Clemens Tönnies sagt, die Tierschutzstandards in seinen russischen Betrieben seien auf deutschem Niveau. - © FOTO: DPA
Clemens Tönnies sagt, die Tierschutzstandards in seinen russischen Betrieben seien auf deutschem Niveau. | © FOTO: DPA

Tönnies züchtet in Russland

Rheda-Wiedenbrücker beteiligen zwei Partnerfirmen / Schlachthof-Bau rückt näher

VON MARTIN KRAUSE

Bielefeld. Ackerbau, Futtermittelproduktion, Schweinezucht, Mast und Schlachtung: Die TKS Union AG mit Sitz in Hamburg will auf dem russischen Markt die komplette Wertschöpfungskette aufbauen. Hinter TKS steht als Mehrheitsgesellschafter die Tönnies-Gruppe aus Rheda-Wiedenbrück. Die Ostwestfalen haben nun zwei Partner für ihr unternehmerisches Engagement in Russland gewonnen.

Dass Konzernchef Clemens Tönnies gute Beziehungen nach Russland pflegt, ist kein Geheimnis. Bekanntlich konnte er den russischen Energiekonzern Gazprom vor Jahren als Sponsor für den Fußball-Bundesligisten Schalke 04 gewinnen, und mit Präsident Wladimir Putin soll er jüngst gar über die segensreiche Verpflichtung des Starspielers Kevin Prince Boateng vom AC Mailand gefachsimpelt haben.

In Russland gilt Tönnies als größter Fleischimporteur, wird derzeit allerdings wie zahlreiche andere Unternehmen der Europäischen Union durch ein Importverbot behindert, das mit Verstößen gegen Qualitätsbestimmungen begründet wird. Doch schon vor rund vier Jahren hat Tönnies mit dem Aufbau eigener Kapazitäten in dem Zukunftsmarkt begonnen. "Ich glaube, es macht Sinn, die Veredlung vor Ort zu entwickeln", mit diesen zurückhaltenden Worten zitierte die Frankfurter Allgemeine jetzt Clemens Tönnies.

Inzwischen seien rund 280 Millionen Euro investiert worden, bestätigte ein Tönnies-Sprecher. Dafür hätten die beiden Firmen Agro-Sojuz (tätig im Oblast Belgorod) und Mjaso-Sojuz (Oblast Woronesch) acht Schweinemastställe aufgebaut und die Bewirtschaftung von 45.000 Hektar Ackerland übernommen. Drei weitere Mastbetriebe seien im Bau, elf weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Der Sprecher bestätigte, dass mit Gesamtinvestitionen von 600 Millionen Euro gerechnet werde - darin enthalten seien etwa 200 Millionen Euro für den Aufbau eines eigenen Schlachthofes.

Die Anteile an Agro-Sojuz und Mjaso-Sojuz werden bei der TKS Union AG gebündelt, an der wiederum die Tönnies Russland Agrar GmbH 65 Prozent hält. Als Anteilseigner neu hinzugekommen sind die KTG Agrar AG (Hamburg) und die RKS Agrarbeteiligungs-GmbH (Buchloe im Allgäu), die sich mit jeweils 17,5 Prozent beteiligt haben. Möglich ist dies durch den Ausstieg des bisherigen russischen Partners Agroimport aus Moskau geworden. "KTG sorgt für das Futter, RKS sorgt für die Mast", erklärte der Tönnies-Sprecher gestern die Kompetenzverteilung in der Partnerschaft. Ziel der Rheda-Wiedenbrücker sei es, in zwei oder drei Jahren mit dem Bau des eigenen Schlachthofes in Russland zu beginnen. Bis dahin müssten die geforderten Futtermittel- und Schweinemastkapazitäten dort aufgebaut sein - dem Schlachthof sollen täglich 3.000 bis 3.500 Schweine geliefert werden.

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