Gildemeister: Ex-Manager angeklagt

Ehemaliger Berater bereits verurteilt

Bielefeld (fr). Zwei ehemalige Mitarbeiter des Bielefelder Maschinenbauers Gildemeister sollen im Russlandgeschäft gemeinsam in die eigene Tasche gewirtschaftet und dem Konzern einen Schaden von 3,4 Millionen Euro zugefügt haben. Nachdem ein 68-jähriger Ex-Berater bereits im September vom Landgericht Bielefeld wegen Untreue in 39 Fällen sowie Beihilfe zur Untreue in 138 Fällen verurteilt worden war, wurde jetzt auch Anklage gegen den früheren Chef der Gildemeister-Niederlassung in Moskau erhoben.

Das Verfahren gegen den 53-jährigen Mindener Andreas G. war abgetrennt worden, weil er damals krank in einer Moskauer Klinik lag und transportunfähig war. Laut der Anklage sollen die beiden Ex-Mitarbeiter bei der Kalkulation für Verkäufe an russische Kunden eine zusätzliche Position in Höhe von sieben Prozent des Preises für die Maschinen eingerechnet haben. Einen Teil dieser stillen Reserve sollen die Angeklagten und ein dritter Tatverdächtiger ohne Kenntnis der Verantwortlichen der Gildemeister-Gruppe für sich abgezweigt haben.

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Die restlichen Gelder sollten laut der Anklage außerhalb der Gildemeister-Gruppe deponiert werden, "um diese später für Bestechungen oder sonstige nützliche Aufwendungen zur Förderung von Maschinenverkäufen verwenden zu können".

Allein 2005 sollen die Männer auf diese Weise bei 22 Geschäften 738.827 Euro veruntreut haben. In den Jahren 2006 bis 2009 soll der Angeklagte allein für die Geschäftsabschlüsse verantwortlich gewesen sein, wobei der bereits verurteilte Kompagnon die Kalkulationen für die Verkäufe übernommen haben soll. Von 2006 bis 2009 sollen bei weiteren 80 Geschäften fast 2,7 Millionen Euro veruntreut worden sein.

Von der veruntreuten Gesamtsumme von gut 3,4 Millionen Euro soll der jetzt angeklagte Mindener 468.690 Euro und der Ex-Berater 351.689 Euro kassiert haben. Was mit den übrigen Gelder passierte, ist bis heute unklar. Außerdem soll der ehemalige Geschäftsführer der DMG Russland von 2006 bis 2008 vier Schecks der Wohlhaupter GmbH über rund 8.300 Euro, die für Gildemeister ausgestellt waren, auf seinem Privatkonto eingelöst haben, um damit "seine allgemeinen Lebenshaltungskosten zu bestreiten".

Bei den Verkaufsgesprächen sollen die beiden zudem über Vermittler russische Kunden mit Zahlungsversprechen gelockt haben. Die genannten Summen soll der verurteilte Ex-Berater bei seinen Kostenaufstellungen und den Preisverhandlungen berücksichtigt und schließlich zur Auszahlung gebracht haben. In 23 Fällen sollen für Kaufvertragsschlüsse zwischen dem 5. Oktober 2002 und dem 3. Mai 2005 Zahlungsversprechen in Höhe von insgesamt über 1,8 Millionen Euro gemacht und ab Ende 2003 erfüllt worden sein.

Der Ex-Berater ist zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, deren Vollstreckung allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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