SpaceX - © Foto: SpaceX/Press Association Images
Die von SpaceX zur Verfügung gestellte Computergrafik zeigt, wie man sich eine Landung auf dem Mars vorstellt. | © Foto: SpaceX/Press Association Images

«Big Fucking Rocket» Wie realistisch sind die Mars-Pläne von SpaceX?

Sydney/Moskau - Elon Musk, der Chef des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX, hat es mal wieder geschafft: Sein ambitioniertes Ziel, ab 2024 Menschen auf den Mars zu schießen, elektrisiert Laien und Experten. Was hat er genau vor - und ist das wirklich möglich? Die wichtigsten Antworten.

Wie sehen Musks Pläne genau aus?

SpaceX plane derzeit die Entwicklung einer Mega-Rakete namens «Big Fucking Rocket», sagte Musk am Freitag auf einem Astronauten-Kongress im australischen Adelaide. Die Rakete soll bestenfalls schon im Jahr 2024 ein bemanntes Raumschiff mit Platz für bis zu 120 Menschen auf den Roten Planeten bringen. Zuvor sollen zwei Raketen Ausrüstung zum Mars transportieren, um das Überleben von Menschen zu ermöglichen. Experten zufolge stehen Erde und Mars etwa alle zwei Jahre günstig für einen solchen Flug. Die Mars-Pläne von Musk sind nicht ganz neu. Bereits Ende September 2016 hatte er Details zu einer geplanten Besiedlung genannt.

Wie soll das Mars-Shuttle aussehen?

Das Raumschiff soll 48 Meter lang sein und 40 Kabinen umfassen, in denen je drei Menschen Platz finden. Die 100 Meter hohe Rakete solle wieder verwendet werden können, was die Kosten des Projekts reduziere. Das geplante Raumschiff könne künftig auch die Internationale Raumstation ISS und den Mond anfliegen, sagte Musk. Es solle auch Reisen zwischen verschiedenen Städten ermöglichen: Die längsten Strecken könnten dann in unter einer Stunde zurückgelegt werden.

Wie realistisch ist dieses Mars-Abenteuer?

Viele Experten halten eine bemannte Mission zum Mars in näherer Zeit durchaus für möglich. Am ambitionierten Zeitplan gibt es aber Zweifel. «Ich persönlich finde das Zeitfenster sehr gewagt», sagt Markus Czupalla, Professor für Raumfahrtsystemtechnik von der Fachhochschule Aachen. «Was bemannte Raumfahrt angeht, hat SpaceX bisher nur bei Seifenkistenrennen mitgemacht, und kündigt nun plötzlich an, in sieben Jahren bei der Formel-Eins dabei zu sein.» SpaceX habe keine Erfahrung bei der Durchführung bemannter Flüge, beim Bau von Mars-Unterkünften oder bei lebenserhaltenden Geräten. Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollte Musks Pläne gar nicht kommentieren.

Halten Raumfahrt-Experten Elon Musk jetzt für einen Aufschneider?

Das nicht unbedingt. Der Leiter des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Dresden, Martin Tajmar, ist von Musks Plänen hellauf begeistert: «Wenn nur die Hälfte von dem, was Musk erzählt, stimmt, ist das fantastisch.» SpaceX habe die Triebwerke und den Tank bereits fertig gebaut. «Sie haben mehrmals zeigen können, dass sie eine Rakete landen können und so wiederverwendbar machen.» Das mache eine Mission zum Mars finanzierbar. «Das kann keiner im Business außer SpaceX! Wenn einer es schafft, Menschen in den nächsten Jahren auf den Mars zu bringen, dann sie.» Charley Lineweaver von der Australian National University sagte: «Die Wissenschaft dahinter ist realistisch.»

Warum kommen die visionären Pläne von SpaceX und nicht von der Nasa?

Die nötige Technologie für bemannte Marsflüge gebe es schon seit Jahrzehnten, sagt Tajmar. Allerdings seien Agenturen wie die Nasa von staatlichen Geldern und politischen Entscheidungen abhängig. SpaceX als eigenständiges Unternehmen könne viel effizienter und flinker reagieren. Die Gelder müssen nicht vom Staat zugesprochen werden, sondern entstammen den eigenen Einnahmen.

Welche Mars-Projekte planen die großen Raumfahrtagenturen? 

Die Raumfahrtnationen sind sich weitgehend einig, dass der Mars das nächste große Ziel der Menschheit ist. Schon Ex-US-Präsident Barack Obama hatte für die Nasa die Losung ausgegeben, dass in den 2030er Jahren erstmals ein Mensch einen Fuß auf den Roten Planeten setzen soll. Doch viele Experten der etablierten Raumfahrtbehörden sind skeptisch, dass das so schnell gehen wird, wie Musk es sich vorstellt. Ob bei der Nasa oder den Partnern Roskosmos in Moskau und Esa in Paris - Einigkeit besteht auch weitgehend darin, dass vor einer menschlichen Erkundung des Mars zunächst ein alter Bekannter weiter erforscht werden sollte: der Mond.

Welche Mars-Missionen laufen bereits? 

Der Mars gehört längst zu den am besten erforschten Planeten unseres Sonnensystems. Vor allem die USA und Russland haben seit 1960 mehr als 40 Missionen zum Roten Planeten auf den Weg gebracht. Viele Sonden sind seitdem um den Mars gekreist. Die Nasa-Sonde «Pathfinder» setzte erstmals 1997 erfolgreich einen Rover («Sojourner») dort ab. Derzeit rollen die beiden Nasa-Rover «Opportunity» und «Curiosity» durch den roten Staub. Bald schon sollen sie Gesellschaft bekommen: Russlands Roskosmos und die Europäische Raumfahrtagentur Esa wollen 2020 einen eigenen Rover starten.

Warum beflügelt der Mars die Fantasie der Menschen so sehr? 

Schon in der Antike regte der Mars die Menschen zum Träumen an. Wegen seines rötlichen Schimmers und Helligkeitsunterschieden, die an flackerndes Feuer erinnern, benannten die Römer den Planeten nach ihrem Kriegsgott. Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli (1835-1910) entdeckte 1877 dunkle Linien auf dem Wüstenplaneten und bezeichnete sie als «canali» - die viele irrtümlich als von intelligenten Wesen gebaute Kanäle wähnten. Seitdem blühen Spekulationen etwa über Lebewesen dort. Die kleinen «grünen Männchen» sollen übrigens erstmals 1913 in einem Comic erwähnt worden sein. Warum die Marsianer ausgerechnet grün sein sollen, bleibt ein Rätsel.

Links zum Thema
Nasa zur Mars-Forschung
Esa zu ExoMars
Roskosmos zu ExoMars

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