Konkurrenzkampf um Altkleider

Was im Container landet, wird meist mit Profit verkauft - jetzt steigen in OWL auch Kommunen ein

Konkurrenzkampf um Altkleider - © Wirtschaft
Konkurrenzkampf um Altkleider | © Wirtschaft

Bielefeld. Gutes tun: Mit dieser vagen Vorstellung entsorgen viele ihre abgelegten Jacken, Hosen und Schuhe in Altkleidercontainern. Bei bedürftigen Menschen landen die wenigsten Spenden, fast alles wird verkauft. Ein mitunter undurchsichtiges Millionengeschäft, in dem jetzt auch in Ostwestfalen-Lippe erste Kommunen mitmischen. Soziale Organisationen fürchten um eine traditionelle Einnahmequelle.

Wenn schon Kleidung wegschmeißen, dann mit einem guten Gewissen: "Sankt-Martins-Mythos" heißt der Effekt in der Branche. Damit lässt sich gutes Geld verdienen. Textilsortierfirmen zahlen 300 bis 500 Euro pro Tonne Altkleider. Rund 750.000 Tonnen werden in Deutschland jedes Jahr abgegeben, was den Sammlern - vorsichtig geschätzt - 225 Millionen Euro einbringt.

Davon profitierten natürlich auch soziale Organisationen, die mit dem Verkauf der gesammelten Kleidermassen ihre Angebote finanzieren. Das Geld lockt aber auch immer kommerzielle Sammler. "Im Moment werden überall Container aufgestellt", sagt Uwe Scheele vom Bielefelder Umweltamt. "Die wachsen wie Pilze aus dem Boden." Darunter sei viel Wildwuchs, illegal aufgestellte Container, bei denen ein sozialer Zweck vorgetäuscht werde. Oder dubiose Sammler verteilen Wäschekörbe an Wohnstraßen.

Sammler registrieren sich

Seit Sommer 2012 sollen Kommunen dieses Treiben stärker kontrollieren. Sammler müssen sich nun registrieren. Im Kreis Lippe flog prompt jeder dritte kommerzielle Bewerber von der Liste, weil Auflagen nicht erfüllt wurden, sagt Kreissprecherin Anne Helpup. Teilweise hätten hinter den Anträgen nur Briefkastenfirmen gesteckt.

Eine Frau wirft Schuhe in einen Altkleider-Container. - © ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE
Eine Frau wirft Schuhe in einen Altkleider-Container. | © ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE

Das reformierte Kreislaufwirtschaftsgesetz gibt den Kommunen aber noch eine andere Kontrollmöglichkeit über den Altkleidermarkt: Sie können selbst in das Geschäft einsteigen - und die sammelnde Konkurrenz vor Ort reglementieren oder gar ausschließen. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung geißelte das schon als "Verstaatlichung des Gewerbes" und "faktisches Berufsverbot" in manchen Kommunen.

Auch in OWL gab es bereits Ärger: Die Stadt Verl (Kreis Gütersloh) präsentierte ein Unternehmen aus Marienfeld als Partner für regelmäßige Sammelaktionen. Zugleich verbot die Verwaltung wohltätigen Organisationen, ihre Container weiter auf öffentlichen Plätzen aufzustellen. Es folgte ein Aufschrei. "Ich frage mich, wie wir unsere Dienste anbieten sollen, wenn uns Einnahmequellen weggenommen werden", sagt der Kreisvorstand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Gütersloh, Günter Göpfert. Das DRK meldet bundesweit 15 Prozent weniger gesammelte Altkleider.

Hälfte der Kleider landet im Müll

Das Angebot sei groß genug für alle, sagt dagegen Dietmar Regener, stellvertretender Betriebsleiter beim Paderborner Abfall- und Stadtreinigungsbetrieb. "Etwa die Hälfte der Altkleider in Paderborn landet noch immer im Restmüll", sagt Regener. Darum erprobt die Stadtverwaltung jetzt ein eigenständiges kommunales Sammelsystem. 5.000 Einwohner im Stadtteil Elsen können bis Ende 2014 zu bestimmten Terminen Altkleider in der Papiertonne entsorgen.

Mit den Einnahmen will die Stadt Gebührenzahler entlasten. Auch im Kreis Höxter landen zuviele Altkleider in der schwarzen Tonne, sagt Kreissprecherin Silja Polzin. Laut einer Studie der Hochschule OWL machten Kleidung und Schuhe 2011 noch 8,5 Prozent des Restmülls aus. Jetzt wird zwei Mal jährlich kreisweit gesammelt - mit den Kolpingfamilien. Das Sammelgebiet hat man sich aufgeteilt.

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