Die Windpark-Genossen im Paderborner Land

Bürger als Kommanditisten und Genossenschaftler beteiligt

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Die Windpark-Genossen im Paderborner Land - © Wirtschaft
Die Windpark-Genossen im Paderborner Land | © Wirtschaft

Paderborn. Anwohner empfinden Windriesen hin und wieder als Belastung. Als Energieanlagen können sie nicht nur für einige Landwirte und Investoren Gewinne erwirtschaften, sondern auch für normale Bürger. Diese können sich bei sogenannten Bürgerwindparks im Paderborner Land sowohl als Kommanditisten als auch Genossenschaftsmitglieder beteiligen und profitieren.

Die Paderborner Hochfläche und das angrenzende Sintfeld sind vom Wind besonders begünstigt. Friedbert Agethen, bis Ende 2012 Vorsitzender des Landesverbandes Windenergie, hat in seinem Heimatdorf Bad Wünnenberg-Helmern schon in den 1990er Jahren rund 50 Grundeigentümer für ein lokales Windvorranggebiet unter einen Hut gebracht. Zusammen mit Johannes Lackmann, einige Jahre Vorsitzender des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, und weiteren Mitstreitern, hat er vor einigen Jahren die Westfalen Wind GmbH gegründet. Die will mit neuen Beteiligungsmodellen eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen.

Information

Friedbert Agethen

  • Friedbert Agethen ist Geschäftsführer von mittlerweile acht Windparks in der Region Paderborn.
  • Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus sowie einer Weiterqualifizierung zum Steuerfachangestellten und mehrjähriger Arbeit in einem Büro machte er sich mit der Wintax Steuerberatungsgesellschaft selbstständig.

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Der Bürgerwindpark in Büren-Wewelsburg mit elf Anlagen und einer installierten Leistung von 25,3 Megawatt bedeutete 2011 das Startprojekt. Mittlerweile haben die Gesellschafter die Bürgerwind Westfalen Genossenschaft gegründet. Mit einem Darlehen von drei Millionen Euro ist sie am Wewelsburger Windpark beteiligt. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder ist inzwischen auf 400 angestiegen. Mit dem neuen Bürgerwindpark zwischen Büren-Weiberg und -Hegensdorf – 5 Anlagen, 11,5 Megawatt – sollen weitere dazukommen. Für das dritte große Projekt bei Bad Wünnenberg-Leiberg hat der Kreis Paderborn Genehmigungen für rund 20 weitere Anlagen erteilt.

Für interessierte Bürger ist die risikoärmere Variante eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Die Mindesteinlage beträgt 500 Euro. "Dafür gibt es eine stabile jährliche Rendite von fünf Prozent – unabhängig vom Windertrag", sagt Vorstandsmitglied Catharina Hoff. Zudem würden Zins- und Dividendenzahlungen an die Mitglieder weitergegeben. Jedes Mitglied hat ein Stimmrecht unabhängig von der Höhe des Anteils. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre zum Ende des Geschäftsjahres.

Für Kommanditisten beträgt die Mindestbeteiligung 10.000 Euro. Die Rendite ist abhängig vom Windertrag, wird von Agethen auf "jährlich rund sechs Prozent" beziffert. Die Kapitalbindung beträgt 20 Jahre. Gründungskommanditist Lackmann sieht "kein großes Risiko". Schließlich bauten die Beteiligten seit 20 Jahren Projekte auf. Bei einem weiteren in Altenbeken-Buke seien Anlagen aus dem laufenden Geschäft heraus finanziert worden.

Erneuerbare Energien

Genossenschaft & Co.

EIN KOMMENTAR VON KARL FINKE

Das frühe Wirtschaftsmodell geriet in der öffentlichen Wahrnehmung trotz Volksbanken und Raiffeisen vielleicht schon mal aus dem Blickpunkt. Mit den erneuerbaren Energien erleben die Genossenschaften einen neuerlichen Aufschwung. Mit ein paar hundert Euro kann Otto Normalverbraucher fast ohne Risiko teilhaben an den Gewinnen aus der Stromerzeugung durch Windkraft und Photovoltaik.

Auf der vom Wind begünstigten Paderborner Hochfläche finden die Projektentwickler das Modell auch als geeignet, bei den Bürgern mehr Bereitschaft für die Riesenrotoren in der Nachbarschaft zu erreichen. Alle sogenannten Bürgerwindparks in Büren und Bad Wünnenberg sind bekanntlich gegen den Willen der Kommunen vor Gericht erstritten worden. Wer sich als Genossenschaftler beteiligt und damit auch in Euro profitiert, kann die Stimmung positiv beeinflussen.

Mit einem anderen bewährten Modell haben die Gesellschafter erst gerade begonnen. Eine Stiftung schüttet ihre Erträge an Institutionen, Vereine und Verbände vor Ort aus.

Ihre Mail an den Autoren: karl.finke@ihr-kommentar.de

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