Kuala Lumpur Erfolgreich in Kuala Lumpur: Dörentruper Unternehmen A & H Meyer

Peter Lenhardt, Leiter der Niederlassung, spricht von "seiner Traumfabrik"

Stefan Schelp

Kuala Lumpur. Manchmal passt eben alles: Peter Lenhardt war in China aktiv und wollte weg – so zügig wie möglich. Malaysia war eine Option. Horst Meyer, Chef des Dörentruper Unternehmens A & H Meyer wollte auf den asiatischen Markt. Am liebsten nach Malaysia. Bei einer Veranstaltung der IHK Ostwestfalen liefen sich die beiden über den Weg. Ruckzuck waren sie handelseinig. Das war vor ziemlich genau 20 Jahren. Lenhardt führt seither die Niederlassung in der Nähe der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur – und macht den Eindruck, als wollte er nie wieder weg. „Das hier ist meine Traumfabrik", erzählt er der Unternehmergruppe aus OWL, die auf Sondierungstour in Malaysia ist. Längst ist Lenhardt auch Präsident der deutsch-malaysischen Industrie- und Handelskammer. „Wir sind hier im Herzen Asiens, das ist ein idealer Produktionsstandort." Und der Absatzmarkt wächst wie die Wolkenkratzer in Kuala Lumpur. A & H Meyer kümmert sich um die Verkabelung von Büros, liefert das Zubehör, damit Daten und Strom fließen. „Ja", sagt Lenhardt, „natürlich auch in den Twin-Towers". Noch immer sind die beiden Türme die Wahrzeichen der Metropole. Längst sind sie nicht mehr die höchsten Häuser der Welt. Aber der Titel der höchsten Zwillingstürme der Welt gilt noch immer. „Wir sitzen hier wie die Spinne im asiatischen Netz", referiert Lenhardt. „Wir haben es nie bereut, dass wir in Malaysia investiert haben." Nach Tokio, Dubai, Sydney sind es nur acht Flugstunden. Eigentlich ein Klacks. Der Mindestlohn 
liegt derzeit noch 
bei 250 Euro In erreichbarer Entfernung sind mithin der chinesische Markt mit einer Milliarde Menschen, der indische Markt mit ebenso hoher Bevölkerung. Dazu Indonesien (270 Millionen Menschen), die Philippinen mit 160 Millionen und Thailand mit 100 Millionen. 60 Prozent des Geschäfts geht in den Export. Aber auch die verbleibenden 40 Prozent bieten Potenzial. Malaysia ist weltweit der zweitgrößte Produzent von Büromöbeln, erzählt Lenhardt. Und wo ein Schreibtisch produziert wird, da muss natürlich auch eine Datenleitung verlegt werden. Als die Dörentruper sich vor 20 Jahren anschickten, sich in Malaysia anzusiedeln, leistete der Staat Unterstützung. Lenhardt handelte eine Befreiung vom Einfuhrzoll aus. „Das funktioniert noch immer", erzählt er. „Das ist so etwas wie unser persönliches Freihandelsabkommen." Trotzdem bleiben natürlich die Transportkosten, weshalb sich das Unternehmen bemüht, auch noch mehr Zulieferer vor Ort zu finden. „Den Kostendruck spüren natürlich auch wir." Der Mindestlohn liegt derzeit bei umgerechnet gut 250 Euro. Dabei werde es wohl kaum bleiben, lautet die Prognose. Malaysia will weg vom Image des Niedriglohnlandes. Immerhin gehört der fernöstliche Staat zu den G-20-Nationen, bis 2020 soll das Land endgültig eine Industrienation geworden sei. Was genau das sein soll, darüber streiten die Geister allerdings nicht allein im Fernen Osten. Dass es noch ein Stück Weg bis dahin ist, versteht sich von selbst. Dass das Ziel erreichbar ist, bezweifelt aber niemand in diesem heißen, feuchten Land – auch nicht Nikolaus Graf von Lambsdorff, der deutsche Botschafter im Land. Allerdings blickt er mit Bangen auf die für Anfang Mai angesetzten Neuwahlen. Eigentlich geht er davon aus, dass die Koalition, die seit Jahrzehnten an der Macht ist, auch diesmal den Wahlsieg schafft. Und wenn nicht? „Dann wird es am Tag nach der Wahl spannend", sagt er und lässt damit bewusst sehr viel offen. Deutsche Unternehmen hat das bislang nicht wirklich abgeschreckt. Osram will eine Milliarde im Industriegebiet von Penang, vier Stunden nördlich von Kuala Lumpur investieren, auch Infineon will kräftig ausbauen. Dass der bislang gemäßigte Islam im Land mehr Einfluss gewinnt, sei sicher. „Aber einen Einfluss auf die Investitionen wird das nicht haben." Zusätzlich spiele Malaysia in die Karten, dass viele Unternehmen überlegten, Malaysia als Ausweichstandort zu nutzen, die nicht länger in China bleiben wollten. Lenhardt hört all das mit Wohlwollen. Er bleibt dort, keine Frage. Dass er trotzdem ostwestfälisch-lippische Prägung abbekommen hat, merkt jeder, der ihn nach Umsatz und Gewinn fragt. „Darüber sprechen wir nicht", sagt er und grinst. Immerhin – das Lächeln wirkt sehr zufrieden. Großer Fachkräftemangel in Malaysia – auch Gastarbeiter füllen die Lücke Das kommt den Ostwestfalen bekannt vor: In Malaysia gibt es einen ausgeprägten Fachkräftemangel. Rund 1,2 Millionen Spezialisten bräuchte man, um die Lücken auf dem Arbeitsmarkt auszufüllen. Der Anteil von Gastarbeitern aus anderen asiatischen Ländern steigt. Kein Wunder – bei einer Einwohnerzahl von 31 Millionen ist das Reservoir eben nicht allzu groß. Eine Methode, Fachkräfte im eigenen Land heranzuziehen, stammt aus Deutschland, heißt dort duale Ausbildung und in Malaysia „German Dual Vocation Training". Begonnen hat die Auslandshandelskammer vor rund acht Jahren mit den Vorbereitungen für das Programm, im vergangenen Jahr hat der erste Jahrgang seine Abschlusszeugnisse bekommen. Und zwar mit dem höchsten Level, das hier erreicht werden kann. Eine Ausbildung ist zwar auch in Malaysia vorgesehen, aber sie dauert zumeist sechs Monate, maximal ein Jahr. In Zeiten von Industrie 4.0 ist das deutlich zu wenig. In Kuala Lumpur und in Penang bietet die AHK das Programm der dualen Ausbildung an. Besonders Mechatroniker sind gefragt, auch Speditionskaufleute, die Bürojobs etwas weniger. Zurzeit absolvieren 150 Azubis das Programm. Die Argumente für die duale Ausbildung sind dieselben wie in Deutschland: Es gibt Geld von Anfang an, man muss sich nicht mit Studienkrediten verschulden. An den Unis ist die Abbrecherquote hoch. Die deutschen Unternehmen vor Ort unterstützen das Programm, um das sich in Kuala Lumpur AHK-Abteilungsleiter Josef Tschoe kümmert. Sorgen macht ihm vor allem die Finanzierung. In Deutschland kümmert sich der Staat um die Berufsschulen – in Malaysia nicht. „Wir wollten das Programm auch in weitere Malaysischen Bundesstaaten bringen. Aber dafür fehlt die Finanzierung."

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