Ein Bild aus hoffnungsfrohen Zeiten: Der frühere Diebold-Chef Andy Mattes (l.) und der frühere Wincor-Nixdorf-Chef Eckard Heidloff, die gemeinsam die Fusion der Unternehmen realisiert haben. - © Diebold Nixdorf
Ein Bild aus hoffnungsfrohen Zeiten: Der frühere Diebold-Chef Andy Mattes (l.) und der frühere Wincor-Nixdorf-Chef Eckard Heidloff, die gemeinsam die Fusion der Unternehmen realisiert haben. | © Diebold Nixdorf

Paderborn Weitere Einbußen für Diebold Nixdorf

Geldautomatenhersteller: Der Umsatz ist geschrumpft, die Verluste waren höher als erwartet. Jetzt wird das Management erneut umgebaut

Martin Krause

North Canton/Paderborn. Der Diebold-Nixdorf-Konzern rutscht noch tiefer in die Krise. Für das erste Quartal hat die US-amerikanische Konzernmutter eine weitere Eintrübung bei Umsatz und Gewinn gemeldet. Am Standort Paderborn wächst inzwischen die Nervosität in der Belegschaft, von „extremer Verunsicherung" ist die Rede. Bekannt ist, dass von den zuletzt noch 1.700 Stellen in Paderborn etwa 200 abgebaut werden sollen – konkrete Pläne seien bisher aber nicht bekannt. Einen besonders dramatischen Einbruch musste das Unternehmen, das mit weltweit 23.000 Mitarbeitern Geräte, Software und Services für Banken und Einzelhandel anbietet, im Hardwaregeschäft hinnehmen: Die Umsätze mit Geräten wie Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern schrumpften im ersten Quartal um 15,9 Prozent auf 352,5 Millionen Dollar. Konzernweit sanken die Erlöse um 3,5 Prozent auf 1,064 Milliarden Dollar (887 Millionen Euro). Unsicherheit über künftige Bedeutung des Bargelds spielt eine Rolle Als Gründe für die Probleme gelten die Ertragsschwäche vieler Banken angesichts niedriger Zinsen und die Unsicherheit über die künftige Bedeutung des Bargelds: Die Herausforderungen im Geschäft mit den Banken seien ähnlich wie 2017, resümierte Diebold-Nixdorf-Finanzchef Chris Chapman – Erlöse und Profite „bleiben unter Druck". Auch die Verluste sind weiter gewachsen: Unter dem Strich fiel ein Nettoverlust in Höhe von 63,3 Millionen Dollar (knapp 53 Millionen Euro) an. Das Defizit ist damit um mehr als 20 Prozent größer als im ersten Quartal des Vorjahres – eine Folge der US-Steuerreform, wie Unternehmenssprecher Andreas Bruck erklärte. Die Prognose für den erwarteten Nettoverlust wurde von bisher 40 bis 65 Millionen auf nun 75 bis 95 Millionen Dollar Defizit kräftig erhöht. Allerdings hat sich auch das operative Ergebnis (vor Sondereffekten) verschlechtert. Viele Aktionäre verkauften ihre Aktien, der Kursverlust setzte sich gestern (auf zuletzt 12,50 Dollar) fort. Seit Juli 2017 verlor die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes. Die Führung soll umgebaut werden Der neue Konzernchef Gerrard Schmid, der die Nachfolge von Andy Mattes angetreten hat – nach einem kurzen Interregnum mit dem Deutschen Jürgen Wunram als Co-Chef – will die Führung jetzt umbauen, die Struktur schlanker und effizienter aufstellen. Die entscheidenden Unternehmensbereiche sollen dafür nun wieder die Segmente Banking und Retail (Handel) sein. Die Banking-Sparte wird in Europa, Afrika und Asien zur Region Eurasia zusammengefasst und von Neil Emerson geführt (bisher Singapur); das Banking-Geschäft in Amerika leitet Octavio Marquez. Der Brite Mark Brewer soll sich von der Konzernzentrale in Ohio aus um das (in Europa verwurzelte) Geschäft mit dem Handel kümmern. Wenn Jürgen Wunram Ende Mai endgültig aus dem Top-Management ausscheidet, wird in der allerersten Reihe neben Vorstandschef Gerrard Schmid und Finanzchef Chapman kein Deutscher mehr sitzen. Die bisherige Sparteneinteilung nach Produktbereichen – Software, Services und Hardware – wird in ihrer Bedeutung herabgestuft. Hier bleiben die Deutschen Ulrich Näher (für Hardware) und Olaf Heyden (Services) in der Verantwortung. Heyden und Näher, der im Juni auch Chef der deutschen AG wird, gehören dem zehnköpfigen Führungsteam an, das direkt an Schmid berichtet.

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