Ikea wehrt sich gegen Porno-Katalog

Möbelunternehmen prüft rechtliche Schritte gegen Internet-Blog

Ikea wehrt sich 

gegen Porno-Katalog - © Wirtschaft
Ikea wehrt sich
gegen Porno-Katalog | © Wirtschaft

Bielefeld. Wenn der neue Ikea-Katalog in den Postkästen liegt, ist in vielen Familien neugieriges Blättern angesagt. Im Internet wird eine alternative Art des Ikea-Katalogs immer beliebter: Im sozialen Netzwerk Tumblr veröffentlicht ein unbekannter Blogger kurze Sequenzen aus Amateur-Porno-Filmen, in denen Ikea-Produkte als Requisiten verwendet werden.

Der Blogger layoutet die Ausschnitte so, dass am Produkt der Name und der Preis erscheint. Alles ähnelt täuschend echt den Produktfotos aus dem Katalog - vom familienorientierten Ikea-Marketing ist dieser Porno-Blog jedoch weit entfernt.

"Just another Ikea catalog" ("Nur ein anderer Ikea-Katalog") nennt sich der Blog, der das Möbelunternehmen mittlerweile richtig ärgert. Eine Sprecherin von Ikea Deutschland erklärt, dass die Marke und der Name Ikea nur von Ikea-Unternehmen im Rahmen eines Franchise-Vertrages für sich selbst und zur Vermarktung von Ikea-Produkten eingesetzt werden dürften. "Deshalb wird derzeit geprüft, ob die urheberrechtlich geschützten Markenbestandteile widerrechtlich eingesetzt wurden", sagt die Sprecherin. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, weshalb es derzeit auch noch keine rechtlichen Schritte gegen den Blog gebe.

Der Blogger layoutet die Ausschnitte so, dass am Produkt der Name und der Preis erscheint.
Der Blogger layoutet die Ausschnitte so, dass am Produkt der Name und der Preis erscheint.

Die Erfolgsaussichten des Unternehmens schätzt Kevin Kruse als hoch ein. Er ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, der auch das Markenrecht umfasst. "Die Marke als solche ist zunächst nur gegen eine rechtswidrige Verwendung im geschäftlichen Bereich geschützt", erklärt er. Stelle der Blogger nur eine Art Satire ins Netz, ohne damit kommerzielle Interessen zu verfolgen, werde das Markenrecht nicht weiterhelfen. "Trotzdem bestehen aus meiner Sicht recht gute Aussichten für Ikea, dies zu unterbinden", sagt er.
Nach deutschem Recht könne sich ein Unternehmen auf den Schutz seiner Geschäftsehre berufen. "Deshalb wird sich Ikea am ehesten gegen die Verwendung seiner Unternehmenskennzeichen und -marken und eventuell auch gegen die Darstellung als solche unter Berufung auf seine Persönlichkeitsrechte wenden können", erklärt der Fachanwalt.

Ikea ist in der Werbung als Unternehmen bekannt, das gerne über sich selbst lacht. Pünktlich zu Weihnachten fliegen Tannenbäume aus den Fenstern, und einer der aktuellen Spots zeigt humorig, wie junge Eltern ihr Familienleben mit Ikea organisieren können - vor allem, wenn sie mal allein sein wollen, um das Geschwisterchen zu zeugen. Von dort bis zur Darstellung von Pornographie ist es jedoch ein riesiger Schritt: "Als bekannt familienfreundliches Unternehmen, das für viele Scherze zu haben ist, hört der Spaß für uns bei der Verbindung von Ikea zu Hardcore-Pornographie auf", stellt die Ikea-Sprecherin klar.

Wie er auf seiner Info-Seite erklärt, kam der Blogger nur deshalb auf die Idee, weil Ikea im Jahr 2009 in Österreich den Katalog mit einer ähnlichen Aktion beworben hat. In einer Guerilla-Marketingkampagne wurden in 92 Kinovorstellungen während eines Films Produktnamen und Preise auf die Leinwand projiziert, sobald ein Ikea-Produkt zu sehen war.

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