Lufthansa-Streik - © Foto: Peter Kneffel
Ein Ende des Tarifstreits ist nicht in Sicht. | © Foto: Peter Kneffel

Interner Protest gegen Streik Verbessertes Angebot: Lufthansa will Lösung im Pilotenstreik

Frankfurt/Main - Nach einer sechstägigen Streikwelle will die Lufthansa die Piloten mit einem verbesserten Angebot zurück an den Verhandlungstisch holen. Die Airline bietet eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung an.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) betonte, es gebe noch offene Fragen. Aber man werde den Vorschlag des Unternehmens prüfen und sich am Donnerstag dazu äußern. Auch am Freitag werde nicht gestreikt, kündigte ein Sprecher zudem an.

Am Mittwoch strich Lufthansa wegen des Pilotenstreiks noch einmal 890 Flüge, davon waren rund 98 000 Passagiere betroffen. Die Flieger der Töchter Eurowings und Germanwings hoben wie geplant ab. Am Donnerstag will die Airline wieder nahezu nach Plan fliegen. Rund 40 Flüge würden noch ausfallen.

Lufthansa hofft, auf Basis des Angebotes gemeinsam mit der VC eine Schlichtung des Vergütungstarifvertrages vorzubereiten. «Wir wollen dringend weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden und unseren Passagieren endlich wieder den Service bieten, den sie von uns erwarten können», erklärte das Unternehmen. Das Angebot sei der Gewerkschaft bereits am Dienstagabend unterbreitet worden.

Information
Im aktuellen Tarifkonflikt bei der Lufthansa hat die Vereinigung Cockpit für die Piloten Gehaltsforderungen in fünf Stufen über jeweils ein Jahr erhoben.

Im einzelnen waren das von Mai 2012 bis einschließlich April 2017 5,2 Prozent, 4,6 Prozent, 2,7 Prozent, 3,1 Prozent und 2,7 Prozent, addiert 18,3 Prozent.

Die VC errechnet daraus eine durchschnittliche Forderung von 3,66 Prozent im Jahr. Dies berücksichtigt aber nicht, dass jede Tarifstufe im Zinseffekt bei allen folgenden Stufen zu zusätzlichen Erhöhungen führt. Daraus ergibt sich eine Gesamtforderung der VC über den Fünfjahreszeitraum von 22 Prozent. Im Schnitt sind das 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Lufthansa hat über die gesamte Spanne 2,5 Prozent angeboten, im Jahresschnitt also 0,5 Prozent.


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Lufthansa-Mitteilung

Im einzelnen bietet die Lufthansa für 2016 eine Vergütungserhöhung um 2,4 Prozent und für 2017 um weitere 2,0 Prozent. Dieses Angebot sei nicht an weitere Bedingungen geknüpft. Die Lufthansa gehe damit auf eine zentrale Forderung der Pilotengewerkschaft ein, hieß es. Die Gewerkschaft habe gegenüber Medien wiederholt erklärt, auf Basis eines solchen Angebotes zu einer Schlichtung bereit zu sein.

Zuletzt hatte die Fluggesellschaft bei der Lösung weiterer offener Tariffragen 4,4 Prozent in zwei Stufen bis Mitte 2018 plus eine Einmalzahlung geboten. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017. Der Vergütungstarifvertrag ist seit 2012 offen.

Die Ausstände der Piloten treffen den Flugbetrieb des Konzerns seit vergangener Woche immer wieder. Laut Lufthansa waren an den sechs Streiktagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen. Lediglich am Sonntag und Montag legten die Piloten eine Pause ein. Das Unternehmen geht von einem Schaden von 10 bis 15 Millionen Euro täglich aus.

Lufthansa und Cockpit streiten schon seit Jahren um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

In Teilen der Konzernbelegschaft formierte sich Widerstand gegen die Pilotenstreiks. Bis zu 400 Lufthansa-Beschäftigte demonstrierten am Mittwoch nach Polizeischätzungen vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen gegen den Kurs der Piloten. Der Lufthansa-Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatte ohne Rückendeckung der Gewerkschaften dazu aufgerufen. Zeitgleich fand eine Kundgebung von etwa 400 Piloten statt.

Der Betriebsrat Frankfurt Boden forderte ein schnelles Ende des «zerstörerischen Streits» und verlangte von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. «Was immer die Piloten herausholen, muss am Ende des Tages an anderen Stellen im Unternehmen gegenfinanziert werden», sagte Betriebsrats-Mitglied, Ruediger Fell, der Deutschen Presse-Agentur. Bei Lufthansa gebe es eine schweigende Mehrheit, die von den Streiks die Nase voll habe.

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