Woche der Ausbildung: Vorbildliche Handwerksbetriebe. Hier gehts um den Maurer Benjamin Markwa - © Sarah Jonek
Woche der Ausbildung: Vorbildliche Handwerksbetriebe. Hier gehts um den Maurer Benjamin Markwa | © Sarah Jonek

Berufliche Bildung: Stillstand ist Rückschritt

Woche der beruflichen Bildung: Benjamin Markwa ist innerhalb von drei Jahren Maurermeister geworden. Geholfen hat auch ein Weiterbildungsstipendium für besonders Talentierte

Dennis Bleck

Bielefeld. Benjamin Markwa ist ehrgeizig. Der erst 26 Jahre alte Bielefelder hat in seinem Leben schon viel erreicht – auch Rückschläge werfen ihn nicht aus der Bahn. Nach seinem Abitur begann er ein Studium. Die Fächerkombination Philosophie, Physik und Wirtschaftswissenschaften erwies sich aber nicht als Glücksgriff. Markwa brach das Studium ab, startete im Sommer 2014 eine Lehre als Maurer. Heute, mehr als dreieinhalb Jahre später, ist Markwa Maurermeister, hat zahlreiche Fortbildungen abgeschlossen, und besucht derzeit einen Weiterbildungskurs zum Restaurator. Möglich macht dies ein Weiterbildungsstipendium, das jungen Menschen bei erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung finanziell unterstützt. „Das Stipendium hilft bei der Finanzierung von fachlich und fachübergreifenden Weiterbildungen", sagt Petra Sielemann von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Die zuständige Mitarbeiterin ist seit 1991 für das Programm verantwortlich. Damals startete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierte Projekt. Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) übernimmt die Koordination. „Ich habe jährlich 2.400 Euro für Qualifizierungsmaßnahmen erhalten – drei Jahre lang", erinnert sich Markwa. Um die Fördermittel abzurufen, braucht der Stipendiat in der Gesellenprüfung ein Gesamtergebnis von mindestens 87 Punkten. Markwa schaffte 89 Punkte. Auch vordere Plätze bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder ein begründeter Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule können zur Aufnahme in das Förderprogramm führen. Diese ist bis zum Alter von 24 Jahren möglich. „Die Stipendiaten suchen sich ihre Fortbildungskurse selber aus", sagt Sielemann. Bei Benjamin Markwa spart sie nicht mit Lob: „Er hat wirklich sehr viele Kurse gemacht und war dabei sehr zielstrebig." Er sei ein Muster für unbändigen Willen. Der Bielefelder Handwerker reagiert bescheiden. „Der Beruf macht einfach Spaß", sagt er. Es sei spannend, sich ständig weiterzuentwickeln. Neben einem Rhetorik-Seminar besuchte Markwa einen Intensivschmiedekurs und einen Individualseminar Fliesenlegen. Seit mehr als einem halben Jahr lässt er sich zudem zum Restaurator fortbilden. Davon gibt es bundesweit 2.500. „Mit der Fortbildung habe ich schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal", erklärt er. Dass er nach dem erfolglosen Studium eine Lehre als Maurer begann, war Zufall. Markwa arbeitete nebenbei im Lager. Ein Freund erzählte ihm von einem benachbarten Bauunternehmer, der Leute sucht. „Dann habe ich wenig später beim Meisterbetrieb Schomaker in Bielefeld begonnen", sagt Markwa. „Ab dann bin ich jeden Morgen mit einem Strahlen zur Arbeit gegangen", führt er fort. Mittlerweile arbeitet Markwa bei Lagerquist-Bau in Bielefeld. Dort ist er zunächst als Geselle angestellt. „Ich möchte weitere Erfahrung sammeln und mich entwickeln", sagt Markwa zu seinen kurzfristigen Zielen. Langfristig möchte er sein eigenes Unternehmen führen und vielleicht irgendwann noch die Meisterprüfung im Fliesenlegen ablegen: „Für mein Ego", sagt er lachend und fügt an: „Ich habe einen gewissen Anspruch an meinen Beruf." Stillstand bedeutet für Markwa eben Rückschritt.

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