Diskutierten über Entwicklung des Russlandhandels: Herbert Krüger (v.l.), Maurice Eschweiler, Christian Tegethoff, Bilgeis Mamedova, Harald Grefe, Christian Thönes, Josef Tillmann und Armin Michaely. - © Andreas Zobe
Diskutierten über Entwicklung des Russlandhandels: Herbert Krüger (v.l.), Maurice Eschweiler, Christian Tegethoff, Bilgeis Mamedova, Harald Grefe, Christian Thönes, Josef Tillmann und Armin Michaely. | © Andreas Zobe

Bielefeld IHK-Woche: Russland begeistert – Politik dämpft

IHK-Veranstaltungsreihe: DMG Mori und Tönnies berichten über den Aufbau ihrer Tochterfirmen. Hemmnisse bremsen Expansion

Martin Krause

Bielefeld. Die Politik macht die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen kompliziert. Immer neue Hürden tun sich auf. Christian Thönes, der Chef der DMG Mori AG, zeigt Humor, wenn er zum Beispiel über die „herausfordernden" Bedingungen der in Russland erwünschten „Lokalisierung" spricht. Denn bis Ende 2020 sollen 70 Prozent aller von den Bielefeldern in Russland verkauften Werkzeugmaschinen – inklusive der Einzelteile – aus russischer Produktion stammen. „Da wird viel Knowhow transferiert – vom Brunnenbau bis zum Wassertragen", sagt Thönes salopp. An einigen sensiblen Stellen wie beim Bau von Steuerungen aber werde die Lokalisierung nicht weitergehen. Das müsse Moskau akzeptieren. Anträge für Exporte stapeln sich Bei den Russlandtagen der IHK Bielefeld („Ostwestfalen meets Russia") zeigt sich viel unternehmerische Begeisterung für das Riesenland im Osten. Hürden gibt es aber auch auf deutscher Seite, bedingt etwa durch die Sanktionen von EU und USA. Weil mit den Bielefelder Maschinen auch Waffen produziert werden könnten, seien Ausfuhranträge nötig, die sich nun stapelten: „Das dauert bis zu drei Monaten und ist ein Wettbewerbsnachteil", so Thönes. Denn viele Dinge könnten die Russen eben auch in China bestellen. Thönes ist dennoch zufrieden mit dem Russland-Engagement und der Fabrik in Uljanowsk an der Wolga. Jeder Besuch beginne mit Wodka, sagt er augenzwinkernd. Fachkräfte und Infrastruktur seien gut, das Russland-Geschäft mit 200 (russischen) Mitarbeitern liefere 10 Prozent Umsatzrendite – trotz hoher Investitionen von 120 Millionen Euro. Russischer Importstopp trifft Tönnies Nicht ganz so glücklich zeigt sich Josef Tillmann, Geschäftsführer von Tönnies-Lebensmittel. Es werde nicht jedes Jahr die schwarze Null erreicht, deutete er an. Seit vier Jahren könne Tönnies wegen des russischen Importstopps kein Fleisch mehr in das Land liefern, das einst das größte Exportziel der Ostwestfalen war. Umso beeindruckender, was Tönnies in Russland aufgebaut hat: 2016 wurden in 13 eigenen Mastbetrieben 82.300 Tonnen Schweinefleisch produziert, auf 45.000 Hektar Acker werden Futtermittel vom Getreide bis zur Rübe produziert. Auch ein Mischfutterwerk gehört zum Firmenreich mit 1.100 Mitarbeitern. Schlachthofprojekt liegt auf Eis Tönnies hat geholfen, die russische Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu verbessern. Den genehmigten Schlachthof will der Schlachtkonzern aber vorerst noch nicht bauen: Das Projekt liegt wegen der politischen Unsicherheit auf Eis.

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