IT-Branche als Job-Lokomotive

IHK-Konjunkturumfrage: Händler und Dienstleister sehen Internet als Chance und Bedrohung

IT-Branche als Job-Lokomotive - © Wirtschaft
IT-Branche als Job-Lokomotive | © Wirtschaft

Bielefeld. Auf das nahende Weihnachtsgeschäft ist auch in diesem Jahr Verlass. Die Handels- und Dienstleistungsbranche erhofft sich hohe Umsätze. Die Folge: Die Firmen beteiligen sich nicht nur stärker an der IHK-Konjunkturumfrage als im Frühjahr, ihre Antworten sind auch zuversichtlicher als vor dem Sommerloch. 1.454 Unternehmen mit zusammen 64.462 Beschäftigten beteiligten sich an der aktuellen Befragung.

"Die Stimmung in der ostwestfälischen Wirtschaft hat sich im Vergleich zum Frühjahr leicht verbessert", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Das beweise unter anderem der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe und ihre Erwartungen abbildet. Er sei im Handel von 113 im Frühjahr auf aktuell 121 gestiegen. Bei den Dienstleistern sei der Index von 102 auf 112 Punkte gestiegen. "Die 100 markiert die Grenze zwischen einer überwiegend positiven oder negativen Stimmung", sagt Niehoff. "Bei den Dienstleistern sind die Einschätzungen der gegenwärtigen Geschäftslage schon seit zwei Jahren auf konstant positivem Niveau", betont Holger Piening, Vorsitzender des IHK-Dienstleistungsausschusses. Auch die Erwartungen seien von Optimismus geprägt: 32 Prozent rechnen mit einer besseren, 13 Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage.

Holger Piening (IHK-Dienstleisterausschuss), Thomas Niehoff (IHK-Hauptgeschäftsführer), Rainer Döring (IHK-Handelsausschuss) und IHK-Sprecher Jörg Deibert . - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Holger Piening (IHK-Dienstleisterausschuss), Thomas Niehoff (IHK-Hauptgeschäftsführer), Rainer Döring (IHK-Handelsausschuss) und IHK-Sprecher Jörg Deibert . | © FOTO: ANDREAS ZOBE

"Darüber hinaus geht der Personalaufbau in den meisten Branchen
bis auf das Verlagswesen und die Werbung weiter", sagt Piening. Besonders im IT-Bereich wolle fast jedes Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Personal einstellen. Als Risikofaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung gewinne der Fachkräftemangel - neben der Inlandsnachfrage und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen - an Bedeutung.

Rainer Döring, Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses, berichtet von einer "erfreulich guten Stimmung im Handel". Die aktuelle Situation erweise sich als stabil. "Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftslage überraschen positiv", sagt Döring. 26 Prozent der Händler rechneten mit einer besseren Geschäftslage (Frühjahr: 21 Prozent), 14 Prozent mit einer schlechteren (Frühjahr: 17 Prozent).
"Der Einzelhandel legt ordentlich zu und liegt vom Niveau aktuell sogar über dem Großhandel", erklärt Döring. Allerdings entwickelten sich die Erträge in beiden Bereichen weniger erfreulich. Darüber hinaus blieben die künftigen Energie- und Rohstoffpreise sowie die Inlandsnachfrage die größten Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung im Handel.

Aber auch das Internet macht vielen Händlern zunehmend Sorgen, weswegen einige versuchen, selbst online aktiv zu werden. "Im Handel spürt jedes zweite Unternehmen bereits heute sehr deutliche Auswirkungen durch das Internet, zukünftig erwarten dies sogar Zweidrittel", sagt Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Schon jetzt reagieren 55 Prozent der Händler mit einem Ausbau der Beratungs- und Serviceleistungen, 46 Prozent mit verstärkten Marketingaktivitäten und 28 Prozent haben einen eigenen Online-Shop. Bei den Dienstleistern nutzen 75 Prozent das Internet als Arbeitsmittel, 63 Prozent fürs Marketing und 54 Prozent als Vertriebsinstrument.

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