitglied beim Pferdestammbuch.

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group