Gute Haltungsnoten: Josh surft auf dem Stand von Intel. Die Aktion wird in eine Messehalle übertragen. - © Matthias Bungeroth
Gute Haltungsnoten: Josh surft auf dem Stand von Intel. Die Aktion wird in eine Messehalle übertragen. | © Matthias Bungeroth

Hannover Die Cebit surft auf der Erfolgswelle

Die IT-Messe startet in Hannover mit neuem Konzept durch. Party-Atmosphäre mischt sich mit Business-Zielen. Die Branche zeigt sich dafür offen

Matthias Bungeroth

Hannover. Ein Surfer zieht seine Bahn auf einer künstlichen Wellenanlage, rundherum bieten Bars und Cafés kühle Getränke und Snacks an, Musik erfüllt die Luft. Ein Riesenrad lädt zur Fahrt in den blauen Hannoveraner Himmel ein. Doch nicht das größte Schützenfest der Welt lockt diesmal die Besucher in die niedersächsische Landeshauptstadt. Es ist Zeit für die neue Cebit 2018. Und die zeigt sich in bester Partylaune. „Wir haben mutige, radikale Entscheidungen getroffen", sagt Messe-Vorstand Oliver Frese. Wirtschaft und Gesellschaft müssten sich Gedanken machen, wie die digitale Welt gestaltet werden solle. Und in diesen Prozess wollen die Messeprofis aus Hannover unbedingt auch die kreative Szene junger IT-Spezialisten einbinden, die die Entwicklung mit innovativen Ideen voranbringen sollen. Nächste Generation mit einbinden Denn, so Frese zur Cebit im alten Gewand: „Uns ist es nicht gelungen, die nächste Generation der Entscheider zu aktivieren." So stößt man mit dem neuen, hippen Konzept – täglich legen DJs der internationalen Szene auf der Cebit auf – zwar dem einen oder anderen Messe-Traditionalisten vor den Kopf. Doch Frese wie Achim Berg, Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), sind sich sicher, dass dieser Schritt richtig ist und Erfolg haben wird. „Jetzt muss zugelegt werden. Je später wir anfangen, desto steiler ist der Weg nach oben", sagt Berg. Illusion, Action und vor allem Speed seien gefordert, um den Prozess der Digitalisierung voranzubringen. Ein Beispiel für innovative Ideen aus diesem Bereich zeigt die Gütersloher Bertelsmann-Tochter Arvato. Sie präsentiert auf dem Freigelände den mächtigen Scan-Truck „Andi" (das steht für analog zu digital), den die Firma Krukenmeier aus Delbrück gebaut hat, wie Klaus-Peter Horstmann, Leiter Vertrieb bei Arvato Direct Services, dieser Zeitung erläutert. Digitaler Truck Das Innenleben des mächtigen Transporters ist natürlich von anderen Herstellern. Dazu zählt ein Hochleistungsscanner von Kodak. Er ermöglicht es, dass in dem Truck pro Tag bis zu 100.000 Din-A-4-Seiten Akten digitalisiert werden können. „Wir haben gesagt, Akten über Autobahnen zu transportieren, ist viel zu gefährlich", sagt Horstmann. Dadurch, dass man mit dem Truck direkt auf das Firmengelände des Kunden fahre, würden Gefahrenmomente für sensible Daten abgestellt. Erst seit Ende Dezember 2017 gibt es dieses Angebot aus dem Hause Arvato, das eigenen Angaben zufolge bislang einmalig ist. Der Truck hat sowohl ein eigenes Rechenzentrum als auch eine eigene Stromversorgung an Bord, ist also autark. Als ergänzende Dienstleistung bietet der Bielefelder Softwarehersteller Ceyoniq die E-Akte an, damit die digitalen Daten in der jeweiligen Firma auch adäquat weiterverarbeitet werden können. Der Datensicherheit kommt bei Investitionen in die Digitalisierung eine Schlüsselrolle zu, wie Bitkom-Chef Berg aufgrund einer Unternehmensbefragung erläutert. Danach halten zwar 89 Prozent der Firmen die Digitalisierung für eine Chance. Doch nur 23 Prozent investieren in diesen Bereich. Als Haupthemmnisse werden Anforderungen an den Datenschutz (63 Prozent) und Anforderungen an die technische Sicherheit (54) genannt.

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