Wetteranfällig: Getreide wie die Gerste. - © picture alliance / ZB
Wetteranfällig: Getreide wie die Gerste. | © picture alliance / ZB

Bielefeld Extremwetter sorgt für schrumpfende Ernteprognosen

Schätzungen: Allein beim Weizen wird deutschlandweit ein Minus von rund einer Million Tonnen erwartet. Welche Auswirkungen hat das auf die Verbraucher?

Jobst Lüdeking

Bielefeld. Hitze wie selten, dann wieder heftige Gewitter: Das Extremwetter in diesem Frühjahr sorgt auf vielen Bauernhöfen in Deutschland für schlechte Ernteaussichten. In OWL zeichnen sich aktuell in Regionen mit sandigen Böden Probleme ab, weil das Getreide verdorrt - und das trotz heftiger Regengüsse. Besonders betroffen sind aber Bauern im Nordosten des Landes. In Niedersachsen fehlen in Dürreregionen östlich der Autobahn 7 bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter. Hier drohen immense Verluste. "Einige Landwirte überlegen, ob sie ihr Getreide dreschen können oder sie es jetzt als Viehfutter häckseln", skizziert Walter Hollweg, Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Lage. Wo es Beregnungsmöglichkeiten gibt, laufen sie rund um die Uhr, um Kartoffeln, Rüben oder Braugerste zu retten. An heißen Tagen verdunsten durchschnittlich bis zu fünf Liter Wasser pro Quadratmeter. Auf Sandböden drohen Einbußen Zwischen Weser und Rhein schätzt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, die anstehende Ernte zwar insgesamt als gut ein. Auf den teils sandigen Standorten in Westfalen mit wenig Wasser im Boden sowie in einigen Bereichen Lippes drohten aber Einbußen. Die Frühjahrstrockenheit tritt seit Jahren auf. Die Landwirte haben sich darauf eingerichtet. In diesem Jahr wirkt sie aber durch die Hitze extrem verstärkt. Ein weiteres Phänomen ist die ungleiche Verteilung von Niederschlägen: Während an einem Ort sintflutartige 50 Liter fallen, die aber von der trocknen Erde nicht aufgenommen werden können, sondern samt Bodenpartikeln hangabwärts fließen, sind es drei Kilometer entfernt nur drei Millimeter. Bundesweit rechnet der Deutsche Raiffeisenverband, Dachorganisation der bäuerlichen Warengenossenschaften, allein beim Weizen mit einem Minus von rund einer Million Tonnen und spricht von einer der schlechtesten Ernten seit der Jahrtausendwende. Im Laden spüren werden Verbraucher dies alles aber wohl nicht, weil Ausfälle hierzulande durch Importe ausgeglichen werden können. "Wir gehen derzeit EU-weit von einer leicht überdurchschnittlichen Ernte aus", sagt Guido Seedler, Marktexperte beim Raiffeisenverband. Einem erwarteten Verbrauch von 42,5 Millionen stehe eine geschätzte Ernte von 43,8 Millionen Tonnen Getreide gegenüber. In Frankreich wachse eine der besten Weizenernten der letzten Jahre heran. Auch Osteuropa erwarte trotz Trockenheit eine gute Ernte. So hat die Ukraine ihre Getreideschätzung jüngst um vier Millionen Tonnen erhöht.

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