Zwischen den Kupferkesseln gönnt sich Marketing-Leiter Maik Bohne ein Pils seines Arbeitgebers Barre Bräu. - © FOTO: TYLER LARKIN
Zwischen den Kupferkesseln gönnt sich Marketing-Leiter Maik Bohne ein Pils seines Arbeitgebers Barre Bräu. | © FOTO: TYLER LARKIN

Den Erfolg in der Nische suchen

Privatbrauerei Ernst Barre fährt strikten Sparkurs / Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen

Lübbecke. Die Lösung könnte so einfach sein: Die Menschen könnten ihren Weltwirtschafts-Krisen-Frust mit ein paar Bierchen herunterspülen. "Tun sie aber nicht", sagt Maik Bohne, Marketing-Chef der Privatbrauerei Ernst Barre in Lübbecke.

Stattdessen ist die gesamte Brauwirtschaft "katastrophal" in das Jahr 2009 gestartet. Und Barre liegt im Trend. Der Bierabsatz in NRW insgesamt ist im ersten Quartal des Jahres um acht Prozent zurückgegangen, der Fassbierabsatz allein um elf Prozent. "Zum Glück haben wir mit der Rückkehr des guten Wetters ab Ostern eine ganze Menge wieder aufgeholt", sagt Bohne. Trotzdem hat die Lübbecker Brauerei einen strikten Sparkurs eingeschlagen.

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"Eine spürbare Reduzierung der Kosten" ist das Ziel. Davon seien alle Bereiche betroffen, sagt Brauerei-Chef Christoph Barre. Beim Sponsoring werde abgespeckt, bei der Werbung und auch bei den Personalkosten. Vom Chef bis zum Fahrer müssten alle Gehaltseinbußen hinnehmen, bestätigt Bohne - über die Höhe schweigt er sich allerdings aus.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Sonderzahlungen werde es in diesem Jahr nicht geben. Ursprünglich für dieses Jahr geplante Investitionen würden aufgeschoben. Das oberste Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ob das Ziel erreicht wird? "Wir arbeiten ganz fest daran", versichert Bohne. "Betriebsbedingte Kündigungen hat es bei Barre noch nie gegeben. Die wird es auch in diesem Jahr nicht geben."

Dabei sind die Aussichten für die kleineren Brauereien alles andere als gut, erklärt Bohne. Laut einer Prognose der Unternehmensberatung Ernst & Young, werden bis 2015 etwa zwei Dritteln der deutschen Brauereien vom Markt verschwinden. "Von derzeit 530 Brauereien mit mehr als 5.000 Hektolitern Ausstoß überleben nur 190", referiert Bohne. Der Bierkonsum werde von jetzt rund 120 Litern unter die 100-Liter-Marke sinken. "Das mittlere Preissegment bricht völlig weg."

Aber Bangemachen gilt dennoch nicht. "Natürlich haben wir Perspektiven", sagt Bohne. Die Lübbecker suchen ihr Heil in einer glaubwürdigen regionalen Positionierung. "Wir nutzen den Gegentrend zur Globalisierung. Die Sehnsucht nach Authentizität, Familie und Heimat". Zur Verdeutlichung nutzt er das Bild von einem Glas - nicht voll mit Bier, sondern mit dicken Steinen. "Je größer die Brocken, desto größer sind auch die Zwischenräume, sprich die Nischen." Und eben hier will Barre sich tummeln. "Mit Bierkultur statt Bierindustrie".


Brauerei mit Tradition



     
Die Privatbrauerei Ernst Barre wurde 1842 von Ernst Johann Barre gegründet. Christoph Barre führt die größte Privatbrauerei in Ostwestfalen seit 1997 in sechster Generation. Die Brauerei beschäftigt 110 Mitarbeiter, sie macht 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Der Bierausstoß beträgt 160.000 Hektoliter (2008). Der Fassbier-Anteil liegt bei 38 Prozent. Den größten Anteil im Sortenportfolio hat das Barre Pilsener mit 75 Prozent,, 13 Prozent machen die Biermischgetränke aus (Alster, Alt Schuss, Lemon und Weizen Grape). Die verbleibenden 12 Prozent machen die restlichen Sorten von Barre Dunkel bis Vitamalz aus. Das "Barre-Land" reicht 50 Kilometer um die Brauerei in Lübbecke.

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