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Wirtschaft Tönnies will weiter wachsen

Unternehmensgruppe will mehr Rinder schlachten und den Markt in Mexiko erobern

Rheda-Wiedenbrück. Erstmals sitzt der Manager Andreas Ruff als Co-Vorsitzender von Deutschlands größtem Fleischkonzern Tönnies bei der Bilanzvorlage mit am Tisch – neben dem bisherigen Alleinchef Clemens Tönnies und dessen Sohn Maximilian, dem Co-Chef der Zur-Mühlen-Gruppe. Die Zusammenarbeit mit Ruff, der ehemals den Tiefkühlmenü-Hersteller Apetito leitete, beschreibt Clemens Tönnies als „hart und herzlich", so wie in der Fleischbranche üblich. Die „gigantische" Tönnies-Gruppe könne „breite Schultern" gebrauchen, auch wenn er sich daran gewöhnen musste, nicht mehr eigenständig zu entscheiden, wie Clemens Tönnies anfangs einräumt. Ruff, der nach dem Ende des Familienstreits um die Konzernführung den Gesellschafter Robert Tönnies vertritt, sieht das Unternehmen gut aufgestellt. Und er konstatiert: „Wir sind hungrig auf Erfolg." Schrumpfender Schweinefleisch-Markt Der Konzern sei in einem schwierigen Marktumfeld und trotz eines schrumpfenden Schweinefleisch-Marktes in Deutschland und Dänemark gewachsen, resümiert Clemens Tönnies. Im vergangenen Jahr steigerte die Unternehmensgruppe, die neben Fleisch- und Wurst- auch Convenience-Produkte fertigt, ihren konsolidierten Gesamtumsatz um 8,6 Prozent, sprich 550 Millionen auf 6,9 Milliarden Euro. Doch einzig die Integration der Zur-Mühlen"-Gruppe, die intern mit 400 Millionen Euro Umsatz zu Buche schlägt, und Zukäufe (Lutz-Gruppe, Marten) sorgten für Wachstum. Ohne zusätzliche Unternehmen verharrte der Umsatz auf Vorjahresniveau. Weltweit schlachtete die Tönnies-Gruppe (rund 15.500 Mitarbeiter) im vergangenen Jahr 20,6 Millionen Schweine (rund ein Prozent plus). Bei Rindern stiegen die Schlachtzahlen um 2 Prozent auf 432.000. Mit der Übernahme der Lutz-Gruppe werde der Rinderschlacht- und Zerlegebetrieb in Badbergen ausgebaut („In der ersten Woche haben wir dort knapp 10.000 Rinder geschlachtet."). Die Rinderschlachtung werde von Rheda nach Badbergen verlegt. Die Convenience-Produktion werde mittelfristig nach Rheda geholt, wo an die 7.000 Mitarbeiter arbeiten – die Hälfte davon als Leiharbeiter. 35,8 Kilo pro Kopf Laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist der Schweinefleisch-Markt in Deutschland erneut geschrumpft. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank 2017 weiter um etwa 900 Gramm auf 35,8 Kilogramm. Dieser Trend werde sich 2018 fortsetzen. Auch Tönnies spricht von einem schwachen Inlandsgeschäft – trotz gestarteter Grillsaison. Tönnies und Ruff erwarten 2018 leichtes Wachstum – vor allem durch verstärkte Internationalisierung (Exportquote derzeit 50 Prozent) sowie der in Deutschland wachsenden Nachfrage nach Rindfleisch und durch neue Produkte. Seit 2018 fertigt die Tönnies-Tochter Petcura (Meppen) aus eigenen Rohstoffen Hunde- und Katzenfutter im Hochpreissegment. Das erhöhe die Wertschöpfung. Mehr Tierwohl, höhere Preise Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Schweinefleischpreise weltweit gedrückt. „Wer gedacht hätte, dass sich die Strafzölle positiv auf die Preise in Deutschland auswirken, hat sich getäuscht", so Tönnies. Das Fleisch aus den USA werde weltweit auf die Märkte kommen – statt nach China. In Mexiko habe Tönnies eine Genehmigung für den Export von Schweinefleisch. Erste Container wurden testweise losgeschickt. Hierzulande erarbeite der Konzern mit Landwirten und Unis nachhaltige Lösungen für Tierhaltung, Transport und Schlachtung. „Aber für mehr Tierwohl müssen Verbraucher auch mehr bezahlen", fordert Tönnies.

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