Pleite: Auch Biogas Nord AG ist insolvent

Vorwürfe gegen Vorstandschef

VON STEFAN SCHELP

Bielefeld. Das war zu befürchten: Nach der Biogas Nord Anlagenbau GmbH hat auch die börsennotierte Muttergesellschaft, die Biogas Nord AG, Insolvenz angemeldet.

In einer sehr knappen Mitteilung schreibt der Vorstandsvorsitzende Aleksander Rechter, die "Schulden der Biogas Nord AG an die Biogas Nord Anlagenbau GmbH" seien so hoch gewesen, dass die AG außer Stande gewesen sei, diese auszugleichen. Da die AG nicht mehr als ein formaler Überbau ist, erhöht sich die Zahl der von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiter nur unwesentlich. Welche Auswirkungen die Pleite für die Aktionäre hat, ist nicht abzusehen.

Gerrit Holz, der die Biogas Nord im Jahr 2000 gegründet hat, erhebt deutliche Vorwürfe gegen seinen Nachfolger an der Unternehmensspitze. Vor einer Woche noch habe es die Chance gegeben, das Unternehmen durch den Einstieg eines Investors retten zu können. Rechter habe diese Chance jedoch ausgeschlagen, er habe wohl ohne Rücksicht auf die Belange der Firma "erhobenen Hauptes" untergehen wollen.

Nicht leichter wird dadurch die Aufgabe des Insolvenzverwalters Norbert Westhoff, der sich bereits um die insolvente Anlagenbau-Tochter kümmert und nun seinerseits nach einem Investor sucht. Noch habe das Unternehmen Arbeit für rund sechs Wochen, schätzt Holz, der seinen Anteil von zuletzt fünf Prozent seit Sommer noch einmal deutlich reduziert hat. "In der Auftragspipeline sind noch rund 50 Millionen Euro."

Für das Scheitern der Biogas Nord AG macht Holz seinen Nachfolger verantwortlich. Rechter hatte die Firma nach einem ersten finanziellen Engpass übernommen. "Er war branchenfremd", berichtet Holz. Er habe das deutsche Aktienrecht "mit Füßen getreten", die Gefahr einer Insolvenz vollkommen unterschätzt.

Das Wirken der ehemaligen Finanzvorstandsfrau, Asnat Drouanov, habe zudem Anfang Juli zu deren überstürzter Entlassung geführt. Seinerzeit hatte Rechter verkünden lassen, es seien "Sachverhalte aufgetaucht", die nun einer "gesonderten Prüfung unterzogen werden" müssten.

Rechter, in Polen geborener Israeli, der in Yale Psychologie und Jura studiert hat, war vor rund fünf Jahren ins Unternehmen eingestiegen. Zuvor habe er mit seinem Bruder das Bauunternehmen des Vaters übernommen, dann in einer Anwaltssozietät gearbeitet und schließlich mit Grundstücksgeschäften in Polen viel Geld verdient, berichtet Holz. Der Plan, das Geld mit Biogas Nord noch zu vermehren, scheint nun gescheitert.

Holz arbeitet seit seinem Ausstieg bei Biogas Nord als freier Ingenieur. "Mir tut es leid um Unternehmen und Mitarbeiter." Er hänge am Unternehmen. "Wenn es einen Investor gibt, bin ich dabei." Er wolle nicht wieder zurück ins operative Geschäft. Aber als Beirat oder Aufsichtsrat stehe er zur Verfügung. Denn die Technologie aus Bielefeld sei weiterhin ausgezeichnet. "Wenn ich eine Biogasanlage bauen wollte, dann würde ich sie in Bielefeld bestellen."

Rechter war für eine Stellungnahme bis zum Abend nicht zu erreichen.

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