Clemens Tönnies steht zum Fleisch, das Marktsegment Veggie-Produkte dagegen wird im Tönnies-Konzern schrumpfen. - © Jens Ostrowski (Archivfoto)
Clemens Tönnies steht zum Fleisch, das Marktsegment Veggie-Produkte dagegen wird im Tönnies-Konzern schrumpfen. | © Jens Ostrowski (Archivfoto)

Rheda-Wiedenbrück Tönnies macht Schluss mit der Veggie-Wurst

Das Fleisch-Unternehmen wird sich weitestgehend aus dem Markt für Ersatzprodukte zurückziehen.

Marc Schröder

Rheda-Wiedenbrück. Im Rahmen der Vorstellung der Geschäftsbilanz sagte Unternehmenschef Clemens Tönnies, dass ihm Fleischersatzprodukte nicht zusagten. Zweimal habe er Veggie-Wurst probiert. "Und zweimal hat es mir absolut nicht geschmeckt." Der Konzern ist im Bereich der Fleischersatzprodukte mit der Marke Gutfried aktiv, wird das entsprechende Sortiment jedoch deutlich reduzieren. Das Geschäft der Tochterfirma Nölke sei davon allerdings nicht betroffen. Die Aussagen zum Thema Veggie- und Fleischersatzprodukte machte Tönnies gegenüber der Zeitung "Die Welt". Unter anderem wird der gelernte Metzger zitiert: "Wenn in Zukunft eine Anfrage für eine Verkostung von Veggie-Wurst kommt, habe ich keine Zeit." Dies sei die Ansage an sein Sekretariat hinsichtlich entsprechender Anfragen. Fleischersatz fast nur noch für Reformhaus-Markt Beim ostwestfälischen Schlacht- und Fleischkonzern hat das Marktsegment wohl kaum eine Zukunft. Das Veggie-Angebot der Marke Gutfried werde von sieben auf ein Produkt eingeschmolzen, kündigte Tönnies am Montag an. Die Entwicklung geht in diesem Bereich damit deutlich entgegen der allgemeinen Zahlen und Wachstumspläne im Kerngeschäft Fleisch. Für die Tochterfirma Nölke, hier werden die Geflügel- und Veggie-Varianten für Gutfried produziert, hat diese Entscheidung wohl keine Konsequenzen. Das traditionelle Segment für Fleischersatz von Nölke sei der Markt für Reformhäuser, für den man seit 25 Jahren Produkte anbiete. Ein Bereich der sich anders präsentiere als der Massenmarkt für Supermärkte und Discounter. Auch andere Hersteller setzen immer weniger auf die Ersatzprodukte. "Der Veggie-Hype ist vorbei", sagte etwa der Chef des Wurst Unternehmens Reinert, Hans-Ewald Reinert, im Januar. Tönnies will kein Fleisch im Labor züchten Eine weitere klare Meinung hat Tönnies zum Thema Fleischerzeugung im Labor. Von künstlichem Fleisch halte er nichts und solange er an der Unternehmensspitze stehe werde es nur „echtes und richtiges Fleisch" verkaufen. Damit scheint die Marktbeobachtung des Unternehmens eindeutig geklärt zu sein. Tönnies-Mitbewerber Wiesenhof hatte Anfang des Jahres in das Start-up Supermeat investiert, das daran arbeitet Fleisch aus der Petrischale zur Marktreife zu bringen.

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